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Döbeln Schlägerei in Döbeln: Frau schlägt Grapscher – Richter sieht keine Notwehr
Region Döbeln Schlägerei in Döbeln: Frau schlägt Grapscher – Richter sieht keine Notwehr
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13:58 04.07.2016
Weil sie einen 53-jährigen Döbelner im September 2015 mit einer Bierflaschen geschlagen hat, muss eine 47-Jährige jetzt 900 Euro Geldstrafe zahlen.  Quelle: Wolfgang Sens
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Döbeln

 Rockerprozess im Amtsgericht Döbeln? Zumindest die Bekleidung der Begleitung der Angeklagten ließ auf den ersten Blick darauf schließen, hatte diese doch Kutten, also Westen, an, die typischen Erkennungszeichen von organisierten Bikern (Motorradfahrern). Wichtig ist aber auch, was dadrauf steht. Und „Free Biker“, auf deutsch freier Motorradfahrer, hat in der Szene jetzt keinen so hohen Stellenwert, wie „Hells Angels“, „Bandidos“ oder „United Tribuns“.

Leere Bierflasche als Schlagwerkzeug

Ums irgendwelche Rockergeschichten ging es in dem Prozess aber nicht, sondern um eine ganz profane gefährliche Körperverletzung im sozialen Umfeld derer, die nachmittags schon Alkohol trinken. Die Angeklagte und ihre Begleiter waren auch nicht auf Harleys angereist, sondern im betagten Seat. Der 47-Jährigen lag zur Last, am 22. September 2015 gegen 15 Uhr den 53-Jährigen Geschädigten auf der Döbelner Zwingerstraße eine leere Bierflasche über den Schädel gezogen zu haben, woraufhin der Mann zu Boden gegangen sei. Dann habe sie den am Boden Liegenden getreten.

Erst begrapscht, dann verprügelt

Die Frau räumte das ein und erklärte Strafrichter Janko Ehrlich auch, weshalb sie so gehandelt hat: „Er hat mich mehrfach begrapscht, mir zwischen die Beine und an die Brust gefasst. Ich habe gesagt, er soll seine Pfoten von mir nehmen, sonst kracht´s.“ Jemanden zu betatschen ist mindestens eine tätliche Beleidigung, wenn nicht gar eine sexuelle Nötigung – auf jeden Fall ein „rechtswidriger Angriff“. Den darf man grundsätzlich mit körperlicher Gewalt abwehren. Notwehr ist nicht strafbar. Richter Ehrlich sprach die Frau aber trotzdem der gefährlichen Körperverletzung schuldig, nahm jedoch einen minder schweren Fall an. Die Geringswalderin ist bisher nicht vorbestraft, der Geschädigte war nur minimal verletzt und alle Beteiligten waren angetrunken. Darum konnte der Richter von den sechs Monaten Mindestfreiheitsstrafe abweichen, die das Gesetz für gefährliche Körperverletzung vorsieht. Richter Ehrlich verurteilte die Frau zu 90 Tagessätzen á zehn Euro Geldstrafe, was drei Monaten Haft entspricht. Er erklärte auch, warum keine Notwehr vorlag, obwohl er ihre Angaben vom Betatschen glaubte. „Notwehr ist es nicht, weil Sie der Geschädigte nicht unmittelbar angegriffen hatte. Auch hätten Ihre Begleiter helfen können, da muss man dem Herrn Z. nicht gleich mit der Flasche eine überziehen.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Alkohol mit von der Partie

Die 47-Jährige war an diesem Nachmittag mit mehreren Bekannten und den Geschädigten unterwegs. Man wollte einen Bekannten besuchen. Mit von der Partie war natürlich auch der Alkohol. Wie ein unabhängiger Zeuge bei der Polizei berichtete und auf Vorhalt im Gericht bestätigte, habe er zunächst eine Rangelei zwischen dem 53-Jährigen und einem der Männer mitbekommen, mit denen die Frau unterwegs war. Ziemlich deutlich konnte sich der 48-Jährige dann daran erinnern, wie die 47-Jährige mit der Flasche zuschlug und den Mann trat, als er am Boden lag. Es ergab sich, dass der Schlag nicht unmittelbar auf die unsittlichen Berührungen fiel, sondern etwas Zeit verstrichen war.

Der Geschädigte scheint in jüngster Vergangenheit die Opferrolle gebucht zu haben. Ende Februar sagte er als Zeuge bei Richterin Karin Fahlbergs Schöffengericht aus. Seine damaligen Trinkkumpane hatten ihn im Juni vergangenen Jahres in seinem Garten vermöbelt und beraubt. Das Schöffengericht verurteilte sie zu Freiheitsstrafen mit und ohne Bewährung.

Von Dirk Wurzel

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