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Döbeln Nach Horror-Unfall mit drei Toten bei Hainichen: Bewährungsstrafe für polnischen Fahrer
Region Döbeln Nach Horror-Unfall mit drei Toten bei Hainichen: Bewährungsstrafe für polnischen Fahrer
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15:19 12.03.2018
Verheerende Bilder, die nach dem Unfall mit drei Toten auf der A4 bei Hainichen entstanden. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Drei Tote sind die traurige Bilanz eines Unfalls, der sich Ende Juni an der Autobahn 4 am Rande der Einfahrtspur zum Rastplatz „Rossauer Wald“ ereignete. Ein heute 47-jähriger Pole krachte in den frühen Morgenstunden mit seinem PKW von hinten auf einen dort am Fahrbahnrand abgestellten LKW. Er selbst kam mit schweren Verletzungen davon, seine drei Beifahrer starben vermutlich sofort, als sich das Auto bis zur C-Achse unter den Laster schob. Am Montag lag es am Döbelner Amtsgericht und Strafrichter Janko Ehrlich, eine Antwort auf die Schuldfrage zu finden.

Unfall wäre vermeidbar gewesen

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sei der fatale Unfall aus Sicht beider Parteien sowohl vorhersehbar als auch vermeidbar gewesen. Dem Polen warf die Anklagevertretung deshalb dreimalige fahrlässige Tötung, der 39-jährigen LKW-Fahrerin dreimalige fahrlässige Tötung sowie fahrlässige Körperverletzung vor. Für die Angeklagte, die vor zwei Wochen ein Kind zur Welt brachte, noch reiseunfähig ist und deswegen nicht persönlich in Döbeln erscheinen konnte, beantragte die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl über 120 Tagessätze à 20 Euro. Der 47-Jährige muss nun nicht nur mit dem schrecklichen Ereignis, sondern auch mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung – die Anklagevertretung plädierte auf ein Jahr und acht Monate – leben.

Sachverständiger rekonstruiert Zusammenstoß

„Sie sind mit viel zu hoher Geschwindigkeit abgefahren und haben gegen das Sichtfahrgebot verstoßen. Den Unfall hätten Sie vermeiden können, wenn sie entsprechend langsamer und vorausschauender gefahren wären“, begründete Richter Ehrlich das Urteil. „Die LKW-Fahrerin hat natürlich auch mit Schuld, da sie vorsätzlich eine Ordnungswidrigkeit begangen und ihr Fahrzeug nicht nur kurz abgestellt hat.“ Dabei stützte sich der Richter unter anderem auf die Ausführungen eines Sachverständigen, der den Unfall rekonstruierte. Nach Inaugenscheinnahme der Unfallspuren stand fest, dass der Angeklagte mit etwa 125 Kilometern pro Stunde in den LKW raste. „Durch dem Sichtfahrgebot getreues Fahren wäre der Zusammenstoß vermeidbar gewesen“, so der Sachverständige. „Ob der Sattelzug beleuchtet war, war aus technischer Sicht nicht mehr feststellbar, da es das Rücklicht durch den Aufprall regelrecht pulverisiert hat.“

Zeuge alarmierte Einsatzkräfte

Ein 61-jähriger Kraftfahrer erlebte die Nachwehen aus nächster Nähe. Er war es nämlich, den der Pole unmittelbar vor dem Unfall überholte. Und er war es, der unverzüglich sein Fahrzeug auf dem Standstreifen abstellte, zum Unfallort eilte und schließlich die Einsatzkräfte alarmierte. „Der Angeklagte ist ganz normal mit etwa 100 bis 120 Kilometern pro Stunde an mir vorbeigefahren, vor mir eingeschert und dann allmählich auf die Ausfahrspur“, schätzte der Zeuge. Zu schnell für die Rastplatzeinfahrt, wie auch der Sachverständige betonte: „Selbst, wenn der Angeklagte nicht aufgefahren wäre, wäre er aus der nächsten Kurve getragen worden.“

Lückenhafte Erinnerungen

Details fielen dem Polen – wenn überhaupt – nur noch bruchstückhaft ein. Seine Erinnerungen setzen kurz vor dem offenbar traumatisierenden Aufprall aus und erst im Krankenhaus wieder ein. Trotzdem wollte er sich nicht aus der Verantwortung nehmen und war sich seinen folgenschweren Entscheidungen bewusst: „Der Unfall ist infolge meiner Unachtsamkeit passiert. Ich hatte die Entfernung falsch eingeschätzt und vorher unnötigerweise noch überholt. Den geparkten LKW habe ich aber wirklich nicht gesehen.“

Fahrer räumt Schuld ein

„Für Sie spricht, dass sie sich dem Verfahren gestellt, ihre Schuld eingeräumt und für sich festgestellt haben, dass sie zu schnell waren, obwohl Sie sich nicht mehr genau an den Unfall erinnern können“, führte Richter Ehrlich in seiner Urteilsbegründung weiter aus. Nun werden auf den Polen in seiner Heimat vermutlich mehrere zivilrechtliche Prozesse zukommen, in denen die Familien der Opfer Ansprüche geltend machen werden.

Von André Pitz

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