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Döbeln Nach 25 Jahren: Zschaitzer Holiday-Ranch schließt im Oktober
Region Döbeln Nach 25 Jahren: Zschaitzer Holiday-Ranch schließt im Oktober
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20:00 26.07.2016
Die Sommerrodelbahn war das Highlight für die Hofer Hortkinder bei ihrem Besuch auf der Zschaitzer Holiday-Ranch. Quelle: Sven Bartsch
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Lüttewitz

So richtig hat Manfred Voigt noch nicht realisiert, dass sich bald keine Scharen von Kindern mehr auf seinem Grundstück im Zschaitzer Ortsteil Lüttewitz tummeln werden. „Ich weiß noch gar nicht, wie ich meine Zeit dann totschlagen soll“, sagt der 75-Jährige halbernst. Drechseln im Winter, die Fasane und Sittiche pflegen, öfter verreisen mit Ehefrau Karin – so weit steht der Plan des einstigen Kita-Hausmeisters in Goselitz, der sein Herzblut in die „Holiday-Ranch“ getaufte Freizeitanlage gesteckt hat. Genau 25 Jahre lang war sie Sehnsuchtsort vieler Kita- und Grundschulkinder. Doch derzeit erlebt das Kinder-Wunderland seinen letzten Sommer. Nach den Herbstferien im Oktober soll endgültig Schluss sein. „Die Arbeit hat fit gehalten, aber es fällt immer schwerer“, sagt Manfred Voigt. Allein das vermaledeite Rasenmähen nehme jedes Mal einige Tage in Anspruch, sagt er.

Schon 2013 hatten Voigts den Entschluss gefasst, die Holiday Ranch zu schließen. „Doch da haben uns die Kitas und Grundschulen so sehr gelöchert, dass wir gesagt haben, wir machen weiter“, erinnert er sich. Doch die Zahl der Besucher außerhalb der angemeldeten Kindergruppen habe in den letzten Jahren stark nachgelassen. Zudem wollen die beiden mit jetzt 75 und 70 Jahren noch ein paar Jahre des Rentnerdaseins genießen. „Vielleicht fahren wir nächstes Jahr nochmal nach Amerika zu unseren Bekannten. Wir haben erst am Montag telefoniert. Dort sind jetzt 38 Grad“, berichtet Voigt.

Dort, das ist in San Antonio im Bundesstaat Texas, wo er mit seiner Frau schon drei Mal seit 2003 zu Gast war. Zwei Klapperschlangenhäute im Gastraum der Ranch zeugen von den Jagderfolgen. Kennengelernt hat man sich in den 1990ern auf der Ranch, als das amerikanische Pärchen zu einer Feier mitgebracht wurde. „Die kamen an mit Hut und allem, da habe ich erstmal Western-Musik aufgelegt. Das hat ihnen gut gefallen. Später habe ich ihnen im Auto ganz Sachsen und Deutschland gezeigt „, erinnert sich Manfred Voigt. So sei er zum USA-Fan geworden, wovon auch viele Erinnerungsstücke auf der Ranch zeugen, die selbst ein Stück Amerika mitten in Lüttewitz zu sein scheint. Unzählige US-Nummernschilder schmücken die Freiluft-Bar, eine große Flagge mit Stars and Stripes weht über dem Gelände. Der dichte Bewuchs mit Schilf, Bäumen und Büschen erinnert an die Landschaft im Süden der USA.

Dazwischen gibt es alles, was Kinder auf einem Spielplatz begehren können: Eine Seilbahn, ein Holzflugzeug zum Hineinklettern, ein Märchenschloss, Schwedenschaukel und Ritterburg sind nur einige der Attraktionen, die Manfred Voigt allesamt selbst gebaut hat. Der Bastler war schon zu DDR-Zeiten Hausmeister in der damaligen Kinderkrippe Alte Mühle in Goselitz. „Nachdem ich dort angefangen hatte, hatte ich mir als Ziel gesetzt, den schönsten Spielplatz in der DDR zu bauen“, erzählt Voigt. Als er loslegen will, kommt die Wende dazwischen. Dennoch startet er 1990 sein Projekt und öffnet die Ranch ein Jahr später als Nebengewerbe. Seither hat Voigt immer wieder Neues gebaut und es wird gerade jetzt in den Ferien fleißig gespielt.

Eben sind 19 Hortkinder aus Hof angekommen. Alle mit dem Fahrrad, vom Spieltrieb angespornt. „Eine Stunde und acht Minuten haben wir gebracht“, sagt Erzieher Mike Werner stolz. Hortleiterin Carola Thürmer kommt seit 15 Jahren mit Gruppen nach Lüttewitz. Dass hier bald Schluss ist, kann sie verstehen, dennoch ist sie betrübt. „Sie sollen ihre Rente genießen. Für uns ist es ein Ausflug weniger, denn so etwas wie hier gibt es nicht nochmal“, sagt sie.

Ein letztes Schlupfloch gibt es aber noch. „Ich habe das Gelände schon meinen Söhnen überschrieben. Wenn sie mal arbeitslos werden oder ein zweites Standbein brauchen, man weiß ja nie“, sagt Voigt vorausschauend. Für ihn und seine Frau, deren Essen auch einen Teil des guten Rufs der Ranch ausgemacht hat, ist das Abenteuer in drei Monaten beendet.

Von Sebastian Fink

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