Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Mutmaßlicher Leisniger Messerstecher bringt Butterflymesser von Kirchenfahrt mit

Justiz Mutmaßlicher Leisniger Messerstecher bringt Butterflymesser von Kirchenfahrt mit

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Leisniger Messerstecher hat sich dieser erstmals geäußert. Auch einige Zeugen hörte die Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Chemnitz.

Der 25-jährige Christoph H. soll am 16. September 2016 einen 53-jährigen Leisniger erstochen haben. Die Staatsanwaltschaft hat ihn des Totschlags angeklagt. An die angeklagte Tat kann er sich nicht erinnern.

Quelle: Dirk Wurzel

Chemnitz/Leisnig. Christoph H. weiß angeblich nichts mehr vom Abend des 16. Septembers 2016. An diesem starb ein 53-jähriger in Leisnig an mehreren Messerstichen, die ihm H. beigebracht haben soll. Er ist nun des Totschlags angeklagt.

Es war ein öffentliches Verbrechen, das sich am 16. September auf dem Leisniger Markt ereignete. Das haben mehrere Zeugen wahrgenommen, wenn auch in Details unterschiedlich. Ein 36-jähriger Leisniger hat recht viel mitgekriegt. Er schilderte, wie er sich an jenem Tag mit dem späteren Opfer getroffen habe, um noch ein paar Biere zu trinken. Weil es den beiden draußen zu frisch war, gingen sie in die Wohnung des 53-Jährigen. „Aus dem Fenster sah er Christoph H.. Er stürzte nach unten, ich hinterher.“ Er habe seinen Freund noch nie so aufgebracht erlebt. „Das war wegen des Hundes, den der Herr H. getreten hat“, sagte der Leisniger. Der Hund, ein Labrador-Mischling namens Tyson, war an jenem Abend bei dem 36-Jährigen und dem 53-Jährigen. Aber auch Christoph H. hatte auf das Tier aufgepasst, als dessen Besitzer keine Zeit hatte. Es war eine Art Nebenverdienst für den Angeklagten, wenn man glaubt, was dieser vor Gericht erzählte. Nämlich dass er für das Hundehüten 100 Euro pro Monat bekommen habe. Das spätere Opfer hatte die angeblichen Misshandlungen des Tieres nicht gesehen, aber davon gehört. „Er wollte ihn schlagen“, sagte der 36-Jährige und meinte mit „ihn“ Christoph H.. Der habe sich aber nicht schlagen wollen. Der Zeuge habe zunächst geschlichtet. „Ich sagte ihm, er solle bitte gehen, damit es nicht weiter eskaliert.“ Der Zeuge stand dabei vor dem Angeklagten. Von hinten habe sich dann der 53-Jährige an ihm vorbei gedrängelt. Der Zeuge wandte sich für einen Augenblick ab. „Als ich wieder hingesehen habe, sah ich, wie H. das Messer rausgezogen hat – rausgezogen aus dem Opfer.“ Dieser Augenblick muss dann für die fünf Messerstiche genügt haben. Die Tatwaffe habe kurz darauf ein weiterer Zeuge dem Angreifer aus der Hand getreten. Dabei sei H. gestürzt und habe sich den Kopf an einem Balken gestoßen. Den Tritt hat auch ein 21-Jähriger beobachtet und ebenso, wie sich der Angeklagte und der 53-Jährige geschubst haben.

Problematische Vorstrafen? Angeklagter hat Angst im Knast

Am nunmehr zweiten Verhandlungstag äußerte sich der Angeklagte erstmals selbst. Er schilderte, wie er auf den Hund aufgepasst hatte, den er angeblich misshandelt haben soll. Das gilt der Anklage als Grund, weswegen sich der Angeklagte und sein späteres Opfer am Vorabend des Leisniger Weinfestes zunächst verbal in die Flicken bekommen und sich später gegenseitig geschubst haben sollen. Bis Christoph H. zum Messer gegriffen habe. Richterin Simone Herberger, die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, packte das Butterfly-Messer aus und fragte Christoph H, ob es ihm gehört habe. Er bejahte dies. Auch wie er daran gekommen ist, schilderte der 25-Jährige. Er habe es von einem Ausflug mit der Kirchgemeinde aus Frankreich mitgebracht. An die eigentliche Tat könne er sich aber nicht mehr erinnern.

Als die Polizei am Tatort eintraf, traf sie einen ruhigen Tatverdächtigen an. „Er saß allein auf einer Bank und war voller Blut. Er sagte, es tue ihm leid“, schilderte ein 44-jähriger Polizeihauptmeister die Situation. Die Leute aus der Personengruppe vor Ort hätten schon auf H. gezeigt, als er auf der Bank saß. „Das ist er, den müsst ihr einsacken, sagten sie“, berichtete der Beamte. Zunächst habe man sich mit Christoph H. normal unterhalten können. „Später im Streifenwagen begann er wirres Zeug zu erzählen“, sagte der Hauptmeister. Ein Soforttest auf Drogen war genauso negativ, wie die Atemalkoholkontrolle. In der Gewahrsamszelle des Reviers Döbeln muss H. dann gegen Mitternacht des 16. Septembers richtig ausgetickt sein. „Er hat gestrampelt und geschrien. Es bedurfte vierer ausgewachsener Männer, um ihn zu bändigen“, sagte ein Kriminalhauptkommissar der Chemnitzer Kripo.

Gleich zu Beginn der Hauptverhandlung am Montag stellte Verteidigeranwalt Andreas Meschkat den Antrag, die Vorstrafen seines Mandanten nur hinter verschlossenen Türen zu verlesen. In der JVA Dresden, wo Christoph H. derzeit in Untersuchungshaft sitzt, würde man den Prozess verfolgen. Würden seine Vorstrafen bekannt, drohten im Gefängnis gewalttätige Übergriffe. Er fürchte um sein Leben. Der Antrag ist noch nicht entschieden.

Von Dirk Wurzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döbeln
Döbeln in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Mittelsachsen

Fläche: 91,64 km²

Einwohner: 24.157 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 264 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04720

Ortsvorwahlen: 03431

Stadtverwaltung: Obermarkt 1, 04720 Döbeln

Ein Spaziergang durch die Region Döbeln
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

Was beschäftigt die Menschen in den kleinen Orten zwischen Döbeln, Waldheim und Hartha? Wir besuchen jene kleinen Dörfer, denen normalerweise wenig Beachtung geschenkt wird, geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes und sprechen mit den Bewohnern über früher und heute. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

17.11.2017 - 15:46 Uhr

Nordsachsenliga: Wacker Dahlen beim Vorletzten gefordert, Oschatz kann in der Kreisliga die Rote Laterne abgeben.

mehr