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Mangelndes Interesse: Jugendclub Mochau wird geschlossen

Haus der Sachsenjugend Mangelndes Interesse: Jugendclub Mochau wird geschlossen

Der Jugendclub in Mochau ist Geschichte. Die Räume im Haus der Sachsenjugend bleiben künftig verschlossen. Das hat der Ortschaftsrat von Mochau am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Über Monate waren die Jugendlichen im Ort aufgerufen, den Jugendclub in eigener Regie und mit Unterstützung des Vereins Regenbogenbus fortzuführen. Doch es fand sich keiner.

Noch Anfang November wurde um die Gunst der Mochauer Jugendlichen für ihren Club geworben.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln/Mochau. Der Jugendclub in Mochau ist Geschichte. Die Räume im Haus der Sachsenjugend bleiben künftig verschlossen. Das hat der Ortschaftsrat von Mochau am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Über einige Monate hatten Ortschaftsrat und Stadtverwaltung gemeinsam mit den Sozialarbeiterinnen Cornelia Kluge und Janine Kromm vom Projekt „Kontrast – Mobile Jugendarbeit in Mittelsachsen“ des Vereins Regenbogenbus e.V. die Jugendlichen im Ort und in umliegenden Ortschaften aufgerufen, den Jugendclub in eigener Regie und mit Unterstützung des Vereins Regenbogenbus fortzuführen. Doch es fanden sich keine Jugendlichen, die Interesse an dem Club haben.

„Das ist bitter. Aber wir müssen keinen Jugendclub aufrecht erhalten, in den kein Jugendlicher einen Fuß setzt“, sagt Mochaus Ortsvorsteher Ralph Zschörper. Am Dienstagabend zogen Cornelia Kluge und Janine Kromm vom Projekt „Regenbogenbus“ auf der Ortschaftsratssitzung in der Gaststätte „Kornkäfer“ in Kleinmockritz eine Bilanz. „Die Resonanz auf unsere Aufrufe war gleich Null. Die jungen Leute in Mochau brauchen offensichtlich keinen Jugendclub“, so die beiden jungen Frauen.

Die Jugendlichen, die den Club seit den 1990er Jahren betrieben haben, sind zwischenzeitlich dem Jugendalter entwachsen. Daher wurde für die Fortsetzung der Arbeit Nachwuchs gesucht. Anfang des Jahres schien das fast zu klappen. Einige 14- bis 21-Jährigen und einige, der heute über 30-jährigen Clubnutzer hatten sich zusammengefunden. Doch später kam es zum Bruch. Die alten Clubnutzer holten ihr Inventar aus den Räumen. Anfang November hatten die beiden Sozialarbeiterinnen noch einmal zu einem Indoor-Picknick in die leeren Clubräume eingeladen, um mit den Mochauer Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollten die 14- bis 21-Jährigen die Möglichkeit bekommen, die Räume und ihre Möglichkeiten kennenzulernen. „Ziel war es, den Jugendclub als eigenen Treffpunkt zu nutzen, selbst zu gestalten und mit verschiedenen Aktionen zu beleben“, erklärt Janine Kromm. Die Jugendräume boten ausreichend Platz für Kicker, Darts und gemütliche Sitzecken. Doch es kam außer dem Ortsvorsteher niemand zum Indoor-Picknick. Reaktionen haben die jungen Frauen aber dennoch bekommen. Nachdem der Zeitungsbeitrag über den Jugendclub Mochau bei Facebook geteilt wurde, schrieben Jugendliche aus Hartha die beiden Frauen an. Sie fanden es unvorstellbar, dass man in Mochau den jungen Leuten einen Club anbietet und keiner ihn haben will. In Hartha wäre das nicht passiert. Die Ortschaftsräte nahmen das Desinteresse am Dienstagabend zur Kenntnis und schließen das Thema Jugendclub und somit auch die Räume im Haus der Sachsenjugend nunmehr ab. „Man kann es nicht erzwingen. Sollten sich irgendwann wieder interessierte Jugendliche finden, die den Club und auch Verantwortung dafür übernehmen wollen, sind wir Ortschaftsräte und ebenso die Stadt Döbeln offen für neue Gespräche“, sagt der Ortsvorsteher.

Im Ortschaftsrat weiß man aber auch, dass die Jugendlichen im Ort derzeit private Räume – die so genannte „Propellerbar“ – im ehemaligen „Dorfkrug“ nutzen dürfen. „Das scheint ihnen zu reichen. Und vor allem scheint, dass ganze etwas weniger unter Kontrolle zu stehen, als ein öffentlicher Jugendclub“, meint eine Ortschaftsrätin.

Kommentar: Schließung muss nicht endgültig sein

Stell dir vor, da gibt es einen Jugendclub und kein Jugendlicher geht hin. Das ist für Jugendliche außerhalb von Mochau kaum vorstellbar. Doch in Mochau haben Ortschaftsrat und Sozialarbeiterinnen den dortigen Jugendclub den jungen Leuten wie Braunbier und Spucke angeboten. Doch es biss keiner an, der Verantwortung übernehmen wollte. Nachdem die alte Jugendclubgeneration dem Jugendalter längst entwachsen war, ist nunmehr der Generationswechsel misslungen.

Es ist müßig darüber nachzudenken, ob die Jugendlichen von heute keine Verantwortung mehr übernehmen wollen, ob die Freizeitangebote im Raum Döbeln ausreichend sind und die Dorfjugend in Mochau eigene Räume deshalb verschmäht. Oder ob die Jugendlichen von heute vielleicht auch mehr die Kontrolle und die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes in einem öffentlichen Jugendclub scheuen. Positiv ist jedenfalls, dass der Ortschaftsrat das Thema Jugendclub in Mochau nicht gänzlich beerdigt, sondern die Bereitschaft signalisiert, die Clubräume wieder aufzuschließen, wenn sich Jugendliche aus dem Dorf dafür interessieren.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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