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Nachwehen eines Frühchens

Nachwehen eines Frühchens

Der Winter 2012 hatte es eilig. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung ist in Mitteldeutschland noch nie so viel Schnee im Oktober gefallen wie in diesem Jahr. "Wir haben am Sonntagmorgen teilweise bis zu 20 Zentimeter Schnee gemessen", sagte Meteorologin Dorothea Petzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Region Döbeln.

 

 

 

 

Vor allem durch den Schnee umgestürzte Bäume oder abgeknickte Äste sowie Verwehungen auf kleineren Straßen hatten gestern noch Streckensperrungen zur Folge. Im Landkreis Mittelsachsen waren die Straßenmeistereien Freiberg und Brand-Erbisdorf bereits am Freitag mit vier Fahrzeugen unterwegs. Auf allen Kreisstraßen waren es am Wochenende bis zu 30 Fahrzeuge. "Rund 283 Tonnen Salz wurden auf die Straßen gebracht. Ab fünf Uhr früh bis etwa 22 Uhr waren die Mitarbeiter im Einsatz", informierte Kreissprecher André Kaiser. Hauptproblem sei der Wind gewesen, der zum Teil heftige Schneeverwehungen aufwirbelte.

Durch die großen Mengen von sehr nassem, schwerem Schnee kam es zu zusätzlichen Behinderungen auf den Straßen. Einige Straßen mussten vorübergehend gesperrt werden. Kaiser: "Die Arbeiten zur Beseitigung laufen derzeit immer noch." So sind im Landkreis aus dem Grund noch fünf Kreisstraßen gesperrt - zwischen Geringswalde und Langenau, Gleina und Saalbach, Paudritzsch und der Staatsstraße 36, die Kreisstraße in Wendishain und die Strecke zwischen Scheergrund und Großweitzschen.

Nicht immer ist der Reifen Schuld

Probleme machten dem Winterdienst neben versperrten Straßen auch liegen gebliebene LKW, die auf Anstiegen nicht vorwärts kamen. Nicht alle waren unvorbereitet: Beim Unternehmen Elsner Transport und Logistik beginnt der Winter schon Ende September. Dann wird die Bereifung der Fahrzeuge auf die kalte Jahreszeit umgerüstet. "Spätestens Anfang Oktober ist das erledigt", sagt Geschäftsführer Alexander Elsner. Am Wochenende habe das Unternehmen keine Liegenbleiber zu verzeichnen gehabt. Elsner bricht generell eine Lanze für die, die auf dem Bock sitzen und hunderte Kilometer bei jedem Wetter auf den Straßen unterwegs sind: "Es liegt nicht zwangsläufig an der falschen Bereifung, wenn jemand mit einem LKW bei Schnee auf der Straße ein Problem bekommt. Auch die Beladung spielt eine Rolle. Das ist vom Fahrer selbst häufig nicht beeinflussbar, weil sich die Spedition nach den Wünschen der Kundschaft richtet." Wird an einen Lkw ein Hänger mit schwerer Last gehängt, entlastet das ausgerechnet die Triebachse der Zugmaschine, die dann weniger Griff auf dem Fahrbahnbelag hat. Selbst mit Winterreifen ist das eine, für den Fahrer, ungünstige Konstellation. Es sei nicht immer Nachlässigkeit im Umgang mit der Bereifung, wenn jemand bei Schnee liegen bleibt.

Der erste Schnee ließ andere Autofahrer am Wochenende angesichts der noch vorhandenen Sommerbereifung ihrer Privatwagen aufschrecken. In Döbeln und dem Umland waren die Werkstätten allerdings meist gut vorbereitet. Beim Reifenservice Koitsch in Döbeln-Nord habe es zwar "ein paar Anrufe mehr als üblich" gegeben, wie Geschäftsführer Jörg Koitsch, erklärte. Zu großen Warteschlangen sei es aber nicht gekommen. "Wir haben vernünftig geplant. Die Ware ist rechtzeitig bestellt und mit etwas Zeit kommt auch jeder zügig dran", so Koitsch. Mit etwas Wartezeit sei aber in jedem Fall zu rechnen. Der Unternehmer: "Sofort geht nichts mehr. Wir geben den Kunden ein Zeitfenster vor, auf das sie sich einrichten müssen. Das klappt in der Regel auch gut."

Warum so viele Bäume unter der Last der nassen Flocken zusammenbrachen, erklärte Uwe Neumann von der gleichnamigen Baumschule in Westewitz: "Die Bäume sind noch grün und mit viel Laub bedeckt. Dadurch hat der Schnee mehr Fläche, auf die er fallen kann - in der Summe wird es zu schwer und die Äste brechen ab. Ich habe gerade unseren Astbruch beseitigt. Da ist einiges kaputt gegangen", so Neumann. Ansonsten hat der verfrühte Winter der Pflanzenwelt wenig geschadet. Im Gegenteil: "Es war viel zu trocken die vergangenen Wochen. Von daher war es gut, dass es Niederschlag gab", so Neumann, der auch gut hätte damit leben können, wenn Regen statt Schnee gefallen wäre. "Die Pflanzzeit läuft noch den ganzen November durch. Deswegen hoffen wir, dass es noch mal etwas wärmer wird und der Frost nicht zu tief in den Boden kriecht."

Landwirte und Tiere entspannt

Den Landwirten gefällt der Kälteeinbruch in Kombination mit dem Schnee: "Die derzeitigen Minusgrade machen den Pflanzen auf den Feldern nichts aus", sagte Ekkehard Thiele, geschäftsführender Gesellschafter der Reinsdorfer Agrargenossenschaft. Weil der plötzliche Winter auch Schnee mitbrachte, haben die aufgegangenen Saaten keine Probleme. Durch die niedrige Temperatur komme die Vegetation vielmehr zur Ruhe und höre auf zu wachsen. "Das ist für diese Jahreszeit ganz normal. Das wollen wir auch so", erklärt Thiele. Ungewöhnlich sei hingegen schon, dass es einen Temperaturunterschied von fast 20 Grad innerhalb weniger Tage gibt.

In den Tierheimen hat der Warm-Kalt-Wechsel keine "besonderen Auswirkungen. Den Hunden gefällt's - die tollen gern im Schnee herum", verriet Yvonne Jasinski aus dem Ostrauer Tierheim. "Wir haben uns mit dem Wettervorhersage drauf eingerichtet und die Öfen schon vorzeitig angeschmissen. Die frühe Kälte wird sich zwar auf die Betriebskosten auswirken - ansonsten lief bei uns, trotz Schnee, alles nach Plan. Gut, ein paar Wassernäpfe sind eingefroren. Das war's aber auch schon", so Jasinski. Tiere seien wettertechnisch ohnehin robuster als Menschen.

Entwarnung konnte der Energieversorger Mitnetz Strom geben, der am Wochenende mit Schäden an den weniger robusten Oberleitungen durch umgestürzte Bäume betroffen war. Ralf Ludwig von der Anlagenwartung in Döbeln: "Die Stromversorgung konnte ja noch am Wochenende wieder hergestellt werden. Gestern wurden weitere Schäden behoben. Einzig eine Oberleitung im Scheergrund ist noch nicht wieder repariert." Am Sonnabend kam es in 86 Ortsteilen im gesamten Landkreis zu Ausfällen bei der Stromversorgung.

 

 

 

 

 

Das neue Gesetz zur Winterreifenpflicht (seit Dezember 2010 in Kraft)sieht Winterreifen an allen Rädern bei winterlichen Fahrbahnen vor. Dabei sind winterliche Fahrbahnverhältnisse wie folgt definiert: Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer, bedingt durch falsche Reifen, sind gemäß des neuen Gesetzes 40 bis 80 Euro sowie ein Punkt in Flensburg fällig. Ein genauer Zeitpunkt, von wann bis wann die Winterreifenpflicht gilt, ist nicht festgesetzt. Es wird empfohlen, die "Winterreifen von Oktober bis Ostern"-Regel einzuhalten. Auch andere europäische Länder haben eine Winterreifenpflicht gesetzlich verankert. So zum Beispiel Österreich. Hier gilt die Winterreifenpflicht vom 1. November bis 15. April. Sogar die erforderliche Profiltiefe ist mit 4 Millimetern gesetzlich festgelegt. Ab dem 1. November dieses Jahres gilt für Winterreifen eine neue EU-weite Reifen-Kennzeichnungspflicht.

Thomas Lieb, sro, HS

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