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Döbeln Neue Dokumente belegen Todesmarsch
Region Döbeln Neue Dokumente belegen Todesmarsch
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20:02 28.08.2012

. Der Streit um den Etzdorfer Todesmarsch und die Ermordung von KZ-Häftlingen in der Region Roßwein geht weiter. Der Leipziger Kulturwissenschaftler Andreas Tümmler, der sich in seiner Freizeit mit dem Thema beschäftigt, zweifelt nach wie vor an einem Todesmarsch von KZ-Häftlingen durch Etzdorf (die DAZ berichtete), obwohl die Freiberger Regionalforscherin Christine Schmidt dies bereits belegt hat.

Christine Schmidt bekräftigte gegenüber der DAZ ihre Nachforschungen. "Herr Tümmler liegt völlig schief", sagte sie. Er habe eine Anfrage über Opfer von Todesmärschen beim International Tracing Service (ITS) gestellt, deren Antwort er aber falsch interpretiert habe. "Das ITS kann nur positive Auskunft geben, wenn ihm dazu Dokumente vorliegen. Es gibt beim ITS aber nur sehr wenige Dokumente aus unserer Region," kommentierte sie Tümmlers Anmerkung, er habe in 30 Millionen ITS-Akten keinen Hinweis auf ein solches Verbrechen finden lassen können. Wegen des Kalten Krieges seien aber nicht alle Akten aus den Sowjetrepubliken in das Archiv gewandert, so Schmidt.

Schon vor drei Monaten bezeichnete Tümmler gegenüber der DAZ die Aussagen einer Etzdorfer Zeitzeugin über den Todesmarsch als unwahr. Das charakteristische Geklapper mit Holzpantinen, die die KZ-Häftlinge bis 1945 trugen, könne es in Etzdorf nicht gegeben haben, da diese in den Betrieben nicht getragen worden sein sollen.

Zu dieser Aussage hat Professor Matthias Pfüller, der die Studien zur NS-Geschichte Roßweins an der Fakultät Soziale Arbeit der Fachhochschule Mittweida begleitet, inzwischen weitere Informationen sammeln können. "Die Holzpantinen sind für Mitarbeiter der Firma Kadner in Roßwein zu dieser Zeit durch einen Briefwechsel belegt. Darin geht es um die bessere Ausstattung der russischen Zwangsarbeiter. Kadner stellte eine Preisanfrage für Holzpantinen gepaart mit der Anfrage nach deren Finanzierung. Üblicherweise wurden die Kosten vom Lohn abgezogen", erklärt Pfüller. Die Briefe seien im Staatsarchiv Leipzig einzusehen.

Zudem seien auf Fotos Holzschuhe mit Lederstreifen darüber zu erkennen, die ebenfalls auf das klappernde Geräusch hinweisen. Christine Schmidt hat zudem die Zeitzeugenaussage eines Roßweiners hinzugezogen, der damals im Gaswerk arbeitete. Er habe beobachtet, dass eine Woche vor dem Einmarsch der Amerikaner ein Teil einer Gruppe KZ-Häftlinge aus Leipzig über Döbeln nach Reichenbach gingen. Einige von ihnen kamen den Roßweiner Berg hinauf. "Einige Häftlinge kippten um und einer, der nicht mehr weiter konnte, wurde ins Gaswerk gebracht", sagte Schmidt.

Auf Tümmlers neueste Anregung, sich mit den Recherchen aus Roßwein und Umgebung an einer neuen Ausstellung des ITS zu beteiligen, die sich mit Verfolgten des NS-Regimes befasst, reagierte Pfüller gegenüber der DAZ gelassen. "Wir stehen mit dem ITS seit mehr als zehn Jahren in Kontakt und sind über deren Aktivitäten informiert." Roßwein passe aber nicht zur genannten Ausstellung. Dazu finde Pfüller das Verhalten Tümmlers schräg, weil die Kritik ohne Ab sicht und Ziel geäußert worden sei.

Auch die Stadtverwaltung möchte sich von außen keine Rechercheaufträge auferlegen lassen, sondern am bisherigen Konzept festhalten. "Wir wollen im Rahmen unserer Mittel weiterhin alles tun, um die Geschichte Roßweins so weit als möglich aufzuarbeiten und das Wissen, das in der Stadt noch da ist, zu bewahren", sagte Ines Lammay der DAZ.

Sebastian Fink

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