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Döbeln Neue Heimat Döbeln: Sadya und Edris haben es geschafft
Region Döbeln Neue Heimat Döbeln: Sadya und Edris haben es geschafft
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00:31 24.05.2015
Bestens eingelebt: Sadya Alieva und Edris Zaba kamen in jungen Jahren mit ihren Eltern aus Afghanistan (Edris) und Dagestan (Sadya) nach Döbeln. Quelle: Dirk Wurzel
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Und immer schwebte ein Damoklesschwert über ihrem Kopf: Abschiebung, erzwungene Rückkehr in ihr Herkunftsland. Das ist die russische Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus, einem von kriegerischen Handlungen und Terror geprägten Land. Die Gewalt schwappte aus Tschetschenien nach Dagestan.

"Es war ein toller Moment, als ich das erste Mal meine Miete selbst bezahlt habe", sagt Sadya Alieva, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt und lange Zeit in Gemeinschaftsunterkünften zubrachte. Ein Zimmer für die ganze Familie, das sich diese manchmal mit Fremden teilen mussten. Mittlerweile arbeitet die 25-Jährige als Sozialarbeiterin im Döbelner Asylheim, erläutert den Bewohnern unter anderem die Mülltrennung - die wohl deutscheste aller deutschen Besonderheiten. Aber auch beim Gang zu den Behörden hilft die junge Frau.

Gemeinsam mit ihrem Schicksalsgenossen Edris Zaba berichtete Sadya Alieva in der Jacobikirche von ihren Erfahrungen als geduldete Ausländer. Das Bündnis "Willkommen in Döbeln" hatte zu diesem Gesprächsabend geladen.

Edris Zaba kam 1995 aus Afghanistan nach Deutschland, lebte zuerst in Leisnig, später auch in Döbeln. Mittlerweile studiert der 26jährige Philosophie in Leipzig. Als er noch keinen Aufenthaltstitel hatte, wäre dies undenkbar gewesen. Da hatte er als Handballspieler schon Probleme mit seinem Verein zu einem Auswärtsspiel außerhalb des Landkreises zu reisen.

"Residenzpflicht" heißt diese Vorschrift, wonach Asylbewerber den Landkreis nicht verlassen dürfen, dem sie die Behörden zugewiesen haben. Verstöße sind strafbar und blähen die Statistik der Ausländerkriminalität auf. Geschädigte gibt es bei solchen Verstößen gegen die Residenzpflicht nicht. Nur Asylbewerber können sich dieses Vergehens schuldig machen. Was Edris in seiner Döbelner Zeit auffiel, ist eine gewisse Willkür seitens der Mitarbeiter der Ausländerbehörde. "Die haben die Menschen gar nicht richtig über ihre Rechte aufgeklärt", sagt er. Oft bekamen nach seinen Worten Asylbewerber den Spruch zu hören: "Ich verstehe Dich nicht, komm wieder, wenn Du Deutsch kannst." Es ist für ihn unverständlich, wieso jemand bei einer Behörde arbeitet und kein Englisch spricht. Ich hoffe, dass es einen Ruck in Richtung interkulturelle Kompetenz gibt", sagte Torsten Fischäder vom Döbelner Willkommensbündnis, der den Gesprächsabend in der Jacobikirche moderierte.

Sadya und Edris sind zwei junge Menschen, die zwar von woanders her kommen, sich aber bestens hierzulande eingelebt haben. Die die Sprache vorzüglich beherrschen, Freunde haben, arbeiten oder studieren. Für die Bewohner des Döbelner Asylheims gilt das nicht. Die dürfen nicht arbeiten. "Dabei haben manche so tolle Berufe: OP-Schwester, Historiker oder Agronom. Da gibt es junge Leute, die gerne wollen. Die Menschen gehen doch zugrunde, wenn sie nichts machen", sagt Sadya. Sprachkurse und Arbeit hält sie für die besten Mittel zur Integration. Allerdings bekommen erst Flüchtlinge mit anerkanntem Asylstatus Sprachunterricht. Alle anderen müssen mit ehrenamtlichen Angeboten leben, die weniger intensiv sind. So vermittelt auch der Treibhaus-Verein Sprachkurse für Asylbewerber.

Dirk Wurzel

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