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Döbeln Nachfolge geregelt: Döbelner Unternehmer begründet Verkauf seiner Firmen
Region Döbeln Nachfolge geregelt: Döbelner Unternehmer begründet Verkauf seiner Firmen
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00:21 12.01.2018
Corinna Burkhardt (41) bestückt einen der Galvano-Automaten in der Oberflächentechnik Döbeln GmbH. Das Unternehmen und die Schwesterfirma Metallveredlung Döbeln gehören seit wenigen Wochen neuen Eigentümern. Quelle: Thomas Sparrer
Döbeln

Seit November haben die beiden Döbelner Traditionsbetriebe Oberflächentechnik GmbH und Metallveredlung Döbeln einen neuen Eigentümer. Die beiden Hauptgesellschafter Olaf (55) und Roland Hawlitzschek (78) und vier weitere Führungskräfte des Unternehmens haben ihre Gesellschafteranteile an die KAP Beteiligungs AG mit Sitz im hessischen Fulda verkauft (DAZ berichtete). Zu den Gründen des Firmenverkaufs sprach die DAZ mit Olaf Hawlitschek.

Frage: Hatten Sie keine Lust mehr Unternehmer zu sein?

Olaf Hawlitschek: Ja und nein. Beide Betriebe gehören zu meinem Leben. Seit 1994 arbeitete ich in der Geschäftsleitung der Metallveredlung. Die Oberflächentechnik habe ich 1998 gegründet. Wir haben immer investiert, die Betriebe auf den modernsten Stand gebracht. Wir stehen gut da. Doch mir war schon frühzeitig klar, dass ich in der Familiennachfolge der letzte bin und das Thema Unternehmensnachfolge deshalb rechtzeitig angepackt werden muss. Meine Tochter lebt in den alten Bundesländern und arbeitet in einer ganz anderen Branche. Zuletzt waren es aber auch Ereignisse, die mich an dieses Vorhaben erinnert haben.

Um was für Ereignisse handelt es sich?

Zum einen hatte ich gesundheitliche Probleme, die mich nachdenken ließen. Man kann krank werden oder morgen von einem Auto überfahren werden. Was wird dann aus den Betrieben und den Mitarbeitern? So etwas muss geklärt sein. Zudem ist auch der Großbrand 2009 in der Oberflächentechnik ein Tiefschlag gewesen. Das Unternehmen konnten wir wieder aufbauen und seit 2015 steht die Oberflächentechnik wieder so da, wie vor dem Brand. Doch die Ereignisse nach dem Brand haben mit mir etwas gemacht. Das waren ganz persönliche Nackenschläge, die ich so nie erwartet hätte.

Was war passiert?

Dazu, dass man in den Brandruinen seines Betriebes steht und einen Wiederaufbau organisieren muss, kam der Kampf mit den Mühlen von Justiz und Verwaltung. Zuerst hatte ich das Gefühl, dass man mir den Brand anhängen wollte. Als das nicht gelang, musste ich mich mit Vorwürfen des Versicherungsbetruges und des Subventionsbetruges herumschlagen. Dieser Unfug ist glücklicherweise soweit vom Tisch, hat aber meinen Glauben an die Justiz erschüttert. Hinzu kommt, dass die Förderbank SAB nach dem Brand die Fördermittel zurückforderte, weil mit den abgebrannten Produktionshallen seien die Fördervoraussetzungen nicht mehr gegeben. Das ist unglaublich. Man steht in den Brandruinen seiner Existenz und würde eher Stundungen erwarten als von der Förderbank einen Genickschuss. Mit Hilfe des CDU-Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser und dem Wirtschaftsminister konnte dieser Unsinn abgebogen werden. Aber das hat Narben hinterlassen.

Wie kam es nun zum Unternehmensverkauf?

Im Sommer 2016 standen fast zeitgleich drei Interessenten vor der Tür. Ein Privatier, ein großer holländischer Konzern und die KAP AG als mittelständische Beteiligungsgesellschaft. Die Gesellschafter beauftragten mich die Verhandlungen zu führen.

Was waren dabei die Prämissen?

Der Fortbestand am Produktionsstandort sollte gesichert werden, inklusive der 130 fest angestellten Mitarbeiter und der etwa 20 Leiharbeiter. Ebenso sollten unsere Kundenbeziehungen und Verflechtungen zu regionalen Partnern bestehen bleiben.

Ist das gelungen?

Wir haben mit allen drei Anbietern verhandelt. In der KAP AG haben wir, so denke ich, den besten Partner gefunden, der die Strategie vorgibt, aber auch Entscheidungskompetenzen in Döbeln belässt.

Was ändert sich für Sie?

Ich bin jetzt als Freiberufler für den Konzern tätig und helfe bei der Integration beider Betriebe in die Konzernstruktur. Oberflächentechnik ist die neue vierte Sparte der KAP AG, in der wir eingeordnet sind und die weiter wachsen soll. Auch diese Akquise begleite ich. Unsere Unternehmensanteile wurden größtenteils in Aktien der KAP AG abgegolten. Das heißt wir sind jetzt nicht mehr direkte Eigentümer, aber als Aktionäre am Gesamtkonzern und seinem Erfolg beteiligt.

Persönlich werde ich jetzt etwas mehr Zeit für mein Ehrenamt als Stadtrat und Aufsichtsrat der Stadtwerke haben, werde meinem Hobby der Fliegerei und den alten Motorrädern frönen. Und ich werde ruhiger schlafen, denn besonders in den Anfangsjahren sorgten Kredite und Verantwortung manchmal dafür, dass man nachts um drei ins Büro ging, weil man nicht schlafen konnte. Ich bin zugleich aber auch stolz auf diese Entwicklung und alle, die daran beteiligt sind.

Von Thomas Sparrer

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