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Döbeln Nach Austritt aus der CDU: Bürgermeister Herbst spricht Klartext
Region Döbeln Nach Austritt aus der CDU: Bürgermeister Herbst spricht Klartext
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00:34 15.06.2015
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DAZ fragte nach, wie er das sieht.

Angesprochen auf seinen Parteiaustritt sagt Herbst: "Was auch immer unautorisierte Menschen in die Welt setzen - ich lasse mich nicht gängeln, wann ich welche Entscheidung der zuständigen Stelle übermittle." Den CDU-Kreisverbandsvorsitzenden Christian Rüdiger habe er informiert. Bevor ein neuer Bürgermeister im Amt ist, wollte Herbst jedoch seine persönliche Entscheidung, aus der Partei auszutreten, nicht öffentlich machen. Er hielt das für unnötig und kontraproduktiv. Warum anonym bleibende Personen das Thema trotzdem zum Waschen von Schmutzwäsche aufblasen? Das kann er nicht erklären. Das müsse er auch nicht. Die Beweggründe könnten nur die Betreffenden selbst schildern.

Fakt ist: Nur den Harthaer CDU-Stadtverband hatte Herbst am Dienstag per Email von seinem sofortigen Austritt informiert. Am Mittwoch wurde das im Stadtverband bekannt gegeben. Die Maßgabe, dies solle intern bleiben, muss folglich unter den Christdemokraten nicht eingehalten worden sein. Den Rest habe demnach der Stadtverband zu verantworten.

Seine letzte Handlung als CDU-Mitglied sieht Herbst in der Anwesenheit bei der Nominierungsveranstaltung des CDU-Bürgermeisterkandidaten Christian Zimmermann im März. Bei zwei Stimmenthaltungen hatten acht von zehn anwesenden CDU-Mitgliedern Zimmermann zum Kandidaten geschlagen. Ausbeute: 19,7 Prozent.

In der Zusammenkunft des Stadtverbandes am Mittwoch fiel die Entscheidung, dass Zimmermann zurückzieht. Angesprochen auf den Anlass für den Parteiaustritt sagt Herbst gestern: "Als ich erfuhr, dass ich für dieses Wahlergebnis angeblich verantwortlich sein soll wegen langjähriger schlechter Arbeit als Bürgermeister, stand für mich die Austrittsentscheidung fest." Ob man aus seinem Parteiaustritt schlussfolgern könne, er wolle nicht Sündenbock sein für eine falsche CDU-Personalpolitik? Dazu lässt sich Herbst jedoch zu keiner Äußerung bewegen. Die Nominierung sei eine mehrheitliche Entscheidung des CDU-Stadtverbandes gewesen. Stadtverbandsvorsitzender Günter Roßberg, seit Dienstag im Urlaub und verreist, deshalb in der Mittwochs-CDU-Versammlung nicht zugegen, zeigt sich beim Anruf der DAZ überrascht über die Rücktrittsentscheidung von Gerald Herbst. Er könne dazu überhaupt nichts sagen.

Auf die Zusammenarbeit mit der CDU-Fraktion im Stadtrat angesprochen, sagt Gerald Herbst: "Bei diffizilen Sachverhalten kann ich darauf setzen, dass die Mehrzahl der Ratsmitglieder eingeschlossen der CDU-Fraktion sachlich abwägt und den Vorschlägen aus der Verwaltung weitgehend folgt." Dass sich zum Beispiel mit Wolfgang Fichtner (SPD) und Jürgen Gückel (Die Linke) zwei von Herbst geschätzte Entscheidungsträger aus entgegengesetzten politischen Lagern einbringen, zeige: Politikgeplänkel habe auf kommunaler Ebene keinen Platz. Herbst führt unter anderem den Beschluss zum Harthaer Doppelhaushalt für 2014 und 2015 als Beispiel an. Auch werde die Suche nach einer neuen räumlichen Struktur der Jugendarbeit in der Stadt von CDU-Ratsmitgliedern sehr moderat begleitet. Ob oder warum sich gewisse Kräfte zu spalten scheinen, unter den CDU-Ratsfraktionsmitgliedern beziehungsweise denen im Stadtverband, darüber wolle er als Verwaltungsoberhaupt nicht spekulieren. Nur so viel: Dem dadurch zunehmenden Polarisierungsdruck will er einfach nicht mehr ausgesetzt sein.

Als Verwaltungs-Chef möchte er eins nicht unerwähnt lassen: "Mit einem Vorgesetzten klar zu kommen, bringt auch Meinungsverschiedenheiten. Ich denke, ich kann trotzdem sagen, die Rathausmitarbeiter und ich begegnen uns respekt- und vertrauensvoll. Ich will es nicht im Raum stehen lassen, wenn den Rathausmitarbeitern Bürgerunfreundlichkeit vorgeworfen wird."

25 Jahre war Gerald Herbst Bürgermeister, zuletzt 14 Jahre in Hartha, auch mit der Maßgabe, dass wie in anderen Kommunen mit ähnlicher Konstellation ländliche, eingemeindete Orte mit dem urbanen Kern der Kommune zusammenwachsen. Er sehe es als Aufgabe eines Stadtoberhauptes, eine vermittelnde Rolle einzunehmen - auch oder gerade dann, wenn das unter Bürgern auf Reserviertheit treffe. © Kommentar

Robak, Steffi

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