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Nahverkehr in der Region Döbeln droht weiterer Aderlass

Totes Gleis Waldheim Nahverkehr in der Region Döbeln droht weiterer Aderlass

Weil für den Schienennahverkehr in Sachsen angeblich das Geld nicht reicht, soll auf der Strecke Chemnitz-Riesa kein Personenzug mehr fahren. Diese Überlegungen sind jetzt öffentlich geworden und haben sofort die Grünen auf den Plan gerufen. Sie kritisieren diese Pläne, die für Waldheim, Zschaitz und Ostrau „totes Gleis“ bedeuten würden.

Wenn die Verkehrs-Zweckverbände auf der Bahnstrecke Chemnitz-Riesa den Personenverkehr abbestellen, sind Waldheim, Ostrau und Zschaitz vom Eisenbahnverkehr abgeschnitten.

Quelle: Sven Bartsch

Region Döbeln. Waldheim ist gerade dabei, sein Bahnhofsgelände nach dem Teilabriss der Station wieder ordentlich aufzuhübschen. Die Stadt ist außerdem um einen barrierefreien Zugang zu den Gleisen bemüht. Wenn die Überlegungen Realität werden, die jüngst Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) geäußert hat, wird sich die Stadt diesen Aufwand womöglich sparen können. Dann hält kein Zug mehr in Waldheim.

Und auch nicht in Ostrau und Zschaitz Von Döbeln käme auf der Nord-Süd-Achse auch keiner mehr weg. „Nach einer Abbestellung der RB 45 würden Orte wie Mittweida, Erlau und Ostrau im Landkreis Mittelsachsen endgültig vom Eisenbahnnetz abgekoppelt. Damit würde auch die touristische Erreichbarkeit der Region in Frage gestellt“, warnt Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Sächsischen Landtag. Die Bündnisgrünen kritisieren die jetzt laut gewordenen Gedanken zu den drastischen Einschnitten im öffentlichen Schienennahverkehr scharf. „Der Betrieb der RB 45 Chemnitz – Mittweida- Döbeln – Riesa – Elsterwerda wurde gerade erst für 14,5 Jahre an die Mitteldeutsche Regiobahn vergeben – bei Abbestellung drohen hohe Entschädigungszahlen“, sagt die Grüne Verkehrsexpertin Meier.

Grüne bezeichnen Pläne als Schildbürgerstreich

Im Oktober vergangenen Jahres hatte der Verkehrsverbund Mittelsachsen nach Chemnitz auf den Hauptbahnhof geladen, um eine rollende Investition für mehrere Millionen Euro vorzustellen: Den Alstom-Coradia-Continental-Triebwagenzug. 29 Stück hat der VMS bestellt, einige haben bereits den Testbetrieb absolviert. „Bis Ende Mai wollen wir alle 29 Züge an den VMS übergeben“, sagt Susanne Sperling, die die Unternehmenskommunikation bei Alstom leitet. Diese neuen Züge sollen auch auf der Strecke Chemnitz-Riesa fahren.

Das geschieht nicht, wenn die kommunalen Zweckverbände den Schienenverkehr auf der Strecke abbestellen. Das sind der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe (ZVVO) und der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS). Zu diesen Verbänden haben sich Landkreise zusammengeschlossen, um den öffentlichen Nahverkehr in einem bestimmten Gebiet zu organisieren. Im VMS sind die Landkreise Erzgebirge, Zwickau, Mittelsachsen und die kreisfreie Stadt Chemnitz. Die Grünen bezeichnen eine Abbestellung des Schienenverkehrs auf dieser Strecke als „Schildbürgerstreich“. Sie weisen daraufhin, dass der Freistaat nur bis zu 80 Prozent sogenannter Regionalisierungsmittel direkt für den öffentlichen Nahverkehr aufwende. Diese Mittel zahlt der Bund an die Länder. Sie stammen aus den Einnahmen der Mineralölsteuer. Dem Freistaat Sachsen drohe laut Verkehrtminister Dulig eine Kürzung dieses Geldes.

VMS hält am Vertrag fest

Die Grünen fordern daher, dass die CDU/SPD-Koalition schon im Vorgriff auf den Doppelhaushalt 2017/18 deutliche Signale für mehr Mittel für den ÖPNV senden soll. „Mindestens 90 Prozent aller Regionalisierungsmittel müssen kurzfristig im Haushalt an die Verkehrsverbünde weitergeleitet werden – so wie es die SPD in der Opposition immer gefordert hat. Nur dann lassen sich die von den Verkehrsverbünden ins Spiel gebrachten Abbestellungen von Bahnstrecken noch abwenden“, sagt die Grüne Verkehrsfachfrau Katja Meier.

Ihre Fraktion sieht den Verkehrsverbund Oberelbe als Verkünder der Pläne, den Schienenverkehr auf der Strecke Riesa-Chemnitz abzubestellen und damit Waldheim, Zschaitz und Ostrau komplett vom Bahnverkehr abzukoppeln. Der ZVMS spielt offenbar nicht mit solchen Gedanken. „Vertragsänderungen durch den ZVMS gibt es nicht, der Verkehrsvertrag gilt ab Juni 2016“, sagt ZVMS-Pressesprecherin Silke Dinger. Wenn aber nun – und das ist in der Kleinstaaterei der Zweckverbände möglich – der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe den Schienenverkehr auf seinem Gebiet tatsächlich abbestellen würde, wäre Ostrau Endstation der RB 45. Die Strecke würde aller Voraussicht nach einen Tod auf Raten sterben.

Bei der RB 110 Meißen-Leipzig war es ähnlich: Hier bestellte der ZVVO den Bahnverkehr zwischen Meißen und Nossen ab. Seit Jahresbeginn ist nun Döbeln Endstation dieser Eisenbahnlinie. Mal sehen, wie lange noch.

Von Dirk Wurzel

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