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Döbeln Totschlag in Geringswalde: Frau selbst soll Messer aus der Schublade genommen haben
Region Döbeln Totschlag in Geringswalde: Frau selbst soll Messer aus der Schublade genommen haben
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13:30 13.03.2019
Ronny S. vor Beginn der Verhandlung auf der Anklagebank. Quelle: Harry Härtel
Geringswalde

Ein 32-Jähriger hat in der gemeinsamen Wohnung in Geringswalde mit einem Messer auf seine langjährige Partnerin eingestochen. So weit lässt er sich zur Tat ein. Der Mann muss sich wegen Totschlags verantworten. Verhandelt wird seit Dienstag vor dem Landgericht Chemnitz unter Vorsitz von Richterin Simone Herberger, um die näheren Umstände zu erhellen. Vater sowie Schwester der Getöteten treten als Nebenkläger auf.

Totschlag unterscheidet sich laut Strafgesetzbuch von Mord durch das Fehlen von Mordmerkmalen wie etwa Heimtücke oder niedere Beweggründe. Das Strafmaß reicht von fünf bis 15 Jahren Freiheitsentzug. In minder schweren Fällen sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren vor. Wie der konkrete Fall liegt, ist nun in vier Verhandlungstagen herauszuarbeiten. Der Angeklagte sollte sich zunächst selbst äußern. Das fiel ihm sichtlich schwer, sofort flossen Tränen. Minutenlang blieb es bedrückend still im Saal. Dort saßen als Zuhörer Familienangehörige und Freunde der Getöteten.

Ronny S. und sein Verteidiger Siegmar Dressel vor Beginn der Verhandlung. Quelle: Harry Härtel

Die Frau, die der Schichtleiter eines Logistik-Unternehmens am 17. Oktober 2018 tödlich verletzte, sollte die Frau seines Lebens sein. Von zwei Frauen davor hatte er sich getrennt: Sie hätten ihn mit anderen Männern betrogen. Seit 2013 unterhielt er mit seiner dritten Lebenspartnerin eine Beziehung. In der gemeinsamen Wohnung fügte er ihr 18 Stich- und mehrere Schnittwunden in Brust, Bauch und Kopf zu. Zwei Stiche ins Herz öffneten die rechte Herzkammer. Daraufhin verblutete die Frau.

Der Angeklagte beschreibt, dass sich seine Freundin während des Trennungsgesprächs in der Küche umgedreht und ein Messer aus der Schublade genommen habe. Er sei zuvor „mehrfach auf sie zu gegangen“, sagt er. Ob sich daraus ein Bedrohungsszenario ableiten lässt, ist offen. Außer dem Angeklagten kann dazu niemand Angaben machen - auch nicht wie das Messer in seine Hände geriet. Er selbst hatte auch Verletzungen an der rechten Hand.

Ab Dienstag steht der 32-jährige Tatverdächtige vor Gericht, der im Oktober 2018 in Geringswalde seine Lebensgefährtin erstochen haben soll.

Schwester und Mutter des Opfers wurden vernommen. Es stellt sich so dar, als habe der Mann wegen Geldproblemen – unter anderem hatte er beim Spiel Geld verloren – größere Geldsummen aus einem offen zugänglichen Briefumschlag genommen. Sie waren ein Geschenk seiner Schwiegermutter für eine Urlaubsreise. Wie der Angeklagte schildert, habe er das Geld zurückzahlen wollen, teils auch schon gezahlt. Doch im Verlaufe der Verhandlung deutet sich an: Der Angeklagte war auch extrem eifersüchtig sowie misstrauisch. Seine Freundin hat er stark kontrolliert. Am Tage des Verbrechens ging es auch nicht zum ersten Mal um Trennung.

Tragischstes Szenario einer Beziehung

Eine Bluttat wie in Geringswalde ist das wohl tragischste Ende einer Beziehung, die einst mit viel Liebe begann. Am ersten Verhandlungstag versuchte das Gericht, die Beziehung des Angeklagten zu seiner später getöteten Partnerin auszuleuchten. Auch wenn er selbst schildert, bis zuletzt sei bis auf Kleinigkeiten wie das Aufräumen alles harmonisch verlaufen, stellt sich das Verhältnis im Verlaufe der Verhandlung differenziert dar.

Zeugen aus dem familiären Umfeld sowie Freundeskreis und Nachbarn schildern den 32-Jährigen als freundlich, umgänglich und liebenswürdig, wenngleich ihm gelegentlich eine gewisse Großspurigkeit eigen sei. Seiner Freundin gegenüber habe er sich jedoch stets sehr liebevoll verhalten. Das bestätigt zum Beispiel die Schwester der Getöteten. In der Beziehung sei er seinem Charakter gemäß der dominantere Part gewesen, sie die Zurückhaltende.

Wie sich weiter darstellt, hat die Frau einiges am Verhalten ihres Partners lange geduldet. Das mündete in eine längere Phase, in der sie die Beziehung bereits hätte beenden wollen. Das geht aus der Aussage der besten Freundin der Frau hervor. Die Zeugin sagt: „Meine Freundin hatte weder Angst vor ihm noch vor der Trennung. Doch sie sorgte sich darum, wo er denn dann bleibt.“

Drama lag in der Luft

Ihrer Freundin und der Mutter gegenüber hatte die 30-jährige Mediendesignerin zuletzt geäußert, sich beruflich zu verändern und dafür nach Leipzig zu gehen. Auf Nachfrage ihrer Mutter habe sie geantwortet: „Dann werde ich mich wohl von ihm trennen müssen.“ Das Drama lag in der Luft, mit ungeahntem Ausmaß.

Die Partner hatten offenbar zuletzt unterschiedlich intensiv in den Erhalt ihrer Partnerschaft investiert. Dabei geht es um Geld, um Vertrauen, um eine gewisse Fürsorge. Schließlich bediente sich der Mann heimlich am Reisegeld, nahm sich in kleineren Beträgen 2600 Euro. In einem Briefumschlag verwahrt, als Weihnachtsgeschenk der Schwiegermutter, war das Geld für die Finanzierung einer Kreuzfahrt gedacht. Als die Freundin die Reise bezahlen wollte, bemerkte sie, dass Geld fehlte. Sie sagte ihm nichts.

Irgendwann gestand er seiner Freundin, was sie schon wusste. Zeugen sagen: Auch am Bestreiten der Lebenshaltungskosten habe sich der Mann kaum noch beteiligt – zum Unmut seiner Partnerin. Trotzdem traten die zwei noch im September eine Reise nach Mexiko an, zusammen mit der besten Freundin. Da sei für die beiden Frauen schon klar gewesen: Es läuft auf Trennung hinaus. 

Als der Mann am 16. Oktober, am Vortag des blutigen Dramas, zu einem familiären Gasthausbesuch beim Griechen in Waldheim nicht eingeladen war, suchte er das Restaurant auf, stellte seine Freundin zur Rede und ging wieder. Sie habe ihm zu verstehen gegeben, sie brauche Zeit, sagt er vor Gericht.

Skurriler Vorfall am Abend daheim

In der Wohnung folgte anschließend ein skurriler Vorfall: Er versteckte sich im Küchenschrank in der Absicht, seine Freundin und die Familienmitglieder, die sie vom Gasthausbesuch nach Hause bringen würden, zu belauschen. Die Schwester sagt: „Vielleicht wollte er wissen, ob wir schlecht über ihn reden.“ Doch ihre Schwester sei allein in die Wohnung gegangen und extrem erschrocken, als sie ihren Freund im Schrank vorfand.

An diesem Abend verließ der Mann die Wohnung, gab seinen Schlüssel ab, übernachtete im Auto. Am Morgen vom 17. Oktober war er jedoch in der Hauseinfahrt an der Dresdener Straße zur Stelle, um seine Freundin wie gewohnt mit dem Auto zur Arbeit in Geringswalde zu bringen. Sie ging lieber zu Fuß. Am Nachmittag, auf dem Heimweg, wiederholte sich das. Er fand sich dennoch an der gemeinsamen Wohnung ein. Seine Freundin habe ihn nicht mit in die Wohnung nehmen wollen, schildert er.

Das bestätigt die als Zeugin aussagende Schwester. Sie stand per Smartphone-Chat mit ihrer Schwester in Kontakt. Irgendwie setzte er sich doch durch, wollte mit seiner Freundin reden. „Auf der Treppe nach oben haben wir zwei nur geweint“, schildert er, „weil sich andeutete, dass es keine Chance mehr gibt.“ Die letzte Text-Nachricht per Chat an die Schwester war: „Er macht sich noch kurz frisch und ich hoffe, er geht dann.“ - „ich hoffe.“ Die Empfängerin ist sicher: Das waren schon nicht mehr die Worte ihrer Schwester.

Am 19. März wird die Verhandlung am Landgericht Chemnitz fortgesetzt.

Von Steffi Robak

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