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Döbeln Mit Schlagring im Amtsgericht: Roßweiner zeigt Richterin den Vogel
Region Döbeln Mit Schlagring im Amtsgericht: Roßweiner zeigt Richterin den Vogel
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12:34 13.06.2018
Mit einem Schlagring war ein Roßweiner im Amtsgericht Döbeln erschienen. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Quelle: Dpa
Roßwein/Döbeln

Voll daneben. So benahm sich ein Roßweiner am Dienstag vor Gericht. Er hatte im Dezember 2017 einen Schlagring dabei, als das Amtsgericht Döbeln seine Anklage wegen Diebstahls verhandelte. Der Sicherheitsdienst förderte das gefährliche Schlaginstrument bei der Einlasskontrolle zu Tage. Der Mann hatte es in der oberen Tasche seiner Latzhose. Per Strafbefehl hatte ihn das Gericht deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen hatte der Mann Einspruch eingelegt. Und diskutierte nun sinnlos und lautstark mit der Richterin rum, zeigte ihr sogar den Vogel.

Messer über Messer

In der Fundstatistik des Amtsgericht dürfte der Schlagring des Roßweiners unter die 66 anderen potenziell gefährlichen Gegenstände fallen, die die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes 2017 gefunden haben. Die Kontrollen förderten außerdem einen Elektroschocker, ein Messer, das dem Waffenrecht unterliegt, 46 sonstige Messer, neun mal Reizstoffspray, neun Glasflaschen, zehn Nagelfeilen, drei Schraubendreher und 24 Scheren zutage. 2016 stellten die Kontrolleure mehr Messer (drei) fest, die unters Waffengesetz fallen, und auch mehr sonstige Messer (71). Dafür brachten weniger Leute Reizgasspray mit ins Gericht (14). Diese Zahlen nennt Karin Fahlberg, Richterin am Amtsgericht Döbeln und dessen Pressesprecherin, auf Nachfrage der DAZ.

Waffenfunde im Amtsgericht Döbeln – das sind die Zahlen

2017 fanden die Leute vom Sicherheitsdienst bei Einlasskontrollen im Amtsgericht Döbeln einen Elektroschocker, ein Messer im Sinne des Waffengesetzes , 49 sonstige Messer, 22 mal Reizstoffspray, neun Glasflaschen, fünf Nagelfeilen, drei Schraubendreher, 24 Scheren sowie 66 andere potenziell die Sicherheit im Justizgebäude störende Gegenstände festgestellt.

In der Zweigstelle Hainichen waren es ein Messer im Sinne des Waffengesetztes , 46 sonstige Messer, neun mal Reizstoffspray, fünf Glasflaschen, zehn Nagelfeilen, drei Schraubendreher, elf Scheren, und 16 andere Gegenstände.

2016 fanden die Kontrolleure am Einlass in Döbeln drei Messer im Sinne des Waffengesetzes, 71 sonstige Messer, 14 mal Reizstoffspray, 26 Glasflaschen, zwölf Nagelfeilen, vier Schraubendreher, 15 Scheren, 59 sonstige gefährliche Gegenstände.

In der Zweigstelle Hainichen waren es ein Messer im Sinne des Waffengesetzes, 52 sonstige Messer, 19 mal Reizstoffspray, eine Glasflasche, zwölf Nagelfeilen, ein Schraubendreher, 17 Scheren, und 28 sonstige Gegenstände.

Seit 2009 hat der Freistaat die Einlasskontrollen an seinen Gericht verschärft. Anlass war eine Bluttat, die der rechtsextreme Russlanddeutsche Alex W. am 1. Juli 2009 im Landgericht Dresden begangen hatte. Er erstach die Ägypterin Marwa El-Sherbini in einer Berufungsverhandlung Sie war geschädigte Zeugin in diesem Verfahren. Alex W. verurteilte das Landgericht Dresden wegen Mordes zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

Arbeitslos in Arbeitshose

Die Strafe für den Schlagring-Mann vom Amtsgericht Döbeln ist im Vergleich dazu ein Klacks: 30 Tagessätze á 13 Euro für den deutschen Hartz-IV-Empfänger. Aber die 390 Euro waren ihm trotzdem zu viel Geld. Vor Gericht erschien er in einer schmutzigen Latzhose. „Normalerweise kommt man doch ordentlich gekleidet zu Gericht“, gab Richterin Marion Zöllner zu bedenken. Vor allem wunderte sie sich, weshalb ein Arbeitsloser in Arbeitsachen herumläuft. Weil er gerade eine Maßnahme mache, sagte der Angeklagte.

Tiraden von der Anklagebank

„Ich wusste nicht, dass so ein Ding unters Waffengesetz gefallen ist“, sagte er, räumte den Tatvorwurf aber ein. „Das weiß doch mittlerweile jedes Kind, dass ein Schlagring unters Waffenrecht fällt“, hielt dem Richterin Marion Zöllner entgegen. Sie musste sich vom Roßweiner einige Tiraden anhören, wieso solche Spielzeuge wie Schlagringe strafbar sind. Eine Kette habe er daraus bauen wollen, war dann eine weitere Erklärung. Schließlich diskutierte um die Höhe des Tagessatzes, dass er kein Geld habe, die Geldstrafe zu bezahlen.

Roßweiner akzeptiert Strafe

„Wenn Sie mir noch einmal den Vogel zeigen, kriegen Sie eine Anzeige wegen Beleidigung“, sagte die Vorsitzende dann zum Gipfel der Ausfälligkeiten des Angeklagten. Sie erklärte ihm, dass er die Geldstrafe abarbeiten oder absitzen kann. Und es gelang Marion Zöllner auch, den 39-Jährigen davon zu überzeugen, den Einspruch zurückzunehmen und die Strafe zu akzeptieren. Das tat dieser dann wutschnaubend. „Scheiß Gesetze“, rief er und verließ Tür knallend den Verhandlungssaal. Immerhin: Die Einziehung des Schlagrings nahm er ohne Proteste hin.

Von Dirk Wurzel

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