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Döbeln Münchner Kunstfund: Puzzleteile im Döbelner Rathaus?
Region Döbeln Münchner Kunstfund: Puzzleteile im Döbelner Rathaus?
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23:00 14.11.2013
Gurlitt - Reimer - Kretzschmar: In Döbeln laufen Verbindungen zusammen. Gottfried Reimer (l.) hat in der Villa in der Grimmaischen Straße Nazikunst versteckt. Der Münchener Fund beinhaltet auch das Kretzschmar-Werk "Straßenbahn". Quelle: Stadtarchiv Döbeln, dpa, Wolfgang Sens / Montage: Wolfgang Sens

Es lassen sich keine direkten Fährten aus München nach Döbeln legen. Die Kunsthistorik lebt von Spekulationen. Und die sind spannend. Dem Gurlitt-Puzzle, an dem sich seit Ende 2012 die europäische Szene versucht, fehlen Teile. Einige davon gehören nach Döbeln. Die Verbindung des Malers Bernhard Kretzschmar zum Gurlitt-Clan etwa. Dessen undatiertes Aquarell "Straßenbahn" befand sich unter den rund 1400 gefundenen Bildern, von denen 380 durch die Nazis als "entartet" verfemte Kunst der Moderne bezeichnet wurden. Die Zufälle würden zur Sensation erwachsen, stellte sich heraus, dass das Bild der Stadt Döbeln gehört. "Wir sind hellhörig geworden und bleiben da ganz klar am Ball", sagt Kathrin Fuchs, Leiterin der Kleinen Galerie im Stadtmuseum Döbeln. Wenn nicht dieses Werk, vielleicht gehören weitere Kretzschmar-Bilder zur Gurlitt-Sammlung, die in den rechtmäßigen Besitzstand der Stadt Döbeln zurückgeführt werden müssten. "Wir glauben nicht wirklich daran, aber es haben sich neue Ansätze für Nachforschungen ergeben. Die nehmen wir jetzt auf."

Heute wird die Dresdener Kunsthistorikerin Anke Fröhlich im Rathaus erwartet. Sie geht einer anderen Spur nach, die etwas Licht in die nebulösen Zusammenhänge des größten Raubkunstfundes der Nationalsozialisten bringen könnte. Cornelius Gustav Gurlitt steht als Grafik im Kunst-Depot direkt unter dem Rathausdach. Fuchs: "Wir haben es vor drei Jahren ersteigert." Anke Fröhlich wird es begutachten. Bernhard Kretzschmar hat diesen Gurlitt 1926 porträtiert, den Vater des Kunsthistorikers Hildebrand Gurlitt, bei dessen Sohn in München der riesige Nazi-Kunst-Schatz entdeckt wurde. Das Gurlitt-Porträt soll in einer Kretzschmar-Ausstellung, die die Stadt Döbeln derzeit vorbereitet, erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Woraus sich - neben der Dresdener "Straßenbahn" - eine zweite direkte Verbindung zwischen Döbeln und den Kunstgeschäften der Nazis herstellen lässt.

Es gibt noch einen: Dr. Gottfried Reimer. Um den promovierten Kunsthistoriker kursieren in Bezug auf das verschollene Bernsteinzimmer viele Gerüchte und Vermutungen. Als gesichert gilt, dass Reimer die rechte Hand von Hans Posse war. Der Direktor der Staatlichen Gemäldegalerien in Dresden wurde 1939 von Hitler beauftragt, Kunstwerke für das Führermuseum in Linz zu sammeln. Für den "Sonderauftrag Linz" wurden nicht nur Kunstwerke in ganz Europa aufgekauft, sondern auch aus jüdischem Besitz unrechtmäßig entwendet.

Reimer war durch und durch Kunstexperte, menschlich jedoch unnahbar. Er kehrte nach dem Weltkrieg nach Döbeln zurück, heiratete sein früheres Kindermädchen Frieda. Und soll die Gemäldegalerie Dresden in seinen privaten Wohnsitz verlegt haben: Gemäldegalerie Döbeln, Sachsen, Grimmaische Straße 23. Wo heute Dialyse-Patienten in einem privaten medizinischen Versorgungszentrum behandelt werden, sollen bis zu Reimers Tod 1987, 500 Gegenstände aus dem Besitz der Dresdner Kunstsammlung und 200 Einzelstücke, die für das Führermuseum Linz bestimmt waren, untergebracht worden sein. Wird vermutet. Selbst das Ministerium für Staatssicherheit der DDR forscht nach. Wie aus einem Bericht der

, der im Döbelner Stadtarchiv nachzulesen ist, hervorgeht, sei "fast alles [-] auf Auktionen verkauft worden. Der Erlös sei erheblich gewesen." Der Rest ist in einen privaten Nachlass übergegangen.

Auszuschließen ist nicht, dass sich aus der Nähe des Kunsthistorikers Gurlitt, des Malers Kretzschmar und des NS-Kunstsammlers Reimer zueinander, Spuren ergeben, die der Stadt Döbeln zu alten Besitztümern verhelfen.

Berliner ZeitungThomas Lieb

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