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Neuer Mann an der Kerateam-Spitze

Thomas Pfalzgraf Neuer Mann an der Kerateam-Spitze

Thomas Pfalzgraf lenkt als neuer Geschäftsführer die Geschicke vom Leisniger Fliesenwerk Kerateam.

Thomas Pfalzgraf (links), neuer Kerateam-Geschäftsführer, zusammen mit dem technischen Geschäftsführer Dr. Rüdiger Grau
 

Quelle: Sven Bartsch

Leisnig.  In der neuen Fliesenausstellung bei Kerateam in Leisnig bewegt sich der Besucher durch Themenwelten: So könnte ein Bad aussehen, eine gemütliche Kaminsitzecke, ja auch ein Schlafzimmer. Gefliest sind Wände und Böden, letzteres im Großformat von 1,20 mal 1,20 Metern. Manches hat die optische Anmutung von Holz, sieht nicht nur so aus, sondern fühlt sich beim Darüberstreichen mit der Hand genauso an. Feinsteigzeug, das ist das neue Holz – auf jeden Fall für den Boden. „In Verbindung mit Fußbodenheizung ist ein gefliester Boden das Non-Plus-Ultra“, sgt Thomas Pfalzgraf, neuer Geschäftsführer von Kerateam. Der aktuelle Designtrend, der dem Holz von Bohle bis Shabby Chick Rechnung trägt, findet sich in der aktuellen Ausstellung wieder. Während die großen Bodenfliesen aus dem Hause Steuler in Mühlacker kommen, fertigen die Leisniger alles dazu Passende für die Wand. Der Trend zu Großformaten setzt sich dort fort: Größen von 20x 50 beziehungsweise 30x60 Zentimetern laufen in Leisnig vom Band.

Lichtraum für 50 000 Euro

 Drei Designer und sieben Techniker entwerfen jährlich vier bis sechs Kollektionen. Dass diese Mitarbeiter ab jetzt in einem für Kundschaft nicht zugänglichen Normlichtraum ihrer kreativen Arbeit nachgehen, verdanken sie dem neuen Geschäftsführer. Dort sind in völliger Abwesenheit von realem Tageslicht verschiedene Lichtverhältnisse simulierbar, vom Neon- bis Sonnenlicht. Allein dieser Normlichtraum war Pfalzgraf rund 50 000 Euro wert, von einer Gesamtinvestition in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro in diesem Jahr. Eine moderne Digitaldruckanlage für das Oberflächendesign gehört zum neuen Maschinenpark. Mit dem Mutterhaus der Steuler-Gruppe ist das abgestimmt, diese jährliche Investitionssumme auch keine Seltenheit: „Leisnig ist innerhalb der Unternehmensgruppe der wichtigste Standort“, sagt Pfalzgraf. Was dem 54-Jährigen ebenfalls wichtig ist: Der Standort Leisnig erwirtschaftet selbst den Ertrag,welcher für kontinuierliche Investitionen in Technik und Büroausstattung investiert.

Es hört sich an, als könne mit Thomas Pfalzgraf an der Spitze des Unternehmens alles weiter gehen wie bisher. Und dennoch, der Geschäftsführerwechsel läutet ein neues Zeitalter ein. Das Bestreben, mit noch besserem Marketing eine Fliese noch besser zu verkaufen, stoße irgendwann an Grenzen. „Man muss nicht allein das Produkt beherrschen, sondern auch die Prozesse rund herum“, sagt der studierte Volks- und Betriebswirt.

Neueinstellungen im Visier

Zuletzt arbeitete er in der Autozulieferer-Branche, lernte dort, dass Prozessoptimierung, von der Firmensoftware bis hin zur Logistik, mehr und mehr ein Erfordernis der sich globalisierenden Wirtschaft ist. Simples Beispiel: Das geflieste Schlafzimmer in der Ausstellung. In Deutschland werde dies durchaus nicht so angenommen, jedoch: „Wir möchten in ganz Europa verkaufen, bewegen uns absatztechnisch in einem Segment, in dem Hersteller aus Italien, Spanien, Polen und zunehmend aus China, aktiv sind.“ Kerateam-Fliesen sind in Baumärkten wie Bauhaus, Hornbach oder Obi zu bekommen. Das Angebot im Mittelpreissegment spreche generell Eigenheimbauer beziehungsweise Bauträger an.

 Pfalzgraf: „Will Kerateam weiter ganz oben mitspielen, müssen wir im größten modernsten und damit wichtigsten Standort die Kostenführerschaft behaupten.“ Es seien Neueinstellungen geplant, Menschen mit verschiedenster Ausbildung, vom Elektriker, Mechaniker, Mechatroniker, Zerspaner, Dreher, Fräser, können an den Kerateam-Anlagen arbeiten. Im technischen Bereich werden derzeit vier Auszubildende geschult, im kaufmännischen gibt es einen Ausbildungsplatz. Und Kerateam schöpft bei der Sicherung des Personals gern aus den eigenen Ressourcen: Sowohl der aktuelle Werks- als auch der Betriebsleiter sind aus den eigenen Reihen in diese Positionen aufgestiegen.

Optimieren für die Standortsicherung

Als knallharten Optimierer, der Zahlen zusammen rechnet ohne Rücksicht auf den Verlust von Arbeitsplätzen, sieht sich Pfalzgraf keinesfalls. „Ich habe von Ingrid Vogel einen sehr gut geführten Betrieb übernommen. Die aktuellen Investitionen müssen im Hinblick darauf erfolgen, wie wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiter machen wollen. Ich freue mich sehr, das zusammen mit den Mitarbeitern sowie mit dem technischen Geschäftsführer Dr. Rüdiger Grau mitgestalten zu können.“ Das sei für ihn keine Frage des knallharten Optimierens, sondern aktive Standortsicherung.

Wieder in familiäre Verhältnisse

Für sein eigenes Leben und das seiner Frau sowie drei Kinder bringt Pfalzgrafs neue Stelle bei Kerateam den Umzug vom Allgäu nach Sachsen mit sich. Neuer Wohnsitz soll Leipzig sein. Für ihn ist es eine Heimkehr in familiäre Strukturen, die diese Bezeichnung auch etwas eher verdienen als bisher: In der Automotivbranche auf internationalem Parkett gefragt, habe sich das Familienleben für ihn auf das Wochenende beschränkt. „Das wollten wir nicht mehr. Ich möchte nach Feierabend wirklich nach Hause fahren.“

 Innerhalb von 20 Jahren, welche das Werk in Leisnig mittlerweile existiert, wurden 68 Millionen Euro investiert. Die Jahresproduktion beträgt acht Millionen Quadratmeter Fliesen, das bedeutet, zirka 20 000 Quadratmeter pro Tag. Der Jahresumsatz lag 2015 bei 43,5 Millionen Euro. Perspektivisch könne ein weiterer Ofen gebaut werden, die Fläche dafür im Leisniger Gewerbegebiet hat sich Kerateam bereits gesichert. Eine genaue Zeitplanung existiere nach Pfalzgrafs Worten noch nicht.

Von Steffi Robak

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