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"Müssen Erster werden"

"Müssen Erster werden"

Es ist noch nicht lange her, da hockten die immer gleichen Neururers und Co. auf dem Trainer-Karussell Bundesliga, flogen früher oder später runter, sprangen früher oder später wieder auf - und alles drehte sich wie gewohnt weiter.

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Döbeln: Neue Krippe in der Schule

Rote Couch, klare Worte: Ralf Rangnick (M.) mit den Redakteuren Winfried Wächter (l.) und Guido Schäfer.

Leipzig. Das war einmal. Red-Bull-Fußball-Chef Ralf Rangnick, 54, über neue Trainertypen, deutsche Trendsetter, die boomende Bundesliga, die glorreiche Vorrunde der Roten Bullen und die Erkenntnis: "Fußballer und Trainer - das sind zwei Berufe."

 

Haben Sie bei der Weihnachtsfeier ausschließlich Komplimente und Geschenke verteilt oder gab es auch die Rute für Ihre Untergebenen?

 

 

Mit elf Siegen und drei Unentschieden darf man zufrieden sein. Wir stehen da, wo wir auch am Ende der Saison stehen wollen und müssen. Extrem positiv und motivierend ist der Zuschauerzuspruch. Wir hatten in der Vorrunde einen Schnitt von über 8000 Fans in der Red-Bull-Arena. Und zu unseren Auswärtsspielen fahren mittlerweile auch schon mal 1000 Fans mit.

 

Ergebnisse sind Ihnen wichtig, die Art und Weise, wie Fußball gespielt nicht minder. Beglückt Sie auch diese Front?

Als ich mir im Sommer die ersten Testspiele angeschaut habe, war da zu wenig Tempo im Spiel, kein aggressives Gegen-Pressing, kein schnelles Spiel nach vorne. Das alles ist viel besser geworden. Man sieht die Handschrift von Alexander Zorniger. Und man sieht auch, dass da eine verschworene Gemeinschaft auf dem Feld steht, die etwas zusammen erreichen will.

Besagter Teamspirit wurde in den Spielen gegen Zwickau und Jena auf eine harte Probe gestellt.

Wir haben in beiden Spiel nicht gut gespielt, zu viel zugelasssen, nicht früh genug gestört. Viele Mannschaften wollen uns in dieser Regionalliga weh tun, Zwickau und Jena können das, haben es getan. Das war nicht der Fußball, den sich Alex und ich wünschen.

Sind derartige Partien eine gute Schule im Hinblick auf die Aufstiegsspiele?

Wir sind noch nicht in der Relegation, wollen da aber natürlich hin. Mit diesem Kader und diesen Möglichkeiten ist es ein Muss, Erster zu werden. Aber selbst wenn wir Meister werden, haben wir noch nichts erreicht. Wenn Spiele nicht gut laufen, ist das auch eine Chance fürs Trainerteam einzuhaken, mit der Mannschaft das Erlebte zu besprechen - und zu bearbeiten.

Wir sind unter uns, Sie dürfen jetzt gerne verraten, welche neuen Spieler in der Winterpause zu RB stoßen.

Wir beobachten den Markt, das ist ein permanenter Prozess. Wenn jemand im Winter kommt, muss er auch Chancen haben zu spielen. Wir holen zu diesem Zeitpunkt nur Spieler, die wir auch im Sommer verpflichten würden, die Perspektive haben.

Daniel Frahn und Stefan Kutschke sind Top-Stürmer, aber keine Sprinter, die eine Abwehr überlaufen. Der hoch gehandelte Noch-Großaspacher Matthias Morys ist ein 11,0-Sprinter, würde wunderbar nach Leipzig passen.

In engen Spielen wie den Playoffs ist es gut, wenn man verschiedene Waffen hat, um Spiele für sich zu entscheiden. Eine Waffe ist, da haben Sie Recht, die Schnelligkeit. Und ja: Matthias Morys ist schnell.

Sie haben unlängst die Superhirne des Nachwuchses vom VfB Stuttgart, Thomas Albeck und Frieder Schrof, nach Leipzig geholt. Ist das Ausdruck Ihrer Prioritätenliste?

Ganz oben steht immer die Entwicklung und der Erfolg der Profis, die sind das Aushängeschild eines jeden Clubs. Aber um das Ganze nachhaltig zu gestalten, braucht es einen funktionierenden Unterbau. Ziel ist es, dem Cheftrainer jedes Jahr mindesten zwei Jungs aus der Jugend zu liefern. Wir sind auf einem guten Weg. Die U17 hat sich in der Bundesliga stabilisiert, die U19 ist wieder dran an den Aufstiegsplätzen. Und wenn diese beiden Teams funktionieren, profitieren die U23 und natürlich auch die Profis automatisch mit.

Sie haben diverse Posten mit Männern aus dem Schwaben-Ländle besetzt. Muss man schwäbeln und Sie persönlich kennen, um Sie zu begeistern?

Nein, man muss nur einen guten Job machen. Tim Lobinger (RB-Fitness-Coach, Red.) kannte ich zum Beispiel gar nicht, er hat mich im Gespräch überzeugt.

Die TSG Hoffenheim ist gewissermaßen Ihr Baby. Leiden Sie angesichts der Probleme im Kraichgau mit?

Ja, natürlich. Ich habe in Hoffenheim fast fünf Jahre mit viel Herzblut gearbeitet, wir haben mit 1700 Zuschauern in der dritten Liga angefangen, hatten in der Bundesliga über 30 000 im Schnitt. In der Zeit hatten wir bei unseren Transfers eine Trefferquote von 80 bis 90 Prozent.

Die Bundesliga boomt, alle internationalen Starter überwintern in Champions League beziehungsweise Europa League. Warum ist das so?

Weil beim DFB und in den Vereinen sehr gute Entscheidungen getroffen wurden. Eine davon war es 2001, Akademien für Proficlubs zur Pflicht zu machen. Die Ausbildung und die Ausbilder sind auf einem Top-Niveau, das zahlt sich aus. Der deutsche Fußball stand früher immer und ausschließlich für die berühmten deutschen Tugenden. Physis, Kampf, Einstellung. Jetzt setzt Deutschland darüber hinaus Trends in Sachen Spieltaktik.

Als Sie in die Bundesliga kamen, wurden Sie nicht als Trendsetter, sonder vom Fußball-Adel argwöhnisch betrachtet. Hat nie hochklassig gekickt, redet klug daher, will uns die Viererkette und den flachen Pass beibringen. Sind Sie eine Art Vorreiter für die Klopps, Tuchels und Streichs?

Ich habe den Trainerjob von der Pike auf gelernt, in der Jugend in allen Altersstufen gearbeitet, danach im Männerbereich von der Bezirksliga bis in die Bundesliga. In den Vereinen setzt sich mehr und mehr durch, dass die Qualität eines Trainers wenig mit dem Vorleben als Profi-Fußballer zu tun hat. Fußballer und Trainer - das sind zwei Berufe.

Wann spielt RB Leipzig in der Bundesliga?

Wann, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es passieren wird.

Interview: Winfried Wächter, Guido Schäfer

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