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Neue App zeigt NS-Zeit in Muldestadt: Döbelns Geschichte für die Hosentasche

Treibhausverein Neue App zeigt NS-Zeit in Muldestadt: Döbelns Geschichte für die Hosentasche

Der Döbelner Treibhausverein zeigt bei seinem Tag der offenen Tür all seine Facetten mit kultureller und politischer Arbeit. Im Vordergrund steht aber die neue Handy-App „Döbeln im NS“, die kostenlos zu haben ist und Nutzern historische Orte der Stadt im Dritten Reich auf moderne Weise näher bringt.

Der Treibhausverein Döbeln präsentierte sich zum Tag der offenen Tür mit all seinen Facetten wie der Siebdruckwerkstatt mit Julia Kaltofen.

Quelle: Gerhard Dörner

Döbeln. Auf der Internetseite des Döbelner Treibhausvereins ist die Geschichte der Stadt in der NS-Zeit bereits ausführlich nachzulesen. Doch was, wenn man beim Rundgang durch die Stadt auf historische Gebäude oder Stolpersteine trifft. Langes Herumscrollen auf der Webseite über den kleinen Handy-Bildschirm macht da wenig Spaß.

Dass dachte sich auch die Arbeitsgemeinschaft Geschichte innerhalb des Vereins und kam auf die Idee: Eine nutzerfreundliche Handyapplikation – kurz App – muss her. Das war 2014. Vom Förderprogramm Lokaler Aktionsplan finanziert und von der Chemnitzer Firma Digenio umgesetzt, dauerte es mehr als ein Jahr, bis die App „Döbeln im NS“ nun endlich fertig war und am Sonnabend beim Tag der offenen Tür im Vereinshaus an der Bahnhofstraße vorgestellt werden konnte. „Man denkt erst gar nicht, was das für ein Aufwand ist, die ganzen Texte zu schreiben, einzusprechen und das alles nebenbei“, sagte die Vereinsvorsitzende Judith-Sophie Schilling, die selbst am Projekt mitgearbeitet hat.

Nach dem Herunterladen stehen dem Geschichtsinteressierten 18 Texte zu historischen Orten, Gebäuden und Geschichten zur Verfügung, zusammengestellt von Sophie Spitzner, Stephan Conrad, Adrian Zschidrich sowie Judith-Sophie Schilling und ihrer Schwester Laura. Der Vorteil der App ist die Vielfältigkeit für den Nutzer. „Zum Beispiel, wenn ich vor dem Rathaus stehe, dann kann ich den Text selbst lesen, ihn mir vorlesen lassen oder durch die Bildergalerie schauen“, erklärt Schilling.

Im Tonstudio von Vereinsmitglied Ronny Lienkämper haben die Heimatforscher jeweils drei bis vier Texte eingesprochen – nicht immer ganz einfach. „Wir haben uns entweder früh um 7 vor der Arbeit oder abends um 7 danach getroffen. Da braucht man je nach Tagesform zwei Aufnahmen oder sechs bis sieben“, sagt Judith-Sophie Schilling und lacht.

Bislang ist die App als Rundumschlag für Döbeln in der NS-Zeit konzipiert. Verschiedene Themen von Zwangsarbeit über Judenverfolgung bis Rüstungsproduktion sind zu finden. Längst haben die Macher Ideen für die Erweiterung im Kopf. So soll die App den Nutzer künftig auch per Stadtkarte zu den nächstgelegenen Erinnerungsorten führen oder sogar feste Routen für einen Rundgang vorschlagen.

Damit soll vor allem jüngeres Publikum angesprochen werden. „Ältere Interessierte kommen zu unseren Rundgängen. Die App ist ein niedrigschwelliges Angebot für die jüngere Generation, Geschichte zu präsentieren“, sagt Schilling. Mit dem Döbelner Lessing-Gymnasium und der Oberschule Waldheim arbeitet der Verein schon zusammen. Im mai sollen auch Schüler des Berufsschulzentrums Döbeln einen ersten Rundgang machen. Mit der App ist man dabei künftig bestens informiert.

Von Sebastian Fink

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