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Martin Schulz: Nach Gold in Rio gibt es Strom aus Döbeln

Döbelner Triathlet Martin Schulz: Nach Gold in Rio gibt es Strom aus Döbeln

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Diese Erfahrung muss Paralympic-Goldmedaillengewinner Martin Schulz aktuell immer wieder machen. Der Döbelner Triathlet steht vor der Frage, wie es sportlich für ihn weitergeht. Das große Ziel ist Tokio 2020. Doch dafür braucht der Behindertensportler mehr Unterstützung als es momentan gibt.

Kurz nach seinem Sieg in Rio war die Welt für Triathlet Martin Schulz noch in Ordnung. Jetzt weiß er nicht, wie es mit dem Leistungssport weitergehen soll.

Quelle: Dirk Knofe

Döbeln. Er ist viel unterwegs, seit er in Rio Gold gewonnen hat. Auch in Döbeln, in seiner Heimatstadt, bei dem Verein, in dem er Schwimmen gelernt hat, ist Martin Schulz zu Besuch. Beim großen Schwimmertreffen im Welwel Sport- und Freizeitzentrum trifft er viele alte Hasen. „Ich musste mich nicht viel bewegen, alle sind zu mir gekommen“, lacht er. Neben vielen Gesprächen gibt es an diesem Abend auch einen 1000-Euro-Stromgutschein von den Döbelner Stadtwerken. Etwa zweieinhalb Jahr muss Martin Schulz, der in Leipzig lebt, arbeitet und trainiert, jetzt keine Stromkosten mehr zahlen. „Das ist schon toll.“

Doch so toll Anerkennung wie diese für seine sportlichen Leistungen ist – momentan hängt der Goldjunge in der Luft was seine sportliche Karriere angeht. „Ich hatte mir nach Rio tatsächlich ein bisschen mehr erhofft“, sagt Martin Schulz. Und meint dabei nicht kurzfristige oder einmalige Entlohnungen. Für ihn geht es um die Möglichkeiten, die man als Behindertensportler in Deutschland hat. Derzeit kann er nicht sagen, wie es weiter geht. Denn die Förderung durch die Deutsche Sporthilfe, die es anderthalb Jahre vor den Olympischen Spielen in Rio gegeben hat, ist weggefallen. Diese Förderung aber hat es dem Angestellten bei den Leipziger Stadtwerken erst ermöglicht, Leistungssport zu betreiben. Sein Arbeitgeber hat Ausgleichszahlungen bekommen für die Zeit, die Martin Schulz zum Training benötigt hat. Das fällt jetzt weg. „Ich habe einen ganz normalen 30-Stunden-Job und kann nur nach Feierabend trainieren. Das reicht gerade mal für eine Disziplin am Tag. Regelungen für Trainingslager und Wettkämpfe gibt es nicht.“ Theoretisch müsste er seinen Urlaub dafür nutzen. „Momentan ist das okay, das Problem ist, dass sich keine Lösung abzeichnet“, sagt Schulz. Denn Fakt ist: Für Weltklasse-Leistung reicht einem Triathleten das Training nach der Arbeit nicht.

Was Martin Schulz am meisten an der Sache stört, ist der Unterschied, der in Deutschland zwischen Behindertensportlern und „normalen“ Sportlern bei der Förderung gemacht wird. Während nicht behinderte Leistungssportler über Bundeswehr oder Polizei gefördert werden, indem sie als Angestellte komplett freigestellt werden, um trainieren zu können, haben Sportler mit Handycap diese Möglichkeit derzeit nicht. „Es bewegt sich nichts“, bedauert Martin Schulz, der in den zurückliegenden Wochen viele Gespräche zu diesem Thema geführt hat. „Es ist gerade ein bisschen deprimierend“, gibt er zu. Denn soviel steht fest: „Ich würde schon sehr gern weitermachen, habe mega Lust, in Tokio an den Start zu gehen.“ Sein Alter gibt es her und auch leistungstechnisch sieht sich der 26-Jährige noch lange nicht am Ende der Fahnenstange. Allein, seine Existenz muss abgesichert sein. Bis jetzt war mit Sportgymnasium und der zeitlich gestreckten Ausbildung der hohe Trainingsaufwand zu meistern. Als „normaler“ Angestellter muss Martin Schulz nun neue Wege finden. Dazu gehört auch, dass er lernen muss, sich selbst zu verkaufen. Viele wollen sich nach seinem Gold in Rio mit ihm schmücken. Fast täglich flattern Einladungen ins Haus. Das kostet Zeit. Und die muss er sich honorieren lassen. „Das ist nicht einfach“, gibt er zu. Normalerweise braucht er mittlerweile einen Manager, denn neben dem Training gibt es verdammt viel zu organisieren.

Bei allen Problemen, die es zu lösen gilt – sportlich gesehen hat sich Martin Schulz für das kommende Jahr wieder einiges vorgenommen, hofft, dass er ohne Ausfälle gut trainieren kann . „Die EM und die WM will ich natürlich machen und auch mal das eine oder andere Format testen.“ Einen Cross-Triathlon beispielsweise oder eine 70.3 Ironman, die Mitteldistanz in Triathlon. Und er wird weiter in der Triathlon-Bundesliga antreten. Eines seiner persönlichen Highlights soll der Leipziger LVB Triathlon werden. Dort will Martin Schulz ums Podium mitkämpfen und damit auch vor der Haustür und unter Nicht-Behinderten zeigen, was in ihm steckt.

Von Manuela Engelmann

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