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Döbeln Neuer Gynäkologie-Chefarzt in Leisnig mit Klavierspielerhänden
Region Döbeln Neuer Gynäkologie-Chefarzt in Leisnig mit Klavierspielerhänden
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15:54 08.07.2016
Der kleine Collin Max, hier mit Mama Beatrice Spänich, liegt in den Armen des neuen Leisniger Gynäkologie-Chefarztes Andreas-Heinrich Werner. Quelle: Sven Bartsch
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Leisnig

Der in Bonn geborene und aufgewachsene Werner sieht es nach eigenen Worten „nicht so sehr ideologisch“, wenn ein Mann als Frauenarzt arbeitet: „ Die weibliche Komponente wird von den Hebammen sehr gut präsentiert. Einen männlichen Mediziner mit im Boot zu haben, mache es in mancherlei Hinsicht ausgewogener.“

Dass ein Gynäkologe an einer Geburtsklinik selten ist, ergebe sich schon aus den statistischen Zahlen: 60 Prozent der Medizin-Absolventen seien Frauen. Und in der Geburtshilfe selbst seien auch bis zu 80 Prozent Frauen tätig. Er selbst habe bei einer sehr kompetenten Chefärztin sein Handwerk gelernt. „Dabei stellte ich fest, wie viel unplanbare Arbeitszeit die Gynäkologie mit sich bringt.“ Seine Mentorin habe deswegen auch keine Kinder bekommen.

Herausforderung an die Feinmotorik

Werner ist seit drei Jahren verheiratet und derzeit noch ohne Nachwuchs. Seine Frau, eine Medizin-Ökonomin, arbeitet derzeit noch in Gelsenkirchen-Buer, ziehe im Oktober mit nach Leipzig. Andreas-Heinrich Werner wollte zunächst Chirurg werden, erzählt der 43-Jährige. Die handwerkliche Herausforderung an die Feinmotorik der Hände habe ihn gereizt. In seinem dritten Studienjahr sei ihm bewusst geworden, dass es in der Medizin noch andere operative Bereiche gibt. Den Kaiserschnitt beispielsweise mache nicht der Chirurg, sondern der Gynäkologe.

„Frauenheilkunde ist auch ein operatives Fach“, so Werner. In einer Praxis gestalte sich die Arbeit des Gynäkologen anders als in einer Klinik, wo Operationen mit einer Dauer von fünf bis sieben Stunden durchaus auf der Tagesordnung stehen. Eins der Gebiete, mit denen er sich besonders befasst, ist die gynäkologische Krebsheilkunde, die sich der Heilung von Erkrankungen der Gebärmutter, Eierstöcken und Eileitern sowie der weiblichen Brust widmet.

Motivation in Brasilien gefunden

Ein Schlüsselerlebnis, sich für die Gynäkologie und Geburtshilfe zu entscheiden, sei für ihn die Arbeit an einer brasilianischen Klinik gewesen, damals noch als sehr junger Mediziner. „Die dortigen Kollegen waren mit medizinischen Geräten vergleichsweise schwach ausgestattet, jedoch extrem motiviert, freundlich und sehr bemüht, ihr Wissen an junge Kollegen wie mich weiter zu geben“, erinnert er sich. „Dort wurde mir bewusst: In keinem anderen medizinischen Bereich kann man so oft und so regelmäßig Leben retten.“ Während vor rund hundert Jahren noch jede fünfte Frau während oder kurz nach der Geburt gestorben sei, ist es heute in Deutschland noch eine von 20 000.

Der Verfechter einer möglichst geringen Kaiserschnittrate leitete bereits weit über hundert schwierige Geburten von Mehrlingen oder mit Kindern in so genannter Beckenendlage. Selbst für letztere Fälle plädiert er für die natürliche Spontangeburt statt für den Kaiserschnitt – so wie bereits seine Vorgängerin Katrin Petzold.

Sachsen schon als Kind kennen gelernt

Unter anderem auch deshalb habe er sich für die Leisniger Klinik entschieden, und zudem, weil er die gute apparative Ausstattung des Hauses sehr schätzt, ebenso die guten Weiterbildungsmöglichkeiten innerhalb des Helios-Konzerns. Sachsen kennt er im Übrigen seit seiner Kindheit, führten ihn doch lange vor dem Mauerfall familiäre Verbindungen nach Torgau und Chemnitz.

Der passionierte Klavierspieler mit einer Vorliebe für Beethoven-Stücke besetzt in Leisnig seine erste Chefarztstelle, arbeitete zuvor sechs Jahre als Oberarzt und war sowohl an kleinen Kliniken sowie an großen mit rund 2000 Geburten pro Jahr beschäftigt. Zum Vergleich: In Leisnig wurde 2015 die 500-er Marke überschritten. Dieses Jahr, so schätzt Werner, könnten es durchaus 600 Neugeborene In Leisnig geben.

Handwerker mit Lkw-Führerschein

Werners Liebe zu handwerklichen Herausforderungen erstreckt sich nicht allein auf den beruflichen, medizinischen Sektor, schmunzelt er. Er bekommt auch in Haus und Garten eine Menge selbst auf die Reihe, fuhr auch den Lkw für seinen Umzug eigenhändig. Ihn reize es zudem, Neues zu lernen, zum Beispiel Sportarten.

Zuletzt war Katamaran-Segeln dran, und dafür unter anderem das so genannte Durchkentern: „Dabei muss man den Mast mit dem Segel auch dann wieder aus dem Wasser bekommen, wenn er senkrecht in Richtung Meeresboden zeigt.“ Sich das anzueignen, koste nicht allein ein gewisses Geschick, sondern Mühe und Beharrlichkeit.

Von Steffi Robak

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