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Mutter kann hoffen: Sohn bleibt Knast erspart

Mutter kann hoffen: Sohn bleibt Knast erspart

"Wir haben sein Auto versteckt, wollten nicht, dass er unter Drogen fährt", schilderte eine Frau aus Ostrau, deren Sohn zehn Jahre lang Crystal nahm. Wegen seiner Drogensucht flog er aus der Bundeswehr. Die Sucht brachte den 28-Jährigen nun zum zweiten Mal vor das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg.

Die Anklage lautete auf Drogenverbrechen.

 

Bei dem 28-jährigen Ostrauer ging es laut Anklagesatz um 19 Fälle, in denen er 18 mal jeweils zehn Gramm Crystal und einmal sogar 20 Gramm bei einem Dealer gekauft haben soll, der mittlerweile im Gefängnis sitzt. Die Aussage dieses Mannes hat den Ostrauer auf die Anklagebank gebracht. Als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, fanden die Beamten nicht nur etwa zehn Gramm Crystal mit einem Wirkstoffgehalt von 5,2 Gramm Methamphetamin, sondern auch diverse Feinwaagen. Für die Staatsanwaltschaft ein Anhaltspunkt, dass der Angeklagte auch mit dem Stoff gehandelt hat.

 

Der 28-Jährige räumte die Tatvorwürfe ein, relativierte die Anklage jedoch. Er sei höchstens fünf bis sechs Mal beim Dealer gewesen und habe das Crystal selbst genommen. "Was machen Sie dann mit den zwölf Feinwaagen in Ihrer Bude?", wollte die Vorsitzende wissen. "Es waren nur zehn", sagte der Ostrauer. "Die Dinger sind immer schnell kaputt gegangen. Außerdem wollte ich sie weiterverkaufen." Er rückte die Anklage auch in den Punkten gerade, die den Zeitraum der Fahrten zum Drogenkauf betrafen. Anfang März habe er gar nicht zum Dealer gelangen können, weil seine Eltern das Auto versteckt hatten. Was die Mutter später schließlich bestätigen sollte. Der aus dem Gefängnis angelieferte Ex-Dealer konnte im Zeugenstand die 19 Drogenkäufe nicht bestätigen.

 

Drogensucht, die falschen Freunde, Kontakt mit der Polizei - hatte die Mutter Anfang 2014 noch allen Grund, sich um ihren Sohn zu sorgen, so gibt dieser jetzt Anlass zur Hoffnung. Vom Crystal ist er weg. Hat eine Drogentherapie erfolgreich absolviert, die ein halbes Jahr dauerte.

 

Arbeiten geht er auch und könnte mit seinem Fachabitur (Notendurchschnitt: 1,7) sogar studieren. Das ist alles andere als eine schlechte Sozialprognose. Die muss auch gut sein, damit das Gericht eine Haftstrafe zur Bewährung aussetzen kann, der Verurteilte nicht ins Gefängnis muss. Genau dort wollte der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft den 28-Jährigen aber sehen.

 

Aus deren Sicht hat der Ostrauer auch mit Drogen gehandelt. Um das zu beweisen, reichten dem Staatsanwalt die gefundenen Feinwaagen als Indiz. Für zwei Jahre und zwei Monate sollte der Angeklagte darum ins Gefängnis. Das Schöffengericht folgte dem nicht und verurteilte den Mann wegen des Drogenkaufs und des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einem Jahr und zehn Monaten Haft mit Bewährung.

 

"Es gibt zu wenig Erkenntnisse, um zu sagen, dass Sie jemand sind, der Crystal verkauft hat", sagte Richterin Karin Fahlberg, als sie das Urteil des Schöffengerichtes begründete. Das sah ebenfalls Anhaltspunkte dafür, dass der Ostrauer den Stoff nicht nur selbst konsumierte, sondern auch verkauft haben könnte. "Aber dafür fehlt uns der Nachweis", so die Vorsitzende.

 

Das Gericht bildete eine Gesamtstrafe, die eine Verurteilung vom Oktober vergangenen Jahres enthält: Sechs Monate Haft mit Bewährung für den Besitz von etwa zehn Gramm Crystal mit knapp über fünf Gramm Wirkstoffgehalt. Auch damals gab es Bewährung. Die Polizei hatte den Ostrauer angehalten, als dieser auf dem Rückweg vom Dealer war. Das aktuelle Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zwar nahm es der Ostrauer an, aber die Staatsanwaltschaft kann Berufung oder Revision einlegen.

Wurzel, Dirk

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