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Döbeln Milchpreise im Tiefflug: Bauern aus dem Raum Döbeln lehnen Hilfskredite ab
Region Döbeln Milchpreise im Tiefflug: Bauern aus dem Raum Döbeln lehnen Hilfskredite ab
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17:52 19.05.2016
Jacqueline Schwarze von der Ebersbacher Milchproduktion im Gespräch mit DAZ-Reporter André Pitz   Quelle: Sven Bartsch
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Region Döbeln

 „Die Preise liegen derzeit um 20 Cent pro Liter Milch und das geht gar nicht mehr“, machte Iris Claassen, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz, deutlich. Bei den von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CDU) angedachten Steuererleichterungen und Liquiditätshilfen winkt Claassen ab: „Solche Hilfen bringen nur etwas, wenn man das Geld nicht mehr zurückzahlen muss.“ Auch eine Eindämmung der Überproduktion würde nicht infrage kommen, solange es dafür keine europaweite Regelung gäbe, da auch ausländische Milchproduzenten auf den deutschen Markt drängen.

„Man muss an den Lebensmittelhandel rangehen. Deutsche Produkte müssen wieder mehr wertgeschätzt werden und es müssen endlich wieder faire Preise gezahlt werden“, forderte die Chefin des Regionalbauernverbandes. „Ich verstehe nicht, warum alles so billig verramscht werden muss. Der Verbraucher kauft auch Butter, wenn sie teurer ist, weil er den Wert des Lebensmittels kennt.“

Melkerin Andrea Schaarschmidt von der Gersdorfer Agrarproduktion legt den Kühen die Melkmaschine an. Quelle: Sven Bartsch

Rund 21 Cent Grundpreis pro Liter wird aktuell der Ebersbach-Otzdorfer Milchproduktion bezahlt. „Wir bräuchten aber 35 bis 40 Cent, um wirtschaftlich zu sein. Wenn wir bei 19 Cent ankommen, kann ich die Milch gleich weiterverfüttern“, berichtete Geschäftsführerin Jacqueline Schwarze. „So können wir nicht mehr weitermachen. Die Schmerzgrenze ist überschritten.“ Dazu kommt die Machtlosigkeit der Milchproduzenzen. „Wir haben gar keine Lobby. Mit uns verhandelt niemand“, gab Schwarze resigniert zu Protokoll.

Iris Claassen vom Regionalbauernverband Döbeln-Oschatz fordert endlich wieder faire Preise für Milch. Quelle: Sven Bartsch

Weitere Kredite könne zudem niemand zurückzahlen. Aus Sicht der Geschäftsführerin steht angesichts der niedrigen Milchpreise weit mehr als die Zukunft des Betriebes auf dem Spiel: „Wir haben auch eine Verantwortung in Sachen Pflanzenpflege und gegenüber den Jugendlichen.“ Insgesamt sechs Auszubildende sind aktuell in Ebersbach und Otzdorf beschäftigt. Die müssten sich Ernstfall auf die Suche nach einen neuen Betrieb machen. Hinsichtlich dieser unsicheren Umstände gäbe es kaum Nachwuchs. „Die Regierung will das jetzt aussitzen“, glaubt Schwarze. „Die sind sich gar nicht bewusst, wer alles an so einer Kuh hängt.“ Neben dem Bauern selbst sind nämlich auch Tierärzte sowie Zucht- und Landeskontrolleure in gewissem Maße von der breiten Milchproduktion abhängig. „Die Achtung der Bauern und Ehrfurcht vor den Lebensmitteln fehlt einfach.“

"Eine EU-weite Quote wäre toll"

Steven Voigt, Produktionsleiter der Gersdorfer Agrarproduktion, muss derzeit mit 25 Cent pro Liter arbeiten. Weitere Kredite sind auch für seinen Betrieb keine Option. „Eine EU-weite Quote wäre aber toll, weil zurzeit einfach zu viel aus dem Ausland, besonders Polen, Irland und Holland, nach Deutschland drückt. Statt auf eigener Seite weiter einzusparen wünscht sich Voigt, dass mit dem Handel verhandelt wird. „Wir produzieren hohe Qualität und brauchen gar keine Importe. Aber der Handel hat uns einfach in der Hand, da wir nicht einfach so mit der Produktion aufhören können.“

Auf diese Seite schlägt sich auch Gabriele Zschaage aus Nauhain, deren Landwirtschaftsbetrieb sowohl an Molkereien als auch eine eigene Zapfstelle direkt verkauft: „Es wird zu viel Milch produziert und der Großhandel nutzt das gnadenlos aus. Die diskutierte Nothilfe hilft uns allen nichts, denn wir wollen unabhängig bleiben und einen fairen Preis kommen – der liegt bei 35 Cent. Wenn das so weitergeht, müssen viele kleinere Landwirte aufhören. Damit ginge ein Stück Lebenskultur verloren.“

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Von André Pitz

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