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Döbeln Ein deutschlandweites Problem: Warum Leisnigs Geburtsklinik schließen muss
Region Döbeln Ein deutschlandweites Problem: Warum Leisnigs Geburtsklinik schließen muss
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21:31 12.04.2019
Was verursacht tatsächlich den Personalnotstand in der Leisniger Geburtsklinik? Diana Fischer, seit 25 Jahren Hebamme, kennt die aktuelle Verunsicherung innerhalb ihres Berufsstandes. Die Personalnot ist in Deutschland allgegenwärtig. Quelle: Steffi Robak
Leisnig

Schock für werdende Mütter, außerdem für viele Eltern, deren Kinder in Leisnig das Licht der Welt erblickten: Erstmals muss die Geburtenstation der Helios Klinik vorübergehend schließen. Schwangerschaften der Mitarbeiterinnen, längere Krankheitsfälle, die bevorstehenden Osterfeiertage mit fest geplantem Familienurlaub zwingen die Klinikleitung zu diesem Schritt (DAZ berichtete). Seit dem vergangenen Jahr sucht die Klinik nach Personal. Dies gelingt ab Mai.

Ringsum schließen Geburtskliniken, und zwar ganz

Leisnig ist kein Einzelfall. Zuletzt schloss im Februar in Glauchau vorübergehend wegen Personalnotstand die Geburtsklinik. Bleibt das ein kurzfristiges Phänomen, ist immer noch von Glück zu reden. Oschatz schloss 2015 ganz. Im Februar 2017 traf es das mittelsächsische Hartmannsdorf. In Frankenberg und Rochlitz werden ebenfalls keine Kinder mehr geboren. Stollberg im Erzgebirgskreis schloss die Geburtenstation.

Im Landkreis Mittelsachsen existieren neben Leisnig nun noch Geburtskliniken in Freiberg und Mittweida. Der Personalnotstand in der Geburtshilfe ist allgegenwärtig in ganz Deutschland. Doch Warum?

Diana Fischer aus Leisnig, seit 25 Jahren Hebamme, kombinierte lange ihre freiberufliche Tätigkeit mit einer Festanstellung an der Helios-Klinik. Ein gewisser Anteil Freiberuflichkeit habe Vorteile für eine Hebamme, in der Regel selbst Familienmutter: „Sie kann sich ihre Zeit einteilen, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen. In der Klinik existiert der Dienstplan. Sofern jedoch dort zusätzlich Dienste anfallen, rückt die Überlastung gefährlich nahe.“ Eins stellt Diana Fischer klar: An der Helios-Klinik Leisnig kann von Unterbezahlung nicht die Rede sein. Es werde ordentlich vergütet.

Hebammenausbildung bald Studium?

In den letzten Wochen vor der Leisniger Schließungsentscheidung habe sie auf Anfrage der Klinik Dienste übernommen. Zum Dauerzustand sollte es nicht werden. Sie arbeitet in der allgemeinmedizinischen Praxis ihres Mannes. Als freiberufliche Hebamme steht sie zudem in den Wochen und Monaten vor und nach der Entbindung Müttern zur Seite.

Für die Geburt suchen diese eine Klinik auf, wo eine diensthabende Hebamme sie betreut. Diana Fischer sagt: „Potenzielle Berufsanfänger seien in vielerlei Hinsicht verunsichert.“ Momentan sei offen, ob die Hebammenausbildung in ein Studium umgewandelt wird. Das begrüßt der Deutsche Hebammenverband. Die Politik stellt derzeit dafür die Weichen. In allen EU-Mitgliedsstaaten studieren Hebammen an Hochschulen. Es scheint logisch, das für Deutschland anzupassen. Damit bleibe jedoch jungen Leuten ohne Abitur der Zugang zum Beruf verwehrt.

Mütter wünschen Eins-zu-eins-Betreuung

Zur Vergütung: Im Unterschied zu fest an Kliniken angestellten Hebammen rechnen Freiberufler ihre Arbeit laut Gebührenordnung gegenüber den Krankenkassen ab. Diana Fischer: „Die Frage steht immer im Raum, ob die Vergütung der Verantwortung gegenüber Mutter und Kind angemessen ist.“ Zuletzt seien Gebührensätze erhöht worden. „Man versucht zu reagieren auf den Mangel an Hebammen. Scheinbar geht es zu langsam“, vermutet Diana Fischer.

Zum gewissen Grad sorgen die Mütter offenbar selbst dafür, dass gerade freiberuflich arbeitende Hebammen zeitlich stark nachgefragt sind. „Mütter wünschen sich Eins-zu-eins-Betreuung“,sagt Diana Fischer, „erst recht während der Entbindung. Das kann eine Klinik unter Umständen nicht leisten, wenn zufällig zwei oder drei Geburten pro Schicht laufen. Das ist nicht vorhersehbar.“ So komme der häufiger geäußerte Wunsch werdender Mütter nach einer Hausgeburt zustande.

Berufshaftpflicht kostet immens viel Geld

Die Politik stehe dem eher kritisch gegenüber. Daher – so der nächste Punkt - komme von dort nur zögerlich Unterstützung in der Frage der immens hohen Berufshaftpflicht für freiberufliche Hebammen. Die Versicherungsbeiträge belaufen sich jährlich auf rund 7000 Euro. In dem Zusammenhang ist die generell wachsende Klagefreudigkeit gegen Mediziner beziehungsweise Klinken ein Phänomen, welches man im Blick haben müsse.

„Auf den politischen Entscheidungsebenen ist einiges in Bewegung. Ich hoffe, alles stabilisiert sich möglichst bald, auch damit diese eine kurze Schließungsepisode in Leisnig die letzte war.“

Diana Fischer, 46 Jahre alt, gibt als freiberufliche Hebamme an der Helios-Klinik Leisnig Kurse in Geburts- und Familienvorbereitung. In den Wochen vor der Schließungsnachricht aus der Geburtenstation übernahm sie auf Bitten der Geschäftsleitung einige Dienste. Momentan ist sie in der allgemeinmedizinischen Praxis ihres Mannes Dietrich Fischer in die Betreuung kleiner Patienten eingebunden.

Von Steffi Robak

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