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Mit Belehrungen fing es an – Gatzemeiers Retrospektive in Döbeln zu sehen

Ausstellung im Rathaus Mit Belehrungen fing es an – Gatzemeiers Retrospektive in Döbeln zu sehen

Wie versprochen stellt Thomas Gatzemeier aller zehn Jahre in seiner alten Heimatstadt Döbeln aus. Jetzt, rund zwei Wochen vor dem Döbelner Heimatfest, ist es wieder so weit. Der international bekannte Maler und Vertreter der Leipziger Schule zeigt ab Donnerstag Malerei, Zeichnungen und Grafik aus drei Jahrzehnten unter dem Titel „Die Belehrung“.

Auf der Couch in der Galerie: Thomas Gatzemeier inmitten seiner großformatigen Werke, die aus 30 Jahren seinen Schaffens stammen.
 

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln.  Er ist wieder da. Am Mittwochmittag reiste der verlorene Sohn der Stadt Döbeln aus Karlsruhe an. Wie versprochen stellt Thomas Gatzemeier aller zehn Jahre in seiner alten Heimatstadt aus. Jetzt, rund zwei Wochen vor dem Döbelner Heimatfest, ist es wieder so weit. Der international bekannte Maler und Vertreter der Leipziger Schule zeigt ab Donnerstag Malerei, Zeichnungen und Grafik aus drei Jahrzehnten unter dem Titel „Die Belehrung“. „Den Titel für diese Retrospektive habe ich gewählt, weil ich in meiner früheren Döbelner Zeit sehr häufig belehrt wurde, was ich etwa malen sollte und was nicht“, sagt der 62-Jährige.

In der Ausstellung wird dazu neben seinem Bild „Der Disput“ von 1981 ein Auszug aus seiner Stasiakte hängen. Schon mit seiner Diplomarbeit war er damals angeeckt, weil das Gemälde eine Beerdigung zeigt. Das entsprach nicht dem vorwärtsgewandten Bild, das von DDR-Kunst erwartet wurde. Geburt, Leben und Tod blieben aber seine Themen. 1984 erhielt er Ausstellungsverbot in der DDR. Zwei Jahre später wurde er ausgebürgert und kam mit seiner Familie nach Karlsruhe. 1999 hatte er erstmals wieder in der Döbelner Jacobikirche ausgestellt. Seitdem waren regelmäßig Werke von ihm in Döbeln zu sehen. Mit einer Personalausstellung mit Druckgrafiken war er zuletzt 2006 in Döbeln.

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Der 1986 ausgebürgerte Künstler stellt wieder im Döbelner Rathaus aus. Donnerstagabend gibt es zur Vernissage ein Eröffnungskonzert mit der japanischen Pianistin Chisako Okano.

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Auf drei Etagen hat der 62-Jährige nun seine Retrospektive im Rathaus verteilt. Darunter sind Bilder, die vor seiner Ausbürgerung aus der DDR entstanden, dazu die Bilderserie „Pelzchen“ aus den 1990-er Jahren oder aktuelle Grafiken aus dem Jahr 2015. Treu geblieben ist Thomas Gatzemeier dabei immer der figürlichen Darstellung, der Liebe zum weiblichen Akt, oft mit Bezügen zu Rubens. Erstmals zu sehen, ist sein in den 1980er Jahren in seinem Atelier an der Döbelner Uferstraße entstandenes Gemälde „Kellerbad“. Viel über seine Arbeitsweise gibt der Künstler in den ausgestellten Entwürfen eines Altarbildes preis. Das 60 Quadratmeter große Altargemälde hängt in der Evangelischen Kirche in Krailsheim. Die viele Nacktheit darauf löste heftige Diskussionen aus, lockte aber auch ganze Reisebusse voller Besucher an.

„Gottes Schöpfung war nackt“, nennt Gatzemeier daraufhin eine Podiumsdiskussion, mit der er sich Kritikern stellt. Er lächelt darüber milde. Ein politischer Künstler wollte er nie sein. Die Leute will er mit seiner Kunst auch unterhalten. Dennoch werden in diesem Jahr in Siegen und Köln noch Retrospektiv-Ausstellungen mit teilweise politischen Werken gezeigt, wie den 17 Plastiken gegen rechtsextreme Gewalt, die er in den 90-er Jahren schuf und im Reichstag ausstellte. Im Döbelner Rathaus und im Stadtmuseum sind vor allem großformatige Werke zu sehen. Teilweise so groß, dass sie nicht in den Aufzug passten. Bauhofmitarbeiter mussten sie durchs Treppenhaus schleppen.

Am Donnerstag eröffnet die Ausstellung „Die Belehrung“ um 19 Uhr. Dabei gibt die japanische Pianistin Chisako Okano am Flügel im Rathaussaal ein Konzert mit Werken von Bach, Beethoven und Schostakowitsch. Einführende Worte zu Gatzemeiers Werk wird der Hallenser Literaturwissenschaftler Christian Soboth sprechen. Danach möchte Thomas Gatzemeier mit den Besuchern ins Gespräch kommen.

Konzert und Vernissage, Donnerstag, 2. Juni 2016, 19 Uhr, im Rathaussaal. Ausstellung läuft vom 3. Juni bis 26. August 2016.

Hintergrund: Thomas Gatzemeier

❏ Thomas Gatzemeier wurde 1954 in Döbeln geboren. Er absolvierte eine Lehre zum Schrift- und Plakatmaler und arbeitete als Steinmetzgehilfe, bevor er von 1975 bis 1980 Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studierte. Seine Lehrer waren Arno Rink und Volker Stelzmann.

❏ Von 1980 bis 1986 war der Künstler freischaffend in Döbeln tätig. Bereits 1984 erhielt er Ausstellungsverbot in der DDR. Zwei Jahre später wurde er ausgebürgert und kam mit seiner Familie nach Karlsruhe.

❏ Seit etwa zehn Jahren betreibt Thomas Gatzemeier neben seinem Atelier in Karlsruhe auch wieder ein Atelier in Leipzig.

Von Thomas Sparrer

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