Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Messerstecherei im BSZ-Döbeln: Dicker Mantel rettet Kurden das Leben
Region Döbeln Messerstecherei im BSZ-Döbeln: Dicker Mantel rettet Kurden das Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:33 06.12.2017
18 Monate muss ein Kosovare aus Frankenberg wegen einer Messerstecherei in Döbeln ins Gefängnis Quelle: dpa
Anzeige
Döbeln

Was Kinder nicht friedlich austragen können, klären die Eltern normalerweise in einem vernünftigen Gespräch. Genau andersherum verhielt es sich am 17. Januar dieses Jahres vor dem Berufsschulzentrum (BSZ) in Döbeln: Aus dem über Jahre schwelenden Streit zweier Teenager – eines Kosovaren und eines türkischen Kurden – entwickelte sich in wenigen Minuten eine handfeste Schlägerei ihrer Väter, die in einer blutigen Messerattacke des damals 45-jährigen Kosovaren mündete. Dafür verhängte Richterin Marion Zöllner am Mittwoch im Amtsgericht Döbeln eine Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Haft wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung.

Vater bedroht Schüler

Im Prozess wurde deutlich, wie viel Hass sich beim kosovarischen Familienvater von drei Kindern angestaut haben musste. Wobei nicht gänzlich aufgeklärt werden konnte, ob dieser aufgrund des langen Streits zwischen den Söhnen, der schon an der Oberschule Waldheim begonnen hatte und sich am BSZ fortsetzte, oder wegen einer tief verwurzelten Abneigung gegenüber Kurden entstanden war. „Die Familie hat etwas gegen türkische Kurden, das hatte er mir selbst einmal gesagt“, berichtete die Schulsozialarbeiterin des BSZ, die über den Streit der Söhne mehrfach mit dem Angeklagten zu tun gehabt hatte und auch am Tag der Tat mitten im Geschehen war.

Rückblick: 17. Januar 2017, um die Mittagszeit. Der Sohn des Kosovaren aus Frankenberg ruft aus der Schule beim Vater an, fühlt sich durch den Sohn eines damals 43-jährigen Kurden aus Döbeln bedroht. Der Vater macht sich sofort auf den Weg zur Schule, um die Situation zu klären. Wutentbrannt steht er bald in der Tür des Klassenraums des kurdischen Jungen und ruft ihm zu: „Du schlägst meinen Sohn nicht nochmal!“ Im Flur kommt es zu einem Wortgefecht in einer Mischung aus deutsch, albanisch und arabisch. Durch die offene Klassenzimmertür hören mehrere Schüler, wie der Kosovare droht: „Ich breche dein Genick mit meinem Knie!“

Aus Angst um den Kurden, ruft die Schulsozialarbeiterin dessen Vater an und bittet ihn, den Sohn abzuholen. Der Kurde fährt kurze Zeit später auf den Parkplatz der Schule. Was nun folgt, konnte auch die Verhandlung nicht zu 100 Prozent klären. Die wahrscheinlichste Variante: Kaum dass der kurdische Vater aus dem Auto gestiegen ist, wird er vom Kosovaren attackiert.

Auf Prass zugestochen

Ein Schüler geht nach kurzer Zeit mutig zwischen die beiden inzwischen blutenden Männer. Der Kurde geht daraufhin die Treppe zum BSZ hinauf, woraufhin der Kosovare ein Messer zieht, ihm nachläuft, die Beine wegzieht und dann insgesamt achtmal in Gesäß, Rücken und den linken Oberschenkel sticht – mit glücklicherweise geringen Asuwirkungen. Er habe um das Leben seines Sohnes gefürchtet, sagt der Angeklagte im Gericht. Er sei vom Geschädigten zuerst mit einem großen Eiskratzer und dann mit einem Messer angegriffen worden. Für keine der beiden Behauptungen finden sich Beweise. „Sie waren auf Prass, wollten sich das nicht gefallen lassen, dass Sie Contra kriegen. Und dann stechen Sie nicht einmal zu als Denkzettel, sondern acht Mal. Für den Mann war es großes Glück, dass er dicke Wintersachen an hatte“, sagte Zöllner in der Urteilsbegründung. Darin folgte sie dem Antrag von Staatsanwalt Markus Schori. Für eine Bewährung, wie sie Verteidiger Andreas Baereke (sechs Monate) gefordert hatte, sah die Richterin keinen Anlass, zumal der Angeklagte bereits vor 20 Jahren eine Haftstrafe wegen versuchter Vergewaltigung abgesessen hat und 2015 wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Jedoch kann gegen das Urteil noch Berufung eingelegt werden.

Von Sebastian Fink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Freitag wird in Waldheim der Weihnachtsmarkt eröffnet und wie gewohnt gibt es auch in diesem Jahr von Freitag bis Sonntag ein prall gefülltes Programm für Jung und Alt. Die hart umkämpfte Stadtwette zwischen Gewerbeverein und Stadtrat wird am Sonnabend aufgelöst.

06.12.2017

Bislang hat das Gesundheitsamt des Landkreises zirka 140 meldepflichtige Krätze-Fälle in diesem Jahr in Mittelsachsen registriert. Das sind etwa dreimal so viele Fälle wie im Vorjahr. Auch die Döbelner Region ist von der parasitären und ansteckenden Hautkrankheit betroffen.

05.12.2017

Der designierte Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer, sieht einen Zusammenhang zwischen den Migrationsbewegungen Richtung Europa und dem wachsenden Interesse der Sachsen an Religion. Sie sei das kulturelle Fundament friedfertigen Zusammenlebens. In einer Gesprächsrunde vom Katholischen Arbeitskreis Sachsen erklärt er, was er meint.

08.12.2017
Anzeige