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Döbeln Helios-Patienten ab jetzt durchs Rolltor zum Schockraum
Region Döbeln Helios-Patienten ab jetzt durchs Rolltor zum Schockraum
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15:26 24.08.2018
An Leisnigs Helios-Klinikum gibt es eine moderne Notaufnahme. Der Freistaat Sachsen gab 2,4 von über drei Millionen Euro der Gesamtkosten dazu. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig

Die Eröffnung der neuen Notaufnahme am Helios-Klinikum Leisnig ist ein Grund zum Feiern. Dennoch äußert Klinikgeschäftsführerin Peggy Kaufmann eine offenbar sehr konkrete Sorge: Von Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) möchte sie wissen, wann die neue Rettungsleistellen-Struktur in Mittelsachsen endlich verlässlich greift.

Klinikgeschäftsführerin Peggy Kaufmann begrüßt die Gäste zur Eröffnung. Quelle: Sven Bartsch

Pannen bei identischen Ortsnamen

Dass etwas im Argen liegen muss, kam auch schon der ebenfalls anwesenden Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann (CDU) zu Ohren, und zwar von Bürgern. Unter anderem landeten auch schon Rettungskräfte am falschen Ort – weil Dörfer in Sachsen eben auch gleiche Ortsnamen haben. Woran liegt das? Das ist relativ schnell auf einen Nenner gebracht: Im Zuge der im Freistaat Sachsen per Gesetz verordneten Strukturreform werden und wurden Rettungsleitstellen geschlossen - wie demnächst Freiberg und zuvor Grimma.

Kommentar: Schnelle Lösung statt böses Blut

Was für eine Vorstellung: Nach einem Unfall ist der Notruf abgesetzt, dann kommt der Rettungsdienst spät oder ohne Notarzt oder erst mal gar nicht – weil er zunächst in einem Dorf mit gleicher Ortsbezeichnung herumkurvt. Klingt nach Horror, ist aber Realität, mit der all jene konfrontiert sind, die beruflich beziehungsweise politisch in die Problematik involviert sind. Natürlich bringt das nichts, eine Welle der Empörung aufzubauen. Das Problem gehört jedoch aus der Welt geschafft, ebenso wie der von Feuerwehrleuten beklagte Ausfall der Alarm-Pager. Weil sie kein böses Blut wollen, stattdessen endlich auf eine Lösung drängen, halten Beteiligte derzeit mit großen Anklagen hinter dem Berg. Man sollte nur die Bürger nicht für so dumm halten, dass es ihnen nicht auch irgendwann auffällt. Denn das wird naturgemäß in einem ganz tragischen Moment der Fall sein. Das wünscht sich keiner. Wer der sächsischen Gebietsreform und der darauf folgenden neuen Leitstellenstruktur schon immer Skepsis entgegenbrachte, hat hier ein Beispiel vor Augen, wo sie nicht gut funktioniert. Die Notfallversorgung der Bürger muss lückenlos laufen. Damit dies der Fall ist, braucht die Angelegenheit eine schnelle Lösung statt böses Blut.

Weniger Leitstellen in Mittelsachsen, größere Gebiete

Was bedeutet: Bei sinkender Zahl von Leitstellen vergrößert sich für jede einzelne das jeweilige Zuständigkeitsgebiet. Leisnig, früher wie der gesamte Altkreis Döbeln von der heute nicht mehr existenten Leitstelle Grimma alarmiert, soll jetzt von Chemnitz über Einsätze informiert werden. Die Strukturanpassung ist offenbar mühseliger, als erwartet.

Schritt zum Besseren am 5. Dezember

Landrat Matthias Damm nennt einen Termin: Am 5. Dezember soll sich die Leitstellen-Struktur festigen. Auf Nachfrage sagt er: Dann hört die Rettungsleitstelle Freiberg auf zu existieren. Deren Aufgaben sowie auch Personal werden in die Leitstelle Chemnitz integriert.

Mittelsachsens Landrat Matthias Damm verspricht: Die Leitstellen-Struktur in Mittelsachsen werde sich ab 5. Dezember festigen. Quelle: Sven Bartsch

Umstrukturierung mit Hürden

Was Damm am Rande der Veranstaltung schildert, hört sich an, als sei die Umstrukturierung begleitet vom sprichwörtlichen Hängen und Würgen, bis hin zu Widerstand von unten, also von den Beschäftigten. Was hat das mit Leisnig und der dortigen neuen Notaufnahme zu tun?

Klare Linie für Bürger sowie Notärzte wichtig

Kaufmann erläutert: In der Region übernehmen neben wenigen niedergelassenen Ärzten zu rund 90 Prozent die Helios-Klinikärzte die Notarzt-Dienste. Sie erledigen das zusätzlich zu ihrer Arbeit in der Klinik, als durchaus gut bezahlte Nebentätigkeit, aus Klinik-Sicht eben in ihrer Freizeit. Kaufmann will nicht zuletzt auch für die Mediziner eine ordentliche, verlässliche Arbeitsgrundlage.

Helios-Klinikärzte decken in der Region den größten Teil der Notarztfahrten ab. In die neue Notaufnahme flossen mehr als drei Millionen Euro. Quelle: Sven Bartsch

Für Region um Leisnig mehr als drei Millionen investiert

Der Grund zum Feiern betrifft in Leisnig nicht allein die Bürger der Stadt sondern der gesamten Region. Mehr als drei Millionen Euro wurden investiert, mit 2,4 Millionen bekannte sich der Freistaat Sachsen finanziell zu dem Projekt. Eröffnet wurde feierlich unter Anwesenheit von Regina Kraushaar, Staatssekretärin des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz.

Schockraum: Hier werden Herzen wieder zum Schlagen gebracht. Quelle: Christian Hüller

Schockraum – gar nicht so schockierend

Am Montag ist scharfer Start. Wer dann als Notfallpatient Hilfe in Anspruch nehmen muss, wird schon über die Liegendanfahrt durchs Rolltor hindurch in den – wenn notwendig – Schockraum gebracht. Der sieht beim ersten Anblick gar nicht so schockierend aus: Die technischen Geräte zur Lebenserhaltung summen und klicken. Ein großer Strahler hängt über der Liege.

Informationsfluss muss sicher werden

Die Leitungen für den Strom, der im Ernstfall ein Herz wieder zum Schlagen bringt, verlaufen in Wänden und Decken. Der Raum vermittelt in seiner Nüchternheit: Hier kann alles wieder gut werden. Jetzt muss nur noch auf dem Informationsweg vom Unfallort bis zur Notaufnahme alles ins Laufen kommen, wenn man die Dringlichkeit in den Worten der Klinikgeschäftsführerin richtig deutet.

Roland Bantle: „Ich bin glücklich darüber, dass wir einen Ort gestaltet haben, der modernste Voraussetzungen für die Menschen schafft, die besonders hilfebedürftig sind.“ Quelle: Sven Bartsch

Reaktion auf steigende Patientenzahlen

Das Helios-Klinikum Leisnig hat mit der neuen Notfallambulanz jedenfalls seinen Teil beigetragen: „Mit dem Neubau haben wir der in den vergangenen Jahren stetig steigenden Patientenzahl der Klinik Rechnung getragen. Ich bin glücklich darüber, dass wir einen Ort gestaltet haben, der modernste Voraussetzungen für die Menschen schafft, die besonders hilfebedürftig sind“, betonte Dr. Roland Bantle.

Wichtig: medizinische Betreuungsleistung vor Ort

„Wir treiben im Gesundheitssystem zwar Themen wie Digitalisierung aktiv voran, um unsere Medizin weiter zu verbessern. Trotzdem kann Digitalisierung nur unterstützen, worauf es in der medizinischen Versorgung ankommt: die Hilfe- und Betreuungsleistungen von Menschen für Menschen. Dafür bietet die neue Notaufnahme in Leisnig die besten Voraussetzungen“, ergänzt der Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost.

Werder, 1. Mai 2017 – Strahlender Sonnenschein hat dafür gesorgt, dass die Stadt Werder am Sonntag einen wahren Besucheransturm erlebte. Aber auch am Montag war das Volksfest sehr gut besucht. MAZ-Fotograf Julian Stähle war dabei. Quelle: Julian Stähle

Erweiterungsbau als moderne Visitenkarte

„Ich freue mich, dass der Erweiterungsbau zu einer modernen Visitenkarte der Helios Klinik Leisnig geworden ist. Dank der neuen Notaufnahme verbessert sich die medizinische Versorgung der Menschen in Mittelsachsen und nimmt einen wichtigen Platz in der Versorgungslandschaft des Freistaates ein. Zudem ist die Klinik als einer der größten Arbeitgeber der Region von besonderer Bedeutung“, sagte Regina Kraushaar, Staatssekretärin des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz in ihrer Rede.

Die bisherige Rettungsstelle wird weiter genutzt, bis am 27. August die neue Notaufnahme mit nahtlosem Übergang ihren Betrieb aufnehmen kann. Quelle: Sven Bartsch

Montag beginnt der Betrieb

Am Montag nimmt die neue Notaufnahme der Helios Klinik Leisnig ihren offiziellen Betrieb auf. Das Team der Notaufnahme um deren Leiter Norman Wiele und Stationsleiterin Ina Obst freut sich auf die neue Arbeitsstätte. „Da Ärzte und Pflegekräfte unserer Klinik von Anfang an in die Planungen involviert waren, haben wir nun einen Arbeitsplatz, der optimal auf unsere medizinischen Abläufe abgestimmt ist, was den Patienten zu Gute kommt“, so Norman Wiele.

Zur Eröffnung ein Rundgang

Oberarzt Reinhard Junghans erklärte im Anschluss an die Eröffnung der Staatssekretärin Regina Kraushaar bei einer Führung die strukturellen Neuerungen der Notaufnahme. Zusammen mit Dr. Roland Bantle, Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost, Veronika Bellmann, Bundestagsabgeordnete, Staatssekretärin Kraushaar sowie Landrat Matthias Damm hatten Peggy Kaufmann und der Ärztliche Direktor Dr. René Schwarz das Freigabeband für die neue Notfallambulanz durchschnitten.

Von Steffi Robak

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