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Mein Freund, der Baum

Mein Freund, der Baum

Auf den Baum gekommen ist Uwe Reichel. Der 55-Jährige Gruppenleiter der Leisniger Baumfreunde im Geschichts- und Heimatverein war schon immer eng mit der Natur verbunden und begeisterter Baumfreund.

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Uwe Reichel, Gruppenleiter der Baumfreunde, vor der Leisniger Böttger-Linde, die 1898 gepflanzt wurde.

Quelle: Sven Bartsch

Als Kind und Jugendlicher liebte er es, im Wald unter Bäumen zu sein, mit seinem Großvater Kirschen zu pflücken oder Pflanzen und Bäume zu pflegen.

 

Heute steht der gelernte Elektriker und Unternehmer einer Firma für Solaranlagentechnik für einen ressourcenschonenden Umgang mit der Natur, engagiert sich bei den Leisniger Baumfreunden und seit 2011 in der städtischen Baumkommission. Seine Aufgaben umfassen Pflege, Bestandserhalt, Neupflanzung und die Geschichte der Bäume vor Ort. Jedes Jahr organisiert er über den Verein zwei öffentliche Baumwanderungen - eine im Frühjahr, eine im Herbst. Nichtkenner können hier von den Baumkundlern etwas über die verschiedenen Arten erfahren und über den Zustand der Bäume.

 

Reichel: "In den nächsten 50 Jahren wird es einen Wandel in der Baumkultur geben, weil viele der Baumarten das veränderte heiße Klima nicht vertragen und absterben." Wichtig sei, dass viele Bäume geschützt und nachgepflanzt werden. Der Wald müsse mit anderen Holzarten umgebaut werden. In Leisnig gebe es zudem eine besondere Kultur an Gedenkbäumen.

 

"Zu bestimmten Jahres- oder Geburtstagen wurden früher für bekannte Bürger, Politiker oder den Kirchenvorstand mehrfach Gedenkbäume gepflanzt. Ein Beispiel sind die Leisniger Luther- und Bismarck-Eichen", sagte der Gruppenchef. Um das Jahr 1890 ließ Bismarck auf Bitte einiger Leisniger Bürger drei Eichen aus seinem Sachsenwald bei Hamburg in die Stadt an der Freiberger Mulde bringen, wo eine davon heute noch steht. Reichel: "Wir Leisniger Baumfreunde setzen uns für den Erhalt jener Bäume mit besonderem geschichtlichem Hintergrund ein." Damit soll das Bewusstsein für die Natur geschärft und das geschichtliche Wissen um die Bäume, die eng mit der Geschichte der Stadt Leisnig verknüpft sind, für die nächsten Generationen erhalten bleiben.

 

Reichel und seine acht Mitstreiter vom Heimatverein arbeiten deshalb bereits seit 2011 an der Fertigstellung eines Leisniger Baumbuchs, wie es sie bereits in Waldheim und Hartha gibt. Auf 200 Seiten sollen 100 bis 120 besondere Prachtexemplare aus Rinde, Ast- und Blätterwerk mit Alter, Größe, Stammdurchmesser, Art, Standort und Geschichte dokumentiert werden. Auch farbige Abbildungen der Bäume soll es geben, die nicht nur auf städtischem Grund, sondern auch auf Privatbesitz stehen.

 

Bei der Dokumentation fängt die Gruppe um Reichel nicht bei Null an, sondern greift auf eine Liste bereits dokumentierter Bäume vom NABU aus den 90er Jahren zurück. Reichel: "Klaus Friedrich, ein Naturschützer aus Hartha, hatte bereits kurz nach der Wende eine erste Bestandsaufnahme gemacht. Wir haben die Liste mit weiteren Informationen und Koordinaten ergänzt und auch neue Bäume in das Buch mit aufgenommen." Die Kriterien: Besondere Stammdicke, hohes Alter, Größe und eine dokumentierte Geschichte.

 

Spätestens im nächsten Jahr soll das Leisniger Baumbuch erscheinen. 25 Euro soll es kosten. Einzige Hürde: das noch fehlende Geld für Druck und Bindung. Reichel: "Wir rechnen mit 1000 Euro für 35 Exemplare, die schnell vergriffen sein werden." 500 Euro erhielt die Gruppe aus dem Verein, der sich alleine über Mitgliedsbeiträge finanziert, dieses Jahr von der Charlotte Weiß Stiftung. Für das restliche Geld will Reichel zusammen mit Tobias Goth (CDU) auf Spendentour in Unternehmen gehen. Das habe der Bürgermeister ihm bereits zugesichert.

Oliver Becker

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