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Döbeln Mindestlohn: Schulessen wird teurer
Region Döbeln Mindestlohn: Schulessen wird teurer
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23:02 23.06.2014

von Dirk wurzel

"Die Preise für die reine Lieferung der Mittagessen werden sich nach dem jetzigen Kenntnisstand voraussichtlich um zirka acht bis zwölf Eurocent je Menü verändern, falls es bei der uneingeschränkten und flächendeckenden Umsetzung des Mindestlohnes bleibt. Bei den Preisen für die Ausgabe oder anderen Dienstleistungselementen müssen wir je nach Aufwand differenzieren", sagt Sodexo-Pressereferentin Suska Georg auf Nachfrage der DAZ. Sodexo versorgt derzeit zehn Schulen in der Region Döbeln mit Essen. Dass es wahrscheinlich nicht bei einer Kostensteigerung um acht bis zwölf Cent bleiben wird, geht aus der Mitteilung des Unternehmens ebenfalls hervor. Denn auch die Mitarbeiter in den Ausgabestellen würden den Mindestlohnregelungen unterliegen, so der Bundestag Anfang Juli das Gesetzesvorhaben beschließt.

Gegner haben die Großkoalitionäre in Berlin in den Industrie- und Handelskammern, zum Beispiel in der IHK Chemnitz, zu deren Kammerbezirk die Region Döbeln gehört. "Die vorgesehene Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro belastet etwa ein Drittel der sächsischen Wirtschaft in teilweise existenzbedrohender Weise", heißt es in einem Positionspapier der Kammer. "Das gilt natürlich besonders für das Gastgewerbe", konkretisiert Silvio Saborowski, IHK-Fachreferent für Gastgewerbe und Tourismus. Die Kritik der Kammer: Der Mindestlohn wirke existenzbedrohend und führe zudem dazu, dass junge Menschen lieber dank Mindestlohn besser bezahlte Aushilfsjobs annehmen, anstatt sich um eine gescheite Ausbildung zu kümmern. Damit würde das Qualifikationsniveau weiter sinken, fürchtet Helmut Apitzsch, Präsident des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) "Der Mindestlohn ist eine versteckte Steuererhöhung und hebelt die Tarifautonomie aus", sagt Helmut Apitzsch. In punkto Steuern befürchten zum Beispiel die Angestellten einer Döbelner Bäckerei, die stufenweise Mindestlohn bekommen, die gierige Hand des Fiskus. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr Steuern. Diese kalte Progression steht immer dann in der Kritik, wenn Steuern und Abgaben Lohnerhöhungen aufzufressen drohen - etwa nach neuen Tarifabschlüssen in einer bestimmten Branche.

Für den Döbelner Gastronom Thorsten Hartwig ist das Drehen an der Steuerschraube ein Mittel, um mögliche Preissteigerungen abzufangen, die der Mindestlohn verursachen könnte. Und zwar, wenn der Staat die Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke in Gaststätten von zwölf auf sieben Prozent senken würde. Mit dem Mindestlohn hat der Welwel-Chef keine Probleme. "Den haben wir schon längst", sagt er. Zudem seien die Lohnkosten im Welwel eine zu vernachlässigende Ursache, was mögliche Preissteigerungen angeht. "Da treffen uns die Einkaufspreise und die Energiekosten stärker", so Thorsten Hartwig. Dem Prinzip einer Lohnuntergrenze kann er folgen. "Solche Überlegungen sind löblich, wenn es darum geht, die Binnennachfrage anzukurbeln. Allerdings hat sich gezeigt, dass die Leute zunächst lieber sparen, die Effekte treten zeitversetzt ein."

Die Einkaufspreise und Energiekosten treffen uns stärker als die Lohnkosten

Thorsten Hartwig, Geschäftsführer Welwel

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