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Mittelsachsen: Nagezahn erobert Bäche

Mittelsachsen: Nagezahn erobert Bäche

Er ist ein hervorragender Schwimmer und ein genau so guter Baumeister. Dabei bedingt das eine das andere. Denn um schwimmen zu können, muss der Biber bauen - und zwar Dämme.

Mittelsachsen.

 

 

 

 

Das Wort Biber-Management trifft dabei nicht unbedingt den Kern. Denn es handelt sich vielmehr um Arbeit mit dem Menschen, als mit dem Biber. Denn während sich der Naturschützer darüber freut, dass der Nager wieder häufiger anzutreffen ist, ist der Landwirt möglicherweise sauer, weil durch angestautes Wasser gerade seine Flächen überflutet werden. "Ziel ist, bei Land- und Forstwirten eine gewisse Akzeptanz für den Biber zu erreichen und Konfliktpotenzial zu erkennen, um einzugreifen, wenn es notwendig ist", erklärt Udo Seifert, Leiter des Referates Naturschutz und Landwirtschaft im Landratsamt Mittelsachsen.

Welche Ausmaße die Bautätigkeit des Bibers tatsächlich annehmen kann, ist zurzeit gut vor den Toren der Stadt Döbeln zu beobachten. Auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei an der Zschepplitzer Straße in Großbauchlitz ist gleich eine ganze Biberfamilie am Werk. Sie nagt und baut und nagt und baut... Ergebnis ist ein langer Damm, der den Gärtitzbach bereits zu einer beträchtlichen Wasserfläche angestaut hat. Das betreffende Land liegt zwar brach und der Eigentümer scheint sich an den neuen "Mietern" nicht zu stören. Dennoch hat die Stadt Döbeln bereits Warnsignale erhalten. "Eine benachbarte landwirtschaftliche Fläche, die der Stadt gehört, könnte durch noch größeren Rückstau betroffen sein. Darauf hat uns der Pächter aufmerksam gemacht", sagt Stadtsprecher Thomas Mettcher. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass das angestaute Wasser durch Schächte in eine Abwasserleitung laufen könnte, die dort verlegt ist. Die Stadt hat sich also an die Naturschutzbehörde gewandt. Von dieser gibt es eine klare Ansage: Der Biber ist nach Bundesnaturschutzrecht eine streng geschützte Tierart. Ein Beseitigen des Biberbaus oder des Staudammes ist daher verboten. Das heißt nicht, dass Udo Seifert und seine Leute die Hände in den Schoß legen. "Man kann versuchen, den Damm zu manipulieren, damit das Wasser nicht bis ins unendliche angestaut wird", sagt der Referatsleiter. Im Großbauchlitzer Fall wurde ein Rohr eingebaut, um den Wasserspiegel abzusenken. Wenn das nicht ausreicht, sind weitere Rohre denkbar. "Es wird also versucht, einen Kompromiss zu finden, zwischen menschlichen Interessen und dem Erhalt der Lebensräume des geschützten Tieres", sagt Seifert.

Die Besiedlung des Landkreises Mittelsachsen durch den Elbebiber ist über die Flüsse Zwickauer und Freiberger Mulde, die Zschopau, Chemnitz, die Jahna und die Striegis erfolgt. Doch nun wird es problematisch: Denn der Nager erobert zunehmend kleinere Fließgewässer, wie das Beispiel am Gärtitzbach beweist. Mit dieser Ausbreitung verstärken sich die Konflikte, denn kleinere Gewässer werden eher angestaut als größere. Landwirte (Überflutung von Nutzflächen), Forstwirte (Fällen von Nutzhölzern) und die Wasserwirtschaft (Rückstau in Ortsentwässerungen) können betroffen sein.

Um sich erst einmal ein möglichst genaues Bild von der Verbreitung des Bibers in Mittelsachsen zu machen, läuft noch bis Mitte März eine Kartierungs-Aktion. Es gibt rund 20 ehrenamtliche Helfer, die nach theoretischer und praktischer Einweisung dem Nager im wahrsten Sinne des Wortes auf der Spur sind. Zudem wurde der Landkreis in fünf Zuständigkeitsbereiche mit jeweils einem Biberbetreuer eingeteilt. Die Helfer melden ihre Beoachtungen den Betreuern, diese wiederum übermitteln die Daten an die Naturschutzbehörde. Udo Seifert: "Wir erhoffen uns davon Angaben zur Zahl der Biberreviere, wo genau sie sich befinden und eine geschätzte Zahl der Tiere. Daraus soll abgeleitet werden, wo Konflikte zwischen Biber und Mensch entstehen könnten." Voraussichtlich Ende April sollen die Erkenntnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Olaf Büchel

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