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Misslungene Crystal-Tour bringt Döbelnerin (27) auf die Anklagebank

Prozess am Amtsgericht Misslungene Crystal-Tour bringt Döbelnerin (27) auf die Anklagebank

Fast 70 Gramm Crystal wollten zwei junge Damen in Tschechien kaufen. Mit einem geliehenen Auto fuhren sie ins Nachbarland. Den Wagen setzten sie an einem Poller an, woran dessen Achse zerbrach. Drogen brachten sie auch nicht mit, weil man sie offenbar abgezogen hatte. Eine Teilnehmerin dieser „Kaffeefahrt“ sitzt bereits im Knast, die andere schrammte daran vorbei.

In Tschechien gibt es Crystal für einen Äppel und ein Ei. Darum fahren Döbelner Süchtige ins Nachbarland, um sich mit dem Stoff preiswert einzudecken. Den verkaufen sie dann hierzulande weiter und finanzieren so ihre Sucht.

Quelle: Volker Hartmann

Döbeln. Ein Ausflug ins Methamphetamin-Paradies Tschechische Republik hat einer 27-Jährige Döbelnerin eine Anklage eingebracht, die sich gewaschen hatte. Zusammen mit der vielfach vorbestraften Daniela W. soll sie Anfang Januar dieses Jahres nach Tschechien gefahren sein. Dort habe man 70 Gramm des auch als Crystal bekannten Rauschgifts Methamphetamin gekauft und nach Döbeln gebracht. Außerdem soll die Angeklagte bei Daniela W. mindestens dreimal je zwei Gramm Crystal gekauft haben.

Das alleine reicht schon, um jemanden für über zwei Jahre ins Gefängnis zu schicken. Denn auf die Einfuhr von Betäubungsmitteln (BTM) in nicht geringer Menge stehen mindestens zwei Jahre Haft. Im Falle der 27-Jährigen kam es aber anders. Das Schöffengericht am Amtsgericht Döbeln verurteilte sie unter anderem nur wegen des Versuchs der unerlaubten Einfuhr in Tatmehrheit mit dem unerlaubten Handeltreiben geringer Mengen BTM zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und fünf Monaten Haft. Handeltreiben meint hier: Den Ankauf geringer Mengen Crystal für den Eigenbedarf. „Wenn das funktioniert hätte, wären 70 Gramm Crystal nach Döbeln gelangt, die hier nichts verloren haben“, sagte Richterin Karin Fahlberg, Vorsitzende des Schöffengerichts, über die Fahrt nach Tschechien. Dass das Rauschgift tatsächlich von Teplice nach Döbeln kam, stand für das Gericht nicht fest. „Den Nachweis darüber können wir nicht führen“, so Richterin Fahlberg. Also blieb Straftat im Versuchsstadium stecken und das erlaubt eine mildere Strafe.

Stoff geklaut und selbst vertickt?

Der Prozess warf auch ein Licht auf die mutmaßlichen Drogenumschlagplätze in Döbeln. Eine Spielothek in der Innenstadt kam dabei zur Sprache. Dort habe sich die Angeklagte Anfang Januar mit Daniela W. getroffen. Sie sagte, es sei ihre spontane Entscheidung gewesen mitzufahren, von Drogen habe sie nichts gewusst. Daniela W. dagegen haute ihre ehemalige Mitfahrerin in die Pfanne. Diese habe den Stoff noch in Tschechien geklaut und selbst in Döbeln vertickt. Das sollte das Gericht so nicht glauben.

Die Verhandlung zeigte auch, wie der Crystal-Handel in Döbeln funktioniert. Die Junkies legen zusammen. Dann fahren welche nach Tschechien und kaufen Crystal im zweistelligen Grammbereich. Das nehmen sie dann zum Teil selber, streckend den Rest es und verkaufen ihn mit großen Handelsspannen weiter. Daniela W. soll gut in diesem Geschäft unterwegs gewesen sein. Mittlerweile sitzt sie wegen anderer Delikte in der JVA Chemnitz (die DAZ berichtete). Ihr Vernehmungsbeamter berichtete von zehn Fahrten mit unterschiedlichen Mitfahrern, wo pro Tour mindestens 100 Gramm Crystal über die Grenze wanderten. „Wir haben das Handy der Frau W. ausgelesen und über 10 000  Whats-App-Kurznachrichten gefunden“, sagte der Kripo-Mann am Montag am Zeugentisch. Kurznachrichten, in denen es um Drogen ging.

Auch noch den Taxifahrer geprellt

Aber das wird möglicherweise Stoff in einem anderen Verfahren vor einem anderen Gericht sein. Die Fahrt der Mädels zum Crystal-Kauf ins Nachbarland entwickelte sich zum mehrtägigen Abenteuerurlaub. Das geliehene Auto fuhren sie zu Schrott (Achsbruch), saßen dann in Tschechien fest. Weil es beim Stammdealer kurz hinter der Grenze nichts gab, suchten sie in Dubi oder Teplice nach Methamphetamin. Schließlich reisten sie mit dem Tschechentaxi zurück, prellten aber den Fahrer um den Fuhrlohn, der die Mädels nach Waldheim gefahren hatte.

Mit der Möglichkeit einer Bewährungsstrafe konfrontiert, änderte die Angeklagte schließlich ihre Einlassung. Jawohl, sie sei wegen der Drogen mitgefahren. Daniela W. sei dann aber selbst betrogen worden, habe 1400 Euro bezahlt aber kein Crystal bekommen.

Von Dirk Wurzel

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