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März 2000: Fachkrankenhaus Bethanien wird vor der Schließung bewahrt

25 Jahre DAZ März 2000: Fachkrankenhaus Bethanien wird vor der Schließung bewahrt

Im Rahmen der Serie 25 Jahre DAZ steht heute das Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen im Mittelpunkt. Die 1874 gegründete Heilanstalt für psychisch Kranke hätte im Jahr 2000 beinahe ein jähes Ende erlebt. Dank geschickten Einsatzes des ärztlichen Leiters und des Landrats blieb sie von der Schließung verschont.

Im November 2014 wurden die Sanierungsarbeiten am 242 Meter langen Hauptgebäude abgeschlossen – ein großer Erfolg, nachdem das Haus 2000 vor der Schließung stand.

Quelle: Natasha G. Allner (Archiv)

Hochweitzschen. Die DAZ beging gestern ihren 25. Geburtstag. Für die Redaktion ist das Anlass, in den nächsten Wochen in loser Folge auf besondere Ereignisse, Orte und Menschen dieser Zeit zurückzublicken. Heute im Fokus: Das Fachkrankenhaus Hochweitzschen – einzige psychiatrische Fachklinik im Landkreis Mittelsachsen und damit zuständig für Patienten von Döbeln bis zum Rand des Erzgebirges. Das Haus unter der ärztlichen Leitung von Dr. Rudolf Lehle hat in seiner 142-jährigen Geschichte einige Höhen und Tiefen miterlebt. 2000 wäre es beinahe geschlossen worden. Doch der gemeinsame Einsatz von Lehle und dem damaligen Döbelner Landrat Dr. Manfred Graetz brachte die Rettung.

Dr Rudolf Lehle im Frühjahr 2016 vor dem fertig sanierten Fachkrankenhaus Bethanien, nachdem eine Erhöhung der Bettenanzahl um sechs verkündet

Dr. Rudolf Lehle im Frühjahr 2016 vor dem fertig sanierten Fachkrankenhaus Bethanien, nachdem eine Erhöhung der Bettenanzahl um sechs verkündet worden war.

Quelle: Sven Bartsch (Archiv)

Nach der Wiedervereinigung wird es schnell kompliziert für die große Einrichtung. Sanierungsbedürftig und von großem Fachkräftemangel betroffen, steht die Hochweitzschener Klinik auf der Kippe. „Wir danken heute noch Dr. Manfred Graetz. Am 3. März 2000 hat sich das Blatt gewendet. Hochweitzschen war im Entwicklungsplan der Krankenhäuser schon gestrichen. Dann wurde es dank massiver Einmischung der Politik gerettet“, erzählt Lehle bei einem Rückblick auf die Historie des Hauses. „Es stellen sich mir heute noch die Nackenhaare auf, wenn ich an die entscheidende Sitzung denke.“

Es ist ein Freitagnachmittag an dem die Zukunft der Einrichtung entschieden wird. Manfred Graetz erinnert sich: „Es ging von Mittag bis nach 18 Uhr. Wir waren super vorbereitet, die Krankenhausgesellschaft war auf unserer Seite, die AOK und andere Kassen auch. Ich hatte von Psychiatrie keine Ahnung, aber habe mich vorher mit Dr. Lehle abgesprochen und Argumente gesammelt. Ich musste quasi für den Landkreis gegen den Freistaat argumentieren“, berichtet er. Die Entscheidung fällt knapp zu Gunsten der Klinik. „Bis zuletzt war völlig offen, wie es ausgeht. Daher sollte man nie aufgeben, auch wenn es aussichtslos aussieht.“

Zwar muss das Haus kräftig Federn lassen: Bis 2004 sinkt die Bettenanzahl unter 100 – radikal im Vergleich zu DDR-Zeiten mit insgesamt bis zu 1462 Betten. Heute sind es wieder 122 und zusätzlich 47 Tagesklinik-Plätze in Döbeln. Vor knapp zwei Jahren wurde die Sanierung der Klinik abgeschlossen. Im Dezember feiert die Einrichtung dank des Einsatzes vor 16 Jahren ihren 142. Geburtstag.

Sie ist das zweitälteste noch bestehende Fachkrankenhaus in Sachsen. 1837 wird die Heilanstalt auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf gegründet. 1874 folgt Bethanien als Pflegeanstalt für chronisch psychisch Kranke. „Damals stand die Frage, was ist die Steigerung von Irrenanstalt“, sagt Lehle. „Meine Vorgänger im 19. Jahrhundert waren nicht Nervenärzte, sondern Irrenärzte“. 1889 wird die Klinik für Epilepsie-Patienten aus ganz Sachsen ausgebaut. Bis 1922 beherbergt sie die erste staatliche Pflegerschule.

Während der NS-Zeit folgen die dunklen Jahre der Anstaltsgeschichte. Mehr als 1000 Patienten lässt man regelrecht verhungern, etwa 1200 weitere werden in Sammeltransporten zu den Gaskammern in Pirna-Sonnenstein gebracht. Während der DDR-Zeit sind in der Abteilung 2 der Justizvollzugsanstalt Waldheim bis zu 250 psychisch kranke Rechtsbrecher, aber auch Staatskritiker und Grenzflüchtlinge als Patienten der Fachklinik untergebracht. Die Verbindung zum Gefängnis wird später gelöst, erst seit den 1960er Jahren wird therapeutisch im heutigen Sinne behandelt. So hat das Haus alle Facetten der psychiatrischen Behandlungsgeschichte in Deutschland miterlebt und die Chancen stehen gut wie nie, dass in 25 Jahren ein weiteres Kapitel geschrieben werden kann.

25 Jahre DAZ – bisher in der Serie erschienen:

Oktober 1990: Ostraus Gewerbegebiet macht Schule

Rück- und Vorausblick: Das neue Leben des Berufspolitikers Manfred Kolbe

Ende 2007: Trainingsort und kulturelle Spielstätte – die schwere Geburt der Hartharena

November 2011: Aladin-Mord hielt Döbeln wochenlang in Atem

Die Döbelner Allgemeine Zeitung feiert ein Vierteljahrhundert

Von Sebastian Fink

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