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Döbeln Denkmalschutz bremst Abriss des alten Wehrs
Region Döbeln Denkmalschutz bremst Abriss des alten Wehrs
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10:06 13.02.2019
Das alte Roßweiner Klappenwehr muss weg, sagt die Landestalsperrenverwaltung. Der Denkmalschutz hat diesem Ansinnen zunächst eine Absage erteilt. Quelle: Sven Bartsch
Rosswein

Still ruht der See – beziehungsweise das Wehr am Stadtbad in Roßwein. Vor über einem Jahr hatte die Landestalsperrenverwaltung (LTV) bei der Stadt Roßwein einen Antrag gestellt, das alte Klappenwehr abreißen zu dürfen – damit die Fische besser flussaufwärts wandern können. Im Fachterminus nennt sich das ökologische Durchgängigkeit der Freiberger Mulde und dient der Umsetzung einer EU-Richtlinie. Außerdem ist das Wehr marode und die Unterhaltung zunehmend aufwendig.

Denkmalschutz macht Wehr zum Kulturdenkmal

Nach langen Diskussionen hatte der Stadtrat zugestimmt und damit auch Baufreiheit für das Vorhaben gewährt. Geplant war von Seiten der LTV der Bau einer sogenannten Sohlgleite, eine 30 Meter lange, sich langsam verjüngende Rampe aus Wasserbausteinen, die den oberen Flussabschnitt an den unteren anpassen soll. Passiert ist bislang nichts. Denn die Denkmalschutzbehörde des Landkreises Mittelsachsen hat den Antrag der Landestalsperrenverwaltung zurückgewiesen. „Das Bauwerk wurde als Kulturdenkmal eingestuft“, bestätigt LTV-Pressesprecherin Patricia Zedel.

Ursprünglich war das Wehr, das aus dem Jahr 1934 stammt, zur Wasserkraftnutzung angelegt und dient heute nur noch als Gefälleausgleich und zur Löschwasserentnahme. Letzteres allerdings spiele kaum noch eine Rolle, wie auch im Stadtrat vor über einem Jahr diskutiert worden war, und sei deshalb kein Grund, das Wehr zu erhalten. Auf Grund der Seltenheit seiner Konstruktion in Sachsen und als Zeugnis städtischer Industriegeschichte sei es allerdings von technikgeschichtlicher und stadtgeschichtlicher Bedeutung, wie der Denkmalliste Sachsen zu entnehmen ist, auf die sich das Landratsamt bezieht.

Plangenehmigungsverfahren läuft noch

Weil die LTV das marode Wehr allerdings unbedingt zurückbauen möchte, hat sie beim Landratsamt einen Antrag auf ein Plangenehmigungsverfahren eingereicht. Wie Pressereferentin Cornelia Kluge mitteilt, läuft das Verfahren – wie lange, kann niemand sagen. Momentan werden erst einmal noch alle erforderlichen Unterlagen zusammengestellt, um sie schließlich bei der Landesdirektion Sachsen einzureichen. Dort wiederum wird dann zunächst entschieden, ob es ein Plangenehmigungsverfahren oder ein Planfeststellungsverfahren gibt. Ein Planfeststellungsverfahren würde von der Landesdirektion weiter bearbeitet, ein Plangenehmigungsverfahren – das ist ein beschleunigtes Verfahren, weil anstelle der Öffentlichkeitsbeteiligung nur die individuell Betroffenen beteiligt sind – läge beim Landratsamt.

Ein möglicher Baubeginn am Roßweiner Wehr also ist abhängig von der Dauer des Genehmigungsverfahrens. Die LTV sieht den Rückbau nicht nur aufgrund der Umsetzung der EU-Richtlinie auch als notwendig an, sondern eben auch, weil das Wehr marode ist, keinen wasserwirtschaftlichen Nutzen mehr hat und kein Wasserrecht mehr bestehe, wie Patricia Zedel erklärt. „Es gibt Sedimentansammlungen vor der Wehrschwelle und Ausspülungen hinter der Anlage.“ Weiterhin könnten Querbauwerke in Flüssen bei Hochwasser zu Abflusshindernissen werden. Durch den Rückbau könnte bei Hochwasser der Abfluss verbessert und damit der Wasserspiegel gesenkt werden.

Von Manuela Engelmann-Bunk

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