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Mann über Bord - alle Kanuten aus der Mulde gefischt

Mann über Bord - alle Kanuten aus der Mulde gefischt

Erstmalig und einmalig war die Aktion, die die Kanuten des ESV Lok Döbeln jetzt in Vorbereitung auf den 16. Spitzstein-Drachenbootcup ins Leben riefen.

Westewitz.

Von stephanie jankowski

 

Zum ersten Mal in der jahrelangen Geschichte des sportlichen Wettkampfes spielten die Organisatoren eine Notfall-Situation durch. Ein vollbesetztes Boot kenterte, 18 Männer und Frauen gingen über Bord. Damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist, brachten die Döbelner Kanuten die sogenannte Kenterübung über die Bühne.

 

Um den Ablauf so realistisch wie möglich zu gestalten, holte Organisationsleiter Hans Lange Experten der Döbelner Feuerwehr sowie vom Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Döbeln-Hainichen dazu. "Insgesamt hatten wir drei Rettungsboote zur Verfügung, zwei vom Verein und eines der Feuerwehr. Das DRK übernahm den Einsatz am Ufer", erklärte Hans Lange.

 

Um 17.30 Uhr startete die Übung. Dazu mussten die Kanuten - mit dabei Paddler der Teams ""Schnelle Welle", "Bieberschwänze" und "Team Anni" - ausgerüstet mit der Schutzausrüstung von Helm über Westen bis zu Handschuhen ins Boot, das zehn Minuten später schließlich zum Kentern gebracht wurde. Alle Mann gingen über Bord. Von da an zählte jede Minute. "Im Vorfeld schmissen wir die Paddel zur Seite. Eine unnötige Gefahr sollte für die Übung nicht eingegangen werden", weiß der Organisationsleiter. Sieben Minuten nach dem Kentern war der letzte Sportler aus dem Wasser gerettet. Schwer verletzt wurde niemand, lediglich eine geprellte Ferse vom schnell umkippenden Boot musste vom DRK-Team gekühlt werden.

 

"Eine solche Übung wurde bisher noch nie von uns gemacht. Es kam in den letzten Jahren vereinzelt zu kleineren Unfällen. Wir wollten für den Ernstfall gerüstet sein", erklärt Hans Lange die Beweggründe hinter der Kenterübung. Damals gab es Bootskollisionen und viele erinnern sich vielleicht noch an den Steuermann, der im letzten Jahr ins Wasser gefallen ist. "Bis die Rettung in diesen Fällen anlief, dauerte es ziemlich lange. Wir wollen im Notfall einfach besser agieren können." Die Kenterübung wurde von Protokollführern begleitet, auch ein Video wurde gedreht. Im Nachgang werteten die Teilnehmer die Übung schließlich aus: "Jede Übung, die ohne schwere Verletzungen ausgeht, ist schon mal ein Erfolg. Das Prozedere hat gezeigt, dass unsere Rettung zu 95 Prozent funktioniert."

 

Einige wenige Stellschrauben, die noch gedreht werden müssen, entdeckten die Kanuten bei der Kenterübung: So sollte jeder, der gekentert ist, aus freien Stücken sehen, dass er das nächstliegendes Ufer erreicht und dort zum sicheren Stand im Wasser kommt. "Wichtig ist, dass zum Ufer geschwommen wird, damit die Motorboote frei auf dem Wasser agieren können. Aber es muss unbedingt im Wasser geblieben werden", betont Lange. Nur so können die Vereinsleute nach dem Unfall eine Zählung durchführen, damit auch niemand verloren geht. "Wenn da einer in der Masse verschwindet, können wir das nicht nachvollziehen." Außerdem müssen die DRK-Leute, die am Ufer zur Stelle sind, eine Sichtkontrolle jedes Einzelnen durchführen. Denn auch wenn augenscheinlich niemand verletzt ist, so kann der Adrenalinspiegel über eventuelle Verletzungen hinweg täuschen.

 

Für die Kanuten des ESV Lok Döbeln sieht das Fazit der durchgespielten Kenterübung eindeutig aus: "Die Sicherheit ist jetzt da, dass das, was wir uns bisher mit unserem Menschenverstand gedacht haben, auch wirklich richtig ist." Ob es in Zukunft noch einmal eine solche Notfall-Übung geben wird, ist bisher unklar, da der logistische Aufwand doch immens ist. Die Teamleiter erhalten übrigens vor dem Drachenbootcup am 19. und 20. Juni eine entsprechende Belehrung.

Jankowski, Stefanie

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