Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Münchner Kunstfund: Puzzleteile im Döbelner Rathaus?

Münchner Kunstfund: Puzzleteile im Döbelner Rathaus?

Mit jeder Neuigkeit zum spektakulären Münchener Kunstfund keimen in der Döbelner Kunstszene stille Hoffnungen auf, dass verloren geglaubte Werke in den Besitz der Stadt zurückkehren könnten.

Voriger Artikel
Döbelner Handball wird am Wochenende auswärts gespielt
Nächster Artikel
Welwel Döbeln öffnet schrittweise

Gurlitt - Reimer - Kretzschmar: In Döbeln laufen Verbindungen zusammen. Gottfried Reimer (l.) hat in der Villa in der Grimmaischen Straße Nazikunst versteckt. Der Münchener Fund beinhaltet auch das Kretzschmar-Werk "Straßenbahn".

Quelle: Stadtarchiv Döbeln, dpa, Wolfgang Sens / Montage: Wolfgang Sens

Döbeln. Es lassen sich keine direkten Fährten aus München nach Döbeln legen. Die Kunsthistorik lebt von Spekulationen. Und die sind spannend. Dem Gurlitt-Puzzle, an dem sich seit Ende 2012 die europäische Szene versucht, fehlen Teile. Einige davon gehören nach Döbeln. Die Verbindung des Malers Bernhard Kretzschmar zum Gurlitt-Clan etwa. Dessen undatiertes Aquarell "Straßenbahn" befand sich unter den rund 1400 gefundenen Bildern, von denen 380 durch die Nazis als "entartet" verfemte Kunst der Moderne bezeichnet wurden. Die Zufälle würden zur Sensation erwachsen, stellte sich heraus, dass das Bild der Stadt Döbeln gehört. "Wir sind hellhörig geworden und bleiben da ganz klar am Ball", sagt Kathrin Fuchs, Leiterin der Kleinen Galerie im Stadtmuseum Döbeln. Wenn nicht dieses Werk, vielleicht gehören weitere Kretzschmar-Bilder zur Gurlitt-Sammlung, die in den rechtmäßigen Besitzstand der Stadt Döbeln zurückgeführt werden müssten. "Wir glauben nicht wirklich daran, aber es haben sich neue Ansätze für Nachforschungen ergeben. Die nehmen wir jetzt auf."

Heute wird die Dresdener Kunsthistorikerin Anke Fröhlich im Rathaus erwartet. Sie geht einer anderen Spur nach, die etwas Licht in die nebulösen Zusammenhänge des größten Raubkunstfundes der Nationalsozialisten bringen könnte. Cornelius Gustav Gurlitt steht als Grafik im Kunst-Depot direkt unter dem Rathausdach. Fuchs: "Wir haben es vor drei Jahren ersteigert." Anke Fröhlich wird es begutachten. Bernhard Kretzschmar hat diesen Gurlitt 1926 porträtiert, den Vater des Kunsthistorikers Hildebrand Gurlitt, bei dessen Sohn in München der riesige Nazi-Kunst-Schatz entdeckt wurde. Das Gurlitt-Porträt soll in einer Kretzschmar-Ausstellung, die die Stadt Döbeln derzeit vorbereitet, erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Woraus sich - neben der Dresdener "Straßenbahn" - eine zweite direkte Verbindung zwischen Döbeln und den Kunstgeschäften der Nazis herstellen lässt.

Es gibt noch einen: Dr. Gottfried Reimer. Um den promovierten Kunsthistoriker kursieren in Bezug auf das verschollene Bernsteinzimmer viele Gerüchte und Vermutungen. Als gesichert gilt, dass Reimer die rechte Hand von Hans Posse war. Der Direktor der Staatlichen Gemäldegalerien in Dresden wurde 1939 von Hitler beauftragt, Kunstwerke für das Führermuseum in Linz zu sammeln. Für den "Sonderauftrag Linz" wurden nicht nur Kunstwerke in ganz Europa aufgekauft, sondern auch aus jüdischem Besitz unrechtmäßig entwendet.

Reimer war durch und durch Kunstexperte, menschlich jedoch unnahbar. Er kehrte nach dem Weltkrieg nach Döbeln zurück, heiratete sein früheres Kindermädchen Frieda. Und soll die Gemäldegalerie Dresden in seinen privaten Wohnsitz verlegt haben: Gemäldegalerie Döbeln, Sachsen, Grimmaische Straße 23. Wo heute Dialyse-Patienten in einem privaten medizinischen Versorgungszentrum behandelt werden, sollen bis zu Reimers Tod 1987, 500 Gegenstände aus dem Besitz der Dresdner Kunstsammlung und 200 Einzelstücke, die für das Führermuseum Linz bestimmt waren, untergebracht worden sein. Wird vermutet. Selbst das Ministerium für Staatssicherheit der DDR forscht nach. Wie aus einem Bericht der

, der im Döbelner Stadtarchiv nachzulesen ist, hervorgeht, sei "fast alles [-] auf Auktionen verkauft worden. Der Erlös sei erheblich gewesen." Der Rest ist in einen privaten Nachlass übergegangen.

 

Auszuschließen ist nicht, dass sich aus der Nähe des Kunsthistorikers Gurlitt, des Malers Kretzschmar und des NS-Kunstsammlers Reimer zueinander, Spuren ergeben, die der Stadt Döbeln zu alten Besitztümern verhelfen.

Berliner ZeitungThomas Lieb

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döbeln
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

Was beschäftigt die Menschen in den kleinen Orten zwischen Döbeln, Waldheim und Hartha? Wir besuchen jene kleinen Dörfer, denen normalerweise wenig Beachtung geschenkt wird, geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes und sprechen mit den Bewohnern über früher und heute. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr