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Döbeln Mit AboPlus zur Entdeckertour nach Leisnig
Region Döbeln Mit AboPlus zur Entdeckertour nach Leisnig
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18:14 27.07.2012

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Wenn sich Leute in Leisnig von gestern und heute auskennen, dann sind das Renate und Dietrich Simon vom Geschichts- und Heimatverein der Stadt. Am Dienstag entführen sie in historischen Gewändern die Leisnig-Gäste in frühere Jahrzehnte und gar Jahrhunderte. "Da kommt man an Martin Luther nicht vorbei", sagt Dietrich Simon. Als Stadtführer gewandet er sich gern in Leinenwams und Umhang, ist zu später Stunde in Nachtwächterkluft mit Spieß und Laterne unterwegs. Am Stadtgut in der Kirchstraße 15 empfängt er die Gäste. Das imposante Gebäude mit dem auffälligen Porphyr-Portal ist der perfekte Einstieg in einen Stadtrundgang, für den die Gäste sich an einem besonderen Stadtplan orientieren: Er stammt aus dem Jahr 1820 und Simon unternimmt mit seinen Gästen einen Versuch: Er wandert mit ihnen anhand des alten Plans durch die heutige Stadt. An manchen Stellen lasse sich heute noch erkennen, wo bestimmte historische Stätten früher lagen.

Dabei ist Leisnig selbst eine historische Stätte, denn: Hier war der Reformator Martin Luther 1522 und 23 zu Gast, um mit dem Leisniger Rat auf deren Einladung über die so genannte Kastenordnung zu sprechen. Als eine der ersten Sozialordnungen Europas regelte sie, wie das Geld einer Gemeinde so aufgeteilt werden solle, dass nicht allein die Obrigkeit sich bediente, sondern auch an die wenig Begüterten gedacht wurde. An der Kirche geht Dietrich Simon mit den Entdeckern des AboPlus-Ferien-Spezials ebenfalls vorbei, denn dort ist gewissermaßen europäische Geschichte auf Leisniger Boden zu erleben. Wer möchte, kann im Anschluss an den Stadtrundgang in die Kirche gehen und sich umsehen.

Auf den Boden der Leisniger Geschichte beziehungsweise sogar darunter begeben sich die Stadtwanderer ein paar Meter weiter: Das Oldtimermuseum von Claus Dieter Andrä am Fuße der Kirchstraße birgt nicht nur ein stattliches Arsenal an historischen Motorrädern, von der NSU aus dem Baujahr 1925 bis zur MZ aus DDR-Zeiten. Hier geht es auch in die Unterwelt.

"Als wir das ungefähr 500 Jahre alte Haus sanierten, stießen wir auf eine zugemauerte Tür", schildert Claus Dieter Andrä. Die musste er natürlich öffnen und fand dahinter erst einmal nur eine Menge Bauschutt. Als dieser beräumt war, tat sich eine nach unten führende Treppe unter Ziegelgewölben auf, in der Tiefe folgten mehrere Gänge. Je tiefer diese in den Berg führen, um so mehr zeigt sich: Hier wurden die Gänge in das anstehende Felsgestein gehauen. Heute ist nicht mehr nachvollziehbar, wozu diese Gänge und Keller gedient haben könnten. "Zum Lagern von Kartoffeln oder Obst ist es hier viel zu feucht. Aber für ein gut sortiertes Lager an Weinflaschen hätte es möglicherweise reichen können", schmunzelt er. Da es sich bei dem Gebäude allerdings um ein sehr nahe der Burg gelegenes Haus handelt, könnten die unterirdischen Gelasse auch als Versteck gedient haben. Aus der Geschichte Leisnigs sind immerhin auch Eroberungs- und Belagerungsepisoden bekannt - das Mittelalter war in dieser Beziehung eine harte Zeit. Und gerade die Jahrzehnte nach Luther und der Reformation brachten mit dem 30jährigen Krieg viel Elend und turbulente Zeiten über die Stadt.

Ein Zeitzeuge aus der eher jüngeren Geschichte ist hingegen der Leisniger Riesenstiefel. Der ging ins Guinnessbuch der Rekorde ein, handelt es sich doch nachgewiesenermaßen um den größten Stulpenstiefel der Welt. Die Stiefelwacht des Heimatvereins behütet den Koloss mit einer Höhe von 4,90 Metern, einer Sohlenlänge von 2,20 Metern, Absatzhöhe von 42 Zentimetern und einem Gewicht von 439 Kilogramm in einem eigens dafür errichteten Stiefelmuseum am Burglehn. Der Stiefel bringt es auf Schuhgröße 330 und müsste von einem wahrhaft riesigen Lulatsch getragen werden. Was es mit dem Stiefel auf sich hat, erfahren die Leisniger Stadtentdecker ebenfalls am 31. Juli. Und dann können sich die Jüngsten unter ihnen im Domizil des Riesenstiefels gleich selbst beim Basteln noch als kleine Schustergesellen ausprobieren. Zurückgekehrt in das Stadtgut, werden die Stadtwanderer von den Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins noch beköstigt, bevor sie entweder den Heimweg antreten oder noch einmal auf eigene Faust in der Stadt bummeln gehen, denn hier gibt es auf geschichtsträchtigem Boden eine Menge zu entdecken. Steffi Robak

Wann?

n Dienstag, 31. Juli; 10 bis 17 Uhr. Führungen 10.30 Uhr, 11 Uhr, 12.30 Uhr 13 Uhr und 14.30 Uhr. Danach nach Bedarf.

Wo?

n Treffpunkt Parkplatz Lindenplatz, Dort erwarten Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins die Gäste. Regionalbahn: Linie Leipzig - Döbeln - Meißen. Vom Ankunftsbahnhof aus immer bergauf und links halten, bitte den blauen Luftballons folgen.

Parken?

n Auf dem Parkplatz Lindenplatz kostenfrei. Auf allen anderen Parkplätzen sind Parkgebühren fällig. Anlaufpunkt für Leute, die nicht mit dem Auto kommen, ist das Stadtgut, Kirchstraße 15.

Wie?

n Teilnahmecoupon aus der Zeitung mitbringen und den Familienpreis bezahlen. (15 Euro, geltend für zwei Erwachsene und bis zu zwei Kinder.) Am Lindenplatz gibt es die Teilnehmerkarte/Info-Material und Verzehrbons (gelten nur für alkoholfreie Getränke).

Was?

n Ab Leisnig Stadtgut Stadtrundgang, kleines Oldtimermuseum mit unterirdischen Gängen, Besichtigung Kirche (11 bis 15 Uhr), Besichtigung Oldtimermuseum und Stiefelmuseum 81 bis 15 Uhr), dort Basteln rund um den Stiefel für Kinder. Freies Parken, Verpflegung im Stadtgut.

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