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Neue Fassade ohne Satellitenschüsseln und neu renovierte Zimmer

Das Asylbewerberheim Döbeln wurde nach 20 Jahren grundlegend renoviert Neue Fassade ohne Satellitenschüsseln und neu renovierte Zimmer

Das Asylbewerberheim Döbeln wurde nach 20 Jahren grundlegend renoviert. Aktuell sind 131 von 205 Plätzen sind belegt. Luxus sucht man hier aber vergeblich.

Heimleiter Lothar Bogisch zeigt eine der Gemeinschaftsküchen, in denen sie Asylbewerber sich verpflegen und die sie selbst sauber halten müssen.

Quelle: Foto: Dirk Wurzel

Döbeln. Seit mehr als 20 Jahren gehört das Asylbewerberheim an der Friedrichstraße zu Döbeln. Längst überfällig war allerdings eine grundlegende Renovierung des einstigen Kasernengebäudes. Die hat der Betreiber, die Human Care GmbH, die deutschlandweit Asylbewerberheime und Obdachlosenheime betreibt, seit vorigen Sommer in Angriff genommen. Das Heim war dazu extra zur Hälfte leer gezogen worden und die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Poliklinik an der Mastener Straße länger betrieben worden.

Zwischenzeitlich ist die aufwendige Sanierung des Gebäudes abgeschlossen und die Gemeinschaftsunterkunft mit ihren insgesamt 205 Plätzen wieder mit aktuell 131 Männern aus unterschiedlichen Ländern belegt. Schon von außen fallen die neuen Tore und Zäune auf, die den undurchsichtigen Blechtoren gewichen sind. An der neuen Fassade hängen nicht mehr dutzendweise Satellitenschüsseln. Stattdessen gibt es einen zentralen Satellitenanschluss, der in jedem der Vierer-, Dreier, Zweierzimmer anliegt. Auch ein paar Einzelzimmer gibt es jetzt in der Gemeinschaftsunterkunft. Die belegt Heimleiter Lothar Bogisch (65) vorrangig mit älteren Asylbewerbern. Aktuell wohnen in der Einrichtung nur Männer. „Wir sind hier auch für Frauen eingerichtet. Im Moment decken wir aber den Unterbringungsbedarf nur für Männer ab. Familien mit Kindern sind in einem extra Gebäude an der Friedrichstraße 9 untergebracht“, so der Heimleiter. 39 Personen leben in der als Wohngruppen betrieben Familienunterkunft an der Friedrichstraße 9. Human Care betreibt das Haus als Außenstelle des Heimes. Neben dem Heimleiter arbeiten zwei Hausmeister eine Sozialpädagogin und eine Sozialhelferin in der Einrichtung. Eine zweite Sozialpädagogin wird gerade eingestellt.

Das frisch renovierte Kasernengebäude erhielt neue Fenster, neue Heizung, neue Farben, neue Elektrik und einen aufwendigen Brandschutz. Die Zimmer der Bewohner sind hell und freundlich, allerdings sehr spartanisch mit Betten, Tisch und Stühlen, Metallspinden und einem Kühlschrank sowie für jeden Bewohner mit einem Satz Kochgeschirr, Geschirr und Besteck ausgestattet. Alle Bewohner müssen sich selbst verpflegen und erhalten dazu nach dem Asylbewerberleistungsgesetz einen monatlichen Satz der etwas unterhalb des Hartz-IV-Regelsatzes liegt. Davon müssen die Asylbewerber ihren täglichen Bedarf wie Lebensmittel, Kleidung, Körperpflege sowie Handykosten bezahlen. Wer Fernsehen möchte, muss sich von diesem Geld den Fernseher und den Receiver kaufen. Im gesamten Asylheim gibt es ein modernes W-Lan-Netz. Der unbegrenzte Zugang kostet die Heimbewohner 16 Euro für 30 Tage.

Bei der Belegung der Zimmer achtet Heimleiter Lothar Bogisch ein wenig auf Herkunft, Religion, Alter. „Wir haben im Haus ein größere Gruppe Nordafrikaner aus Marokko, Tunesien, Libyen und dem Libanon. Es gibt Iraner und Iraker, Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan oder Indien. Wir achten etwas auf die Zusammensetzung, um Konflikten vorzubeugen. Es gelten aber ganz klare Regeln. Für Konflikte aus den Heimatländern ist hier kein Platz.“, sagt der Heimleiter. Zumeist überwiegt die Solidarität untereinander. Ein noch nicht belegtes Zimmer wurde von den muslimischen Bewohnern zum Gebetraum ausgestaltet. Ein gewählter Ältester hält die Gebete. Es gebe zudem Flüchtlinge im Haus, die dank besserer Sprachkenntnisse mithelfen, wenn andere Hilfe brauchen, ganz gleich woher sie kommen. Zudem lobt der Heimleiter die vorhandenen Netzwerke in der Stadt und freut sich über einzelne Paten, die den Neuankömmlingen bei Arztbesuchen oder Behördengängen zur Seite stehen. „Eine gute Vernetzung ist für die Menschen einfach eine Brücke“, so Bogisch. Die Offenheit der Zivilgesellschaft sei aber durchaus noch ausbaufähig. Denn so lange der Status der Asylbewerber ungeklärt sei, gebe es weder Deutschkurse noch irgendwelche anderen Angebote, die ihnen ein Zurechtfinden erleichterten.

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Das Asylbewerberheim Döbeln wurde nach 20 Jahren grundlegend renoviert

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Neben den 131 Bewohnern des Heimes und den 39 Männern, Frauen und Kindern in den Familienwohngruppen sind weitere 81 Flüchtlinge, deren Status geklärt ist, im Döbelner Stadtgebiet in Wohnungen untergebracht.

Kommentar: Kontakte statt Vorurteile

Die Asylbewerber und Flüchtlinge kriegen alles ohne Gegenleistung und für die Deutschen ist kein Geld da. So liest man in sozialen Netzwerken immer wieder die weit verbreitete Meinung derer, die mit Asylbewerbern und Flüchtlingen nichts zu tun haben oder nichts zu tun haben wollen.

Doch das hartnäckige Vorurteil ist bei einem Rundgang durch das Asylbewerberheim in Döbeln leicht zur widerlegen. Seit über 20 Jahren leben in dem Gebäude in Döbeln, Menschen, die aus verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen haben. Nach 20 Jahren wurde das Kasernengebäude aufwendig saniert. Luxusunterkünfte – davon sind die Mehrbettzimmer weit entfernt, die sich Menschen verschiedenster Herkunft hier teilen müssen. Gemeinschaftsküchen, Gemeinschaftstoiletten und -duschen, ein Raum zum Wäschewaschen. Nicht mehr und nicht weniger. Alles ordentlich und brandschutztechnisch auf aktuellem Niveau. Luxus sieht aber anders aus. Fernseher, Handy, W-Lan, Essen, Kleidung gibt es nicht umsonst. Flüchtlinge und Asylbewerber sind nicht besser gestellt als Hartz-IV-Empfänger und Obdachlosenheime, wie sie Human Care ebenfalls deutschlandweit betreibt, haben keinen schlechteren Standard. Niemand muss also Flüchtlinge und in ärmeren Verhältnissen lebende Einheimische gegeneinander ausspielen. Das beste wäre es, wenn Menschen egal welcher Herkunft oder sozialen Schicht, aufeinander zu gingen. Gerade für die überschaubare Zahl an Asylbewerbern und Flüchtlingen in Döbeln wäre Kontakt zu den Einheimischen hilfreich, um zu lernen, wie hier das Leben funktioniert, um Anschluss zu finden und um der Langeweile durch das verordnete Nichtstun und Warten in einem solchen Heim zu entkommen.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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