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Döbeln Mit sieben Stundenkilometern von Leipzig nach Dresden durch Ostrau
Region Döbeln Mit sieben Stundenkilometern von Leipzig nach Dresden durch Ostrau
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20:00 14.07.2016
Siegfried Händler auf dem Bock seiner Postkutsche nach 1830er Vorbild vor Ostrau. Quelle: Foto: S. Bartsch
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Ostrau

„Ich sitze auf dem Bock und bin ganz entspannt“, sagt Kutscher Siegfried Händler zu Beginn des Gesprächs. Gerade ist er mit seinem Zweispänner auf dem Weg zwischen Ostrau und Lommatzsch, ganz gemächlich, wie er betont. „Man muss sich der Geschwindigkeit der Pferde anpassen und da ist 7 km/h das Maximum“, erklärt er. Diese Entschleunigung macht für den 54-Jährigen den Reiz seines Berufs aus. Der gelernte Forstwirt hat das Fuhrunternehmen vom Vater übernommen ist wohl einer der letzten hauptberuflichen Kutscher mit eigenen Pferden ins Sachsen.

Eines seiner Angebote: die originale Postkutschenstrecke zwischen Leipzig und Dresden. Die führt von Leipzig über Naunhof und Grimma nach Mügeln, Ostrau, Lommatzsch und von dort weiter nach Meißen und Dresden. Am Donnerstag war Händler mit seiner Postkutsche – einem Nachbau nach originalen Plänen von 1830 – und acht Gästen an Bord in Ostrau wieder abgefahren. „Wir haben die Kutsche in Polen extra bauen lassen. In Deutschland ist das Handwerk leider eingeschlafen. Dafür haben wir uns die Zeichnungen von 1830 von der Post geholt“, berichtet Händler. Das Berliner Coupé, wie der Kutschentyp mit bequemer Federung und Platz für neun Gäste genannt wird, fährt so, wie einst die Postkutsche – mit zwei Kaltblütern und nur tagsüber. „Eilkutschen sind früher auch mit Vierer- oder Sechsergespann gefahren und auch nachts. Bis die Eisenbahn kam und uns alle arbeitslos machte“, sagt Händler so, als wäre er tatsächlich ein gerade geschasster Postkutscher aus dem 19. Jahrhundert.

40 Kilometer pro Tag schafft die Kutsche in etwa. Drei Übernachtungen werden auf der Strecke eingelegt – zunächst im Kloster Nimbschen in Grimma, in der Nacht zu gestern dann im Hofgut Beutig bei Ostrau und bis heute morgen auf dem Reiterhof Schmidt in Meißen. „Das wichtigste ist immer, die Pferde artgerecht unterzubringen“, sagt Händler. Dafür seien die Haltepunkte ideal. Fürs Foto ließ er die Kutsche vor dem Gasthof Wilder Mann halten, bevor es zum Hofgut Beutig weiterging. Hier werden auch die Mitreisenden gut versorgt, die für die ganze Tour mit Übernachtungen und Halbpension rund 500 Euro ausgeben. Lohnenswert für beide Seiten – denn entschleunigter und bequemer lässt sich Sachsens Schönheit kaum genießen.

Von Sebastian Fink

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