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Mit Klappsäge im Kleinstadtklub 17 gefuchtelt: Bewährungsstrafe für Döbelner

Prozess am Amtsgericht Mit Klappsäge im Kleinstadtklub 17 gefuchtelt: Bewährungsstrafe für Döbelner

Erst unmöglich benehmen, dann unmögliches Zeug erzählen: Ein 17mal Vorbestrafter bescherte dem Kleinstadtklub 17 in Döbeln, seinen Mitarbeitern und Gästen viel Ärger. Nicht nur, weil er mit einer Klappsäge auf sie losging, weswegen ihn das Amtsgericht Döbeln am Freitag verurteilte.

Offenbar aus Rache bezichtigte ein 42-jähriger Döbelner völlig Unschuldige des Drogenhandels. Die Männer hatten ihn zuvor aus dem Kleinstadtklub 17 geworfen, damit er dort keinen Ärger macht. Eskaliert ist die Situation trotzdem. Darum ging es am Freitag in einem Prozess am Amtsgericht Döbeln.

Quelle: Volker Hartmann

Döbeln. Für Döbelns größten Polizeieinsatz seit dem Mord im Bistro Aladin sorgte ein 42-Jähriger mit seiner Aussage bei der Polizei: Er habe den Kleinstadtklub 17 im Herbst 2015 aufgesucht, um dort Crystal zu kaufen. 65 Beamte durchsuchten daraufhin einige Zeit später den Klub und zwei Wohnungen nach Drogen – ohne Erfolg. KL-17-Besitzer Sven Weißflog sprach bereits damals von einer „Luftnummer“.

Ein Prozess am Amtsgericht Döbeln offenbarte jetzt die Hintergründe dieser Vorwürfe. Staatsanwältin Jana Hock legte dem Mann zur Last, im Oktober 2015 im KL 17 mit einer Klappsäge herumgefuchtelt und dabei einen Mann verletzt zu haben. Vorher habe er die Männer mit dem Tode bedroht. Er habe seine Ex-Freundin besuchen wollen, woran ihn ein Gast und ein Mitarbeiter des KL 17 hätten hindern wollen. Gefährliche Körperverletzung und versuchte gefährliche Körperverletzung lauteten unter anderem die Tatvorwürfe, dazu Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, weil sich der Mann später gegen seine Festnahme gewehrt hat.

Doppelte Bestrafung verboten

„Die Verteidigung sieht ein Verfahrenshindernis. Ein Strafklageverbrauch ist zu bejahen“, rammte Rechtsanwalt Thomas H. Fischer zu Beginn der Verhandlung einen gewichtigen Pflock ein. Im Plädoyer wiederholte der Verteidiger das und beantragte, das Verfahren einzustellen. Sein Mandant habe für das Führen eines Cuttermessers einen Bußgeldbescheid bekommen. Das Teil fanden die Beamten, als sie den 42-Jährigen auf der Wache durchsuchten. Die Säge dagegen blieb unauffindbar. Cuttermesser gelten laut Waffengesetz als Einhandmesser und ohne vernünftigen Grund darf man diese nicht mit sich herumschleppen. Das Bußgeld-Verfahren hatte das Gericht jedenfalls eingestellt. Mit dieser Entscheidung sei aber die Strafklage wegen der Vorfälle im Klub „verbraucht“, meinte Rechtsanwalt Fischer. Denn bei denen habe sein Mandant das Cuttermesser verwendet, nicht die Säge. Das mag alles nach juristischen Winkelzügen aussehen. Allerdings steht dahinter der verfassungsmäßig garantierte Rechtsgrundsatz „ne bis in idem“ – das Verbot einer doppelten Bestrafung wegen derselben Sache.

Im Falle des 42-Jährigen hätte das womöglich funktionieren können, wenn man nicht an die Existenz der Säge glaubt. Sondern davon ausgeht, dass der Angeklagte mit dem Cuttermesser im KL 17 herumgefuchtelt hat und dabei den Gast verletzte, der geholfen hatte, den Stressmacher herauszudrängen. Denn das hatte, so sagte der Angestellte als Zeuge aus, Sven Weißflog angeordnet. Die Exfreundin des Angeklagten arbeitete in dem Klub und ihre Arbeit litt, weil der Ex ihr offenbar nachstellte. An jedem Oktoberabend wollte er ihr ihren Hund bringen – das ergab der Prozess unstreitig. Die Tatvorwürfe allerdings stritt der Angeklagte ab, sprach von einer Notwehrsituation. Als er in den KL 17 ging, hatte Crystal genommen und Alkohol getrunken. Das ergab die Untersuchung der Blutprobe des Mannes.

Unschuldige hatten Ärger mit der Polizei

Richterin Magdalena Richter glaubte aber an die Existenz der Säge. Drei Zeugen hatten das Teil beschrieben, wenngleich auch in Nuancen unterschiedlich. „Zu Ihren Gunsten kann ich nicht besonders viel erkennen. Höchstens, dass der Geschädigte keine besonders schweren Verletzungen (Kratzer am Schienbein,d. Red.) hatte“, sagte sie, sprach den 17mal vorbestraften Mann unter anderem der gefährlichen Körperverletzung und des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte schuldig und verhängte elf Monate Haft Gesamtstrafe. Die Vollstreckung setzte sie unter Auflagen zu Bewährung aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der 42-Jährige vermittelte den Eindruck, dass es ihm egal ist, ob er ins Gefängnis muss. Seine belastenden Angaben bei der Polizei zum vermeintlichen Drogenkauf hatte er offenkundig aus Rache gemacht. Das sorgte nicht nur für einen Riesen-Polizeieinsatz, sondern bescherte zudem Unschuldigen Ärger mit der Polizei. Diese sahen sich der Beschuldigung ausgesetzt, Drogendealer zu sein. Die Entsprechenden Ermittlungsverfahren hat die Staatsanwaltschaft aber mittlerweile eingestellt.

Von Dirk Wurzel

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