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Mit Trockeneis gegen den Verfall

Eisplus neu im Mockritzer Gewerbegebiet Mit Trockeneis gegen den Verfall

Das Döbelner Jungunternehmen Eisplus hat im Mockritzer Gewerbegebiet eine neue Heimat gefunden. Hier sollen künftig große Anhänger, Brückenteile oder Industrietrichter abgestrahlt und lackiert werden. Das Besondere: Zum Strahlen wird Trockeneis benutzt, mit dem auch bundesweit Denkmäler neuen Glanz erhalten.

Gut Lachen bei Eiseskälte: Eisplus-Geschäftsführer Alexander Münch mit einer Kühlbox auf dem Firmengelände im Mockritzer Gewerbegebiet, in der 400 Kilo Trockeneis lagern, die wie in der Disco dampfen.

Quelle: Sven Bartsch

Mockritz. Dichter Nebel dampft aus einer riesigen Kühlbox draußen vor dem Betriebsgebäude im Mockritzer Gewerbegebiet, als Eisplus-Geschäftsführer Alexander Münch den Deckel hebt. „Wie in der Disco“, sagt er und lacht. Was er hier in zwei je 400 Kilo fassenden Behältern aufbewahrt, ist der zentrale Bestandteil seines Geschäfts: Trockeneis. Damit löst das innovative Unternehmen Schmutz, Farbe und Rost im Schonverfahren von vielerlei Untergründen wie Metall, Holzbalken, Fassaden, vor allem bei denkmalgeschützten Bauten, die eine Frischekur brauchen.

Inzwischen läuft das Geschäft so gut, dass der alte Standort in der Döbelner Eichbergstraße, wo Alexander Münch mit seinem Geschäftspartner Maik Schilling 2012 angefangen hat, zu klein geworden ist. Seit Dezember ist die Firma im Gewerbegebiet Mockritz ansässig und steckt noch immer im Umzugsstress. Die Büromöbel sind gerade erst angekommen. Und produziert werden kann in der neuen Halle auf dem Gelände von Nico Fahrzeugbau, wo sich Eisplus eingekauft hat, noch nicht. „Die Produktion wird gerade vorbereitet. Wir erwarten im März eine neue, 15 Meter lange Strahl- und Lackierkabine“, sagt Produktionsleiter Enrico Wuttig. Damit sollen große Teile nicht nur gestrahlt sondern auch gleich fertig lackiert werden können. „Wir haben die neue Anlage bewusst groß gewählt, um eine Nische zu besetzen – Anhänger, Zaunsfelder, Edelstahltrichter aus der Industrie. Derzeit fahren Firmen ein Stück weit über die Landstraße, um so etwas machen zu lassen. Wir werden dann eines der wenigen Unternehmen in Sachsen sein, dass diese Größe und das Angebot haben“, freut sich Alexander Münch.

Damit wolle man langfristig ein zweites Standbein zur Arbeit bei den Kunden vor Ort schaffen. Rund eine halbe Million Euro investiert die Firma in den Umzug. Noch wartet Münch auf eine Fördermittelzusage, aber auch ohne will er alles wie geplant stemmen. Zehn Mitarbeiter sind derzeit im Einsatz und strahlen Gebäude bundesweit mit der modernen Trockeneistechnologie ab.

Der Clou: Mit dem vergasten Trockeneis, das statt Sand, Glasperlen oder Granulat zum Abstrahlen genutzt wird, werden nicht nur die Oberflächen geschont, sondern auch die Umwelt. „Das Eis ist gekühltes Kohlendioxid. Bei minus 80 Grad wird es zu Schnee, der in Pellettform geliefert wird. Dafür werden Industrieabgase aufgefangen, gereinigt und heruntergekühlt“, erklärt der 35-Jährige. Trifft das Trockeneis auf die zu behandelnde Oberfläche wird es sofort wieder zu CO 2 vergast. Die Vorteile: Es bleiben keine teuer zu entsorgenden Rückstände und die Arbeitszeit wird dadurch erheblich verkürzt. „Man kann auch mit Sand sehr schonend arbeiten, aber einen Dachboden kriegt man nicht rückstandsfrei beräumt. Der Sand steckt immer noch in den Balken. Das passiert mit dem Eis nicht. Dadurch verkürzen wir auch die Belastung des Kunden“, sagt Münch.

Bewiesen hat Eisplus dies beispielsweise in Pirna im größten Kirchendachstuhl Sachsens, wo alle Balken abgestrahlt werden mussten, am Freiberger Dom oder an der Fassade des Johanneums in Dresden. Derzeit stehen die Mitarbeiter vor einem Mammutprojekt in Bautzen: Hier muss die Fassade eines 60 Meter hohen Wasserturms gestrahlt werden. Dabei stößt die Technik an ihre Grenzen. Denn der Kompressor, der das Trockeneis fein mahlt und dann mit Druck durch die Strahlschläuche schießt, wiegt zweieinhalb Tonnen, ist groß wie ein Transporter und kann nicht auf das Gebäude gehievt werden. „Dafür haben wir Spezialschläuche, die bis hoch reichen. Normalerweise sind die nur 15 Meter lang“, erklärt Alexander Münch. Für Arbeiten an Balustraden und Geländern werden zudem Industriekletterer eingesetzt, die extra an den Geräten angelernt werden.

Das kostet natürlich alles viel Geld, wobei die Eistechnik vor allem in der Metallbearbeitung teurer als herkömmliche Methoden ist. Deshalb bietet Eisplus auch klassisches Sandstrahlen und andere Techniken wie Heißdampf an. „Das Anschaffen des Eisverfahrens macht nur Sinn, wenn man es jeden Tag nutzt, weil man bei kleinem Eisverbrauch teurer kommt als beispielsweise mit Sand“, erklärt Münch. Zudem kann tiefer Rost mit dem reinen Eisverfahren nicht beseitigt werden. Doch auch dafür gibt es schon eine Lösung. „Es gibt ganz neue Kombi-Geräte, die zehn Prozent feines Puder und 90 Prozent Eis nutzen. Das könnte die herkömmlichen Stoffe ablösen“, meint Münch.

Von Sebastian Fink

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