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Nazi-Überfall auf Leisnigs Muldewiesen? Amtsgericht verhandelt Männertags-Schlägerei

Prozess am Amtsgericht Nazi-Überfall auf Leisnigs Muldewiesen? Amtsgericht verhandelt Männertags-Schlägerei

Ein martialischer Angriff auf mutmaßlich linke Jugendliche in Leisnig am Himmelfahrtstag vergangenen Jahres beschäftigt seit Montag Strafrichter Janko Ehrlich im Amtsgericht Döbeln. Einiges deutet darauf hin, dass hier Rechte auf Linke losgegangen sind. Schon vorher gab es Provokationen und Wortgefechte.

Die Männertagsschlägerei in Leisnig beschäftigt seit Montag die Strafjustiz.

Quelle: Dirk Wurzel

Leisnig/Döbeln. Die Leisniger Himmelfahrtsschlägerei vom vergangenen Jahr beschäftigt seit Montag das Amtsgericht Döbeln. Ein 23-Jähriger und ein 29-Jähriger sollen am 14. Mai vergangenen Jahres auf der Muldenwiese bei Tragnitz zu einer Gruppe gehört haben, die auf Jugendliche losgegangen sind, deren Mitglieder offenkundig linke Weltanschauungen teilen. Im Kreise der Täter seien auch Schlagwaffen wie Teleskopschlagstöcke und Vierkanthölzer zum Einsatz gekommen, steht im Anklagesatz. Die Staatsanwaltschaft hat die beiden bei Strafrichter Janko Ehrlich der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Weil die Angeklagten vor der Schlägerei auch den Hitlergruß mit den Worten: „Wisst Ihr was das heißt? Das heißt nicht willkommen“ gezeigt haben sollen, lautet die Anklage auch auf das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Der jüngere Angeklagte gestand, einen der linken Jugendlichen geschlagen zu haben, stritt aber ab, den Hitlergruß gezeigt zu haben. „Ich gebe das zu, das gemacht zu haben. Ich schäme mich dafür“, räumte der jüngere Mann ein. Er sei verzweifelt gewesen. Dreimal habe er die Jugendlichen gebeten, ihre Zelte wegzuräumen. „Da sind sie frech geworden.“

Auch Mädchen können auf Krawall gebürstet sein

Dass er die Linken auch mit seinem Gekurve auf einem Mini-Motorrad genervt und provoziert hatte, sagte er nicht. Später sollten Zeugen dies übereinstimmend schildern. Der ältere Mann stritt sowohl den Hitlergruß ab, als auch körperliche Gewalt gegen die Jugendlichen, die am Muldeufer gegrillt und dort übernachtet haben. Er habe zunächst die erste Auseinandersetzung mitbekommen und habe schlichtend eingegriffen. Dann habe er sich mit Leuten auf dem Markt getroffen und sei mit zwei jungen Frauen wieder gen Muldenwiesen aufgebrochen, weil er befürchtet habe, dass ein Kumpel von ihm da unten Stress anfängt. „Ich fahr doch nicht mit zwei Frauen dorthin, um bei einer Schlägerei mitzumischen“, sagte er. „Wenn Sie eine Weile auf Gericht gearbeitet hätten, wüsste Sie, dass der Phantasie da keine Grenzen gesetzt sind. Es gibt auch Mädels, die auf Krawall gebürstet sind“, hielt Richter Ehrlich dem Mann mit seiner langjährigen Berufserfahrung als Strafrichter entgegen. Zumal laut einer Zeugenaussage auch Frauen unter den Angreifern waren. Die schlugen zu, als die Gruppe der Jugendlichen im Abmarsch war und sich in der Befürchtung eines Übergriffes in einen Garten zurückziehen wollte, der den Großeltern einer der jungen Leute gehörte. Dabei bekam der Hauptbelastungszeuge Faustschläge ab und konnte den jüngeren Angeklagten als Schläger identifizieren. Die Brille des Studenten ging dabei zu Bruch. Etwa 350 Euro habe er für eine Neue bezahlt.

Marschrichtung Rechts gegen Links?

Relativ sicher ist bis jetzt, dass der jüngere Angeklagte zugeschlagen hat. Ebenfalls relativ sicher ist, dass eine Gruppe von mehr als zehn Mann, teilweise vermummt und mit Schlagwerkzeugen bewaffnet, auf die linken Jugendlichen losgegangen war. Zum Glück trugen die Angegriffenen nur leichte Verletzungen davon. Unklar ist noch, ob und wer mit dem Hitlergruß auffiel. Dass die Marschrichtung bei dieser Auseinandersetzung Rechts gegen Links war, darauf deuten folgende Indizien hin: Der jüngere Angeklagte benannte Mittäter namentlich, darunter Personen, die auf Facebook im Internet keinen Hehl aus ihrer Gesinnung machen und dort so Sachen, wie „Nationaler Widerstand“ und „Nein zum Asylheim“ teilen. Außerdem hörten Zeugen aus den Reihen der Angreifer Begriffe wie „Scheißzecken“. Eine bei Rechten beliebte abwertende Bezeichnung für andersdenkende Personen, besonders für solche aus dem linken Spektrum.

Mit weiteren Zeugen setzt Richter Ehrlich den Prozess demnächst fort.

Von Dirk Wurzel

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