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Döbeln Mit Wildkamera und Facebook: Leisniger überführen Diebe selbst
Region Döbeln Mit Wildkamera und Facebook: Leisniger überführen Diebe selbst
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12:12 27.06.2016
Ein Diebstahl in einem Leisniger Kleingarten war quasi schon aufgeklärt, als ihn das Amtsgericht Döbeln jüngst verhandelte. Quelle: Wolfgang Sens
Döbeln/Leisnig

Den Diebstahl aus ihrem Garten klärte eine 26-jährige Leisnigerin gewissermaßen selbst auf. Mittels einer Wildkamera und dem sozialen Netzwerk Facebook im Internet kam sie den Tätern auf die Spur: Einer ist ein 45-jähriger Leisniger, vielfach vorbestraft und knastererfahren, der andere ein 23-Jähriger, der bisher nur als Jugendlicher geringfügig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Die Staatsanwaltschaft sah jedenfalls nach Jugendstrafrecht von der Verfolgung dieser kleinen Delikte ab.

Diebe statt Wild vor der Linse

Eine Wildkamera ist eine Kombination aus Nachtsichtgerät, Bewegungsmelder und Fotokamera. Damit können zum Beispiel Grundstücksbesitzer in Erfahrung bringen, wer des Nachts so alles übers Grundstück schleicht: Füchse, Katzen, Waschbären, Nachbars läufige Hündin auf dem Weg zum Rendezvous. Oder eben Menschen mit rechtswidrigen Vorhaben. „Bei uns ist schon mal eingebrochen worden. Da haben wir die Wildkamera aufgestellt“, sagte die Gartenbesitzerin. Es war in einer Nacht Anfang März, als die beiden Angeklagten bei der jungen Frau eingestiegen sind und eine Kabeltrommel und einen Bauscheinwerfer stahlen. Dabei löste der Bewegungsmelder der Wildkamera aus. Als die junge Frau und ihr Freund die Bilder betrachteten, mögen sie wohl gedacht haben, „Moment mal, den einen kennste doch.“ Über Facebook schrieben sie den Älteren an.

Zu wenig los in Leisnig

„Das war sehr unfreundlich. Ich habe geantwortet, mit mir kann man ordentlich reden, mich entschuldigt und wir haben die Sachen zurückgegeben“, sagte der 45-Jährige. Die Zeugin bestätigte die Rückgabe. Ob die Angeklagten ohne diese Vorgeschichte die Tat bei Straffrichter Janko Ehrlich im Amtsgericht Döbeln eingeräumt hätten – darauf gab es im Prozess keine Antwort. Wohl aber, auf das Motiv der beiden. „Das war eine dumme Aktion. In Leisnig ist es manchmal recht langweilig“, sagte der Ältere. Ihn verurteilte Strafrichter Ehrlich wegen Diebstahls zu einer recht hohen Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu 13 Euro – also insgesamt 2600 Euro. Hoch ist das deshalb, weil Gerichte bei Geldstrafen höchstens 365 Tagessätze verhängen dürfen, was einem Jahr Haft entspricht. Der Jüngere muss 50 Tagessätze zu 50 Euro zahlen, also insgesamt 2500 Euro. Weil er arbeiten geht und mehr verdient, als sein Hartz IV empfangender Komplize, ist sein Tagessatz höher. „Wir gehen zu Ihren Gunsten davon aus, dass der Wert der Beute unter 25 Euro liegt. Sie sollten sich mal überlegen, ob es sich lohnt, für so einen Quatsch einen Haufen Kohle zu bezahlen“, sagte Richter Janko Ehrlich, als er das Urteil begründete. Das ist rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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