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Mittdreißiger aus der Region Döbeln tauscht Kinderpornos – Gericht gibt Bewährung

Justiz Mittdreißiger aus der Region Döbeln tauscht Kinderpornos – Gericht gibt Bewährung

Kinderpornos sind nicht harmlos. Hinter jedem Bild steckt ein missbrauchtes Kind. Das dürfte nun auch einem Deutschen aus der Region Döbeln klar sein, der solche Bilder und Videos im Internet getauscht hat. Sein Geständnis und seine Reue bewahrten ihn vorm Gefängnis.

Mit unsittlichen Kinderbildern befasste sich am Montag das Schöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln. Ein Mann aus der Region hat diese im Internet getauscht.

Quelle: picture alliance / dpa

Döbeln. Kinderpornografie ist kein Kavaliersdelikt, keine „Eselei“, wie es im Amtsgericht Döbeln ein Mittdreißiger aus der Region Döbeln am Montag zu hören bekam. Das Schöffengericht hat den Deutschen schuldig gesprochen, vor zwei Jahren überwiegend unsittliche Bilder und Videos von unter 14-jährigen Jungen besessen und verbreitet zu haben. Ein Jahr und zehn und Monate Haft verhängte das Gericht als Rechtsfolge. Die Vollstreckung der Strafe setzte es zur Bewährung aus. Der Mittdreißiger geht arbeiten, hat die Taten vor Gericht umfassend eingeräumt und den Eindruck vermittelt, dass er das Unrecht seines Handelns eingesehen hat. „Es war eine absolute Dummheit“, sagte er.

Jede Menge Schmuddelbilder

„Hinter jedem dieser Bilder, jedem einzelnen, steht ein Schicksal. Diese Jungs, die da abgebildet sind, machen das mitnichten freiwillig“, war in der mündlichen Urteilsbegründung zu hören. Darin kam auch zur Sprache, dass das kinderpornografische Material überwiegend zeigte, wie minderjährige Jungen nackt und aufreizend posierten und nicht, wie Kinder vergewaltigt werden. Laut Anklage und Geständnis hatte der Mann über 80 Mal diese Schmuddelbilder und Videos nicht nur besessen sondern auch weitergegeben. Dazu nutzte er zunächst den Internetdienst „Twitter“. Als ihm die Betreiberfirma wegen der Kinderpornografie dieses Dienstes den Zugang sperrte, stieg der Mittdreißiger auf den Kurznachrichtendienst „Whatsapp“ für Mobiltelefone um. So tauschte er mit zwei Männern die verbotenen Kinderbilder. Schließlich nutzte er auch noch eine weitere Internetplattform dafür. Am 28. Juli 2015 war dann zick. Da kam die Polizei, durchsuchte die Wohnung des Mannes und stellte auf Datenträgern 80 ungelöschte kinderpornografische Bilder und Videos sicher. Das Ermittlungsverfahren kam ins Rollen und mündete in der Anklage, die das Schöffengericht am Montag verhandelte. Vor diesem hatte die Staatsanwaltschaft den Mann angeklagt, weil sie mit einer Straferwartung von mindestens zwei Jahren Haft an die Sache herangegangen war. Das Gesetz sieht für „Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften“ Haftstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor. Der Bundestag hatte den Paragrafen geändert, nachdem der Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy mit Bildern von nackten Jungen aufgefallen war, die sexuell aufreizend posierten. Solches Material ist seitdem strafbar, vorher waren es Abbildungen von sexuellen Handlungen an Kindern.

Angeklagter machte nicht nur vor Gericht reinen Tisch

Mit Tränen in den Augen berichtete der Mann aus der Region Döbeln stockend von diesen Taten. „Wir wollen Sie hier nicht quälen, aber wir müssen uns ein Bild von Ihnen machen, in Erfahrung bringen, ob von Ihnen eine Gefahr ausgeht“, sagte das Gericht dazu. So erzählte der Mann weiter, wie sich Bekannte von ihm abgewendet haben, als er reinen Tisch gemacht hat. Seine Partnerin – er hatte sie nach den Taten kennengelernt – weiß nach seinen Worten alles, hält aber weiter zu ihm.

„Er ist ein hohes Risiko eingegangen, als er in seinem persönlichen Umfeld davon erzählte“, sagte der Verteidiger des Mittdreißigers. In der Öffentlichkeit gebe es kaum Verständnis für solche Straftaten. „Das geht dann schon in Richtung Selbstjustiz. Dem hat sich mein Mandant ausgesetzt“, sagte der Jurist. Er regte in seinem Schlussvortrag an, seinem Mandanten die Bewährungsauflage zu geben, sich in eine sozialtherapeutische Sprechstunde zu begeben, statt ihn 2000 Euro Geldauflage zahlen zu lassen. So hatte es der Staatsanwalt beantragt. Das Gericht hielt eine Auflage von 500 Euro an den Kinderschutzbund für angemessen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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