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Midrahtec statt Kratze in Leisnig – zwei Millionen Euro Umsatz

Schwer auf Draht Midrahtec statt Kratze in Leisnig – zwei Millionen Euro Umsatz

Früher war es einfach „die Kratze“. Das kurz nach 1900 gegründete Unternehmen existiert noch, unter anderem Namen, an anderem Standort und anderem Produktprofil. Mittelsachsens Landrat Matthias Damm wählte für seinen Kommunaltag unter anderem die Midrahtec Drahtwaren GmbH für einen Besuch aus und überzeugte sich, was aus der früheren Kratze wurde.

Aus der alten Leisniger Kratze wurde Midrahtec – mit anderem Standort und anderem Produktprofil. Geschäftsführer Johannes Brinkmann (links, im Hemd) beim Betriebsrundgang mit Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU).

Quelle: Steffi Robak

Leisnig. Die Midrahtec GmbH ist ein Unternehmen geworden mit einem Jahresumsatz von stabilen zwei Millionen Euro und mehr. Jährlich werden rund 300 Tonnen Draht, 25 000 Meter Rohr und etwa zehn Tonnen Flachstahl verarbeitet. 1994 wurde am Standort am Gorschmitzer Weg gebaut, zu Ostern war Einzug. Am Dienstag schauten Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) vorbei.

Als Erinnerung an ihre alte „Kratze“ ist den Leisnigern nicht viel geblieben – könnte man jedenfalls meinen, denn seitdem das Fabrikgebäude in der Stadt nach einem Brand vor einigen Jahren abgerissen werden musste, erinnert nichts mehr an den einstigen Hersteller von Drahtbürsten. Letztere fanden in der DDR in der Textilindustrie Absatz. Das Leisniger Unternehmen, in den Jahren nach 1900 gegründet, war in der DDR der Spezialdraht Mittweida zugeordnet. Für Wollkämmmaschinen wurden in Leisnig die Kämme gefertigt.

Alle Abnehmer aus der DDR-Produktion brachen weg

Diesen kleinen Exkurs in die Kratzen-Geschichte, welche die Geschichte der heutigen Midrahtec GmbH und Ko KG ist, unternahm Geschäftsführer Johannes Brinkmann zum jüngsten Kommunaltag am Dienstag mit den Gästen um Matthias Damm. Kommunaltag, das bedeutet für Damm, sich den Firmen zu widmen, „vielleicht auch das eine oder andere Problem auf dem kurzen Dienstweg zu lösen“, wie er es formuliert. Auch dazu gab Brinkmann kurzerhand Gelegenheit, führte zuvor Damm und seine Begleiter wie Beigeordnete und Mitarbeiter des Landratsamtes durch das Unternehmen. Später stieß noch CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann zu der Gruppe dazu.

Die Wollkämme sind für die Midrahtec ebenso Geschichte wie auch Bauteile für die Zeitzer Kinderwagen-Produktion. Auch Fahrradkörbe werden nicht mehr hergestellt. Auch für die Textilindustrie wird bei der Midrahtec nichts mehr hergestellt. Als Brinkmann vor 22 Jahren zu dem Unternehmen kam, sei das gesamte Sortiment umgestellt worden. „Ohne einen Investor hätte wohl die Pleite gedroht“, schätzt er ein, denn mit der Wende brachen alle vorherigen Abnehmer für die Drahtwaren aus Leisnig weg.

Drahtprodukte auch für Autohersteller und -zulieferer

Der Investor kam aus Dortmund: Franz Josef Körling, Inhaber eines Ladenbau-Unternehmens, kaufte die Firma 1993. Er brauchte damals Drahtwaren für seine eigene Fertigung. Im Januar 1994 wurde Brinkmann in Leisnig technischer Leiter. Teile für den Laden- und Möbelbau werden noch heute in Leisnig gefertigt wie Abhängearme oder Drahtbiegeteile etwa für Warenpräsentationen, Einsatz- oder Einhängekörbe sowie Gitter für die Industrie. Mittlerweile gehören Automobilhersteller beziehungsweise -zulieferer zu den Abnehmern. An automatisierten Fertigungsstrecken werden beispielsweise zu bearbeitende Fahrzeugteile gern an Einhängevorrichtungen aus dem Hause Midrahtec transportiert. „Midrahtec ist gut etabliert, war seit dem Jahr 1996 jedenfalls nicht ein einziges Jahr im Minus. Die Auftragslage ist zufriedenstellend“, sagt Brinkmann nicht ganz ohne Stolz. Das Unternehmen fungiert für rund fünf Firmen in Sachsen auch wieder als Auftraggeber, wenn es um die Veredlung von Oberflächen geht. Auftragnehmer sitzen zum Beispiel in Döbeln und in Leipzig.

„Wir fertigen auf Kundenwunsch, das heißt, ein Abnehmer übermittelt uns seine konkreten Vorstellungen von dem Produkt und was es können muss. Und wir fertigen es genau so. Die Maschinen sind zu diesem Zweck frei programmierbar“, schildert Brinkmann weiter. Das schließt ein, dass es unter den knapp über 20 Mitarbeitern auch Werkzeugmacher gibt, welche die Maschinen entsprechend einrichten und mit den speziell nötigen Werkzeugen versehen. Der Maschinenpark ist entsprechend aus- und umgerüstet, die alten Maschinen zum Ziehen und Richten von Draht finden längst keine Verwendung mehr.

Von Steffi Robak

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