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Döbeln Mammutbaum sorgt weiter für riesige Wellen
Region Döbeln Mammutbaum sorgt weiter für riesige Wellen
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19:30 27.02.2018
Hielten Mahnwache am Nachmittag am Mammutbaum vor dem Bürgergartenrestaurant: Tina Walter, Carolina Kempe und Berno Ploß (Grüne). Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Mit einer Mahnwache versuchten am Dienstagnachmittag Berno Ploß von den Döbelner Grünen, Tina Walter und Carolina Kempe das Abholzen des Mammutbaumes im Döbelner Bürgergarten zu verhindern. Der Döbelner Grüne hatte bereits am Montag ganz intensiv versucht mit Bürgergarten-Betreiber Lars Lemke zu reden, nach dem die DAZ von den Plänen, den Baum zu fällen berichtet hatte. „Ich möchte gerne mit ihm besprechen, ob es nicht Möglichkeiten gibt, den Baum in die Gestaltung des neuen Biergartens einzubinden. Dafür gibt es andernorts bereits schöne Beispiele“, sagt er versöhnlich.

Gastwirt Lars Lemke über unsachliche Angriffe erschüttert

Gastwirt Lars Lemke zeigte sich am Dienstag erschüttert, über zahlreiche sehr persönliche und beleidigende Angriffe, denen er in den sozialen Netzwerken, unter anderem auf der Facebookseite „Du kommst aus Döbeln, wenn...“ ausgesetzt war. „Da werde ich von Leuten beschimpft, die mich weder kennen, noch unsere Gaststätte je betreten haben.“ Dienstag in aller Frühe war der Baum in eine Rettungsdecke eingehüllt und mit dem Schriftzug „Rettet mich“ versehen worden“. Am Mittag ließ der Gastwirt einen Bauzaun um den Stamm errichten. Dort fand sich am Nachmittag die kleine Mahnwache ein.

Kommentar: Wo bleibt der Anstand?

Am Lessing-Gymnasium Döbeln gab es vor einigen Jahren Social Community Guides. Die älteren Schüler zeigten Fünftklässlern den Umgang mit Facebook und Co. Am meisten gelernt haben die Kinder, als ihre Steckbriefe mit einer Wäscheleine ans Schultor gehängt wurden. Dass war peinlich. Da konnte ja jeder lesen, welche Lehrerin man gar nicht leiden kann. Bei einigen Facebook-Kommentaren zum Aufregerthema „Mammutbaum im Bürgergarten“ fiel mir dieses Bild von der Wäscheleine am Schultor der ein. Einigen Erwachsenen fehlt genau das, was den Schülern beigebracht wurde. Niemand würde sich auf den Döbelner Obermarkt stellen und wüste Beschimpfungen gegen Gastwirt Lars Lemke oder ungeprüfte Behauptungen über seine Gaststätte herumbrüllen. Passanten würden wahrscheinlich den Rettungsdienst rufen. Im sozialen Netz tippen einige Nutzer solche Inhalte auf einem noch viel größeren Marktplatz. Bei aller Aufregung um die Pläne des Wirtes, den Baum auf seinem Grundstück für eine Biergartenerweiterung umzusägen, sollte der Streit mit Argumenten und mit Anstand geführt werden. Das können Gespräche, eine Mahnwache, sachliche Meinungsäußerungen sein – aber nicht wilde Behauptungen, Beschimpfungen oder Boykottaufrufe.

th.sparrer@lvz.de

Baumexperte: Es ist ein wirklich seltenes Exemplar

Nabu-Mitstreiter und Baum-Experte Klaus Friedrich aus Hartha legt Gaststättenbetreiber Lars Lemke ans Herz, den Baum stehen zu lassen. Es handele sich bei dem Exemplar durchaus um eine bemerkenswerte Seltenheit in unseren Breiten. Friedrich bezweifelt zudem, dass diese Bäume zu Tausenden in anderen Ländern herumstehen.

„Man muss nämlich verschiedene Arten von Mammutbäumen unterscheiden. In diesem Fall handelt es sich offensichtlich um einen Urweltmammutbaum. Das ist daran zu erkennen, dass dieser Baum im Winter seine Nadeln verliert, also nicht immergrün ist.“ Friedrich weiß, dass diese Art von Mammutbäumen lange Zeit als ausgestorben galt. Dann sind sie in den 1940er Jahren in einigen Provinzen Chinas wiederentdeckt worden. Seit dem werden sie weltweit als botanische Kostbarkeiten in Parks und Gärten gepflanzt. Der Urweltmammutbaum erreicht Wuchshöhen von 30 bis 35 Meter, in Einzelfällen mehr als 50 Meter. Wegen seiner rötlichen Rinde und seiner Heimat werde die Art auch Chinesisches Rotholz bezeichnet.

Weitere Exemplare in Hochweitzschen, Hartha, Leisnig und Waldheim

Friedrich, der die Baumlandschaft der Region wie seine Westentasche kennt, weiß von weiteren Exemplaren im Altkreis Döbeln: „Ein sehr schöner Urweltmammutbaum befindet sich an der Harthaer Nordstraße. Bei der Erfassung für unser Baumbuch im Jahr 2000 gab es je einen weiteren in Leisnig am Guckenweg und in Waldheim auf dem Friedhof. Auf dem Gelände des Sächsischen Krankenhauses in Hochweitzschen befindet sich ebenfalls einer.“

Auf dem Waldheimer Friedhof gebe es zudem einen Riesenmammutbaum, eine Art die im Westen der USA häufiger vorkommt. Als Dritten im Bunde existiert noch der Küstenmammutbaum, das Kalifornische Rotholz. Diese Art kann über 110 Meter hoch werden. Das höchste lebende Exemplar mit einer Stammlänge von 115,60 Metern befindet sich im Redwood-Nationalpark im Nordwesten Kaliforniens. Er ist der höchste bekannte Baum der Welt.

Mammutbaum könnte neuen Biergarten besonders machen

Klaus Friedrich: „Vielleicht lässt sich Lars Lemke doch noch beeindrucken von diesen besonderen Bäumen. Und vielleicht kommen die Gäste je gerade wegen des Mammutbaumes zu ihm und trinken ein Bier.“

In der DAZ (Ausgabe Dienstag erklärte Lars Lemke seine Pläne (Den Link zum Beitrag finden sie hier). Döbelns Stadtgärtner Gerd Lauterbach hatte das geplante Umsägen des Baumes in der Montagausgabe kritisiert (Hier geht es zu diesem Text).

Von Thomas Sparrer

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