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Döbeln Mügelner wollen 111-Jährige zurück
Region Döbeln Mügelner wollen 111-Jährige zurück
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15:02 06.10.2011

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VON Reiner Scheffler

Das Unikat erster Güte ist heute im Besitz der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG) von Zittau. Der Oldtimer, der ein langes Schienenleben auf dem Mügelner Schienennetz verbrachte, ist auch ein Stück Heimatgeschichte.

Außenseiter

1958 erhielt das Fahrzeug die Betriebsnummer 970-314 und war als Außenseiter vorrangig als Verstärker und bei Güterzügen mit Personenbeförderung als Einzelklasse eingesetzt worden. Das Personal nutzte im Zugbetrieb die Flachdachklasse bei Güterzügen zunehmend als Packwagenersatz, weil diese geräumiger und gegenüber den zweiachsigen "Rucksäcken" auch laufruhiger war.

Im Einsatz für Oberbauarbeiten

Dass das Fahrzeug einst ein alter Zittau-Oybiner war, wusste und interessierte zur damaligen Zeit in Mügeln absolut niemanden. Obwohl bereits 1964 betrieblich als "A" wie ausgemustert verordnet, wurde die Klasse mit einer Zusatzverfügung als Mannschafts- und Bahndienstwagen der Bahnmeisterei Döbeln weiterbetrieben. Fortan wurde er nur noch bei Oberbauarbeiten eingesetzt.

Ein spektakulärer Höhepunkt für das Fahrzeug war 1967 der Einsatz im neun Wagen langen Abschiedszug auf der Strecke Wermsdorf-Neichen. Mit Getränken versehen und Girlanden geschmückt, wurde der Oldtimer großspurig als Mitropa bezeichnet, was bei Mitfahrern und Anwohnern Schmunzeln verursachte. Noch 1972 war die Aufschrift am Waggon lesbar.

1976 wurde der Klassenstratege als inzwischen ältester Reisezugwagen des verbliebenen Mügelner Schmalspurbahnnetzes außer Dienst gestellt.

Geschichtsträchtiges Überbleibsel

1983 erwarb der Berliner Eisenbahnfreund Allendorf als Privatmann von der Deutschen Reichsbahn den inzwischen arg wetterverschlissenen Waggon und brachte ihn nach Berlin. Er erkannte das Fahrzeug nicht nur als altes Unikat, sondern auch als geschichtsträchtiges Überbleibsel der einstigen ZOJE. Nach dem Tod von Allendorf wurde das Fahrzeug vom Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen im Jahr 1995 zum Reichsbahnausbesserungswerk Görlitz gebracht, wo sein Fahrwerk betriebsfähig aufgearbeitet wurde. Danach investierte der Zittauer Verein in 2300 Arbeitsstunden nebst 50 000 D-Mark so viel, dass er ab 1997 bei Ausstellungen und Sonderfahrten wieder zur Verfügung stand.

Grundlegender Neuaufbau

Und siehe da, am 31. August 1997 konnte er in seiner langjährigen Heimat Mügeln ein Gastspiel geben. Schließlich gelang es, durch ein Sanierungs- und Nutzungskonzept der SOEG, das Fahrzeug nach einer fünfjährigen Abstellzeit und mit Hilfe der ostsächsischen Eisenbahnfreunde in Löbau in diesem Jahr erneut befahrbar auf die Gleise zu bringen.

Ein grundlegender Neuaufbau des Wagenkastens und mit einer Saugluftbremseinrichtung versehen, präsentiert er sich nun wie einst "sachsenbraun" lackierte Wagen mit seiner Beschriftung im Stil der "K.Sächs.Sts.E.B." wie aus dem Ei gepellt. So wünschen die Mügelner, ihn auch bald wieder als Stargast auf ihren Gleisen erleben zu können.

Übrigens sind einige in diesem Artikel genannte Fakten vom freischaffenden Journalisten Andre Marks übernommen worden, der ebenfalls ausführlich über die Entwicklung des geschichtsträchtigen Waggons recherchierte.

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