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Neujahrskonzerte in Döbeln: Barock-Hits an der Orgel und Tänzerisches im Theatersaal

Neujahrskonzerte in Döbeln: Barock-Hits an der Orgel und Tänzerisches im Theatersaal

das ist wie Silvester ohne Böller. In Döbeln war die Auswahl an Musik zum Jahresbeginn gleich richtig groß: Gehört der 1. Januar traditionell dem Orgelkonzert der Evangelischen Kirchgemeinde, so legte das Mittelsächsische Theater in diesem Jahr sein Neujahrskonzert wieder in zweifacher Auflage auf den gestrigen Freitag.

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Auf die "Suche nach der verlorenen Zeit" gingen Generalmusikdirektor Raul Grüneis und die Mittelsächsische Philharmonie bei den beiden Neujahrskonzerten im Theater.

Quelle: Sven Bartsch

Neujahr ohne Walzer. Da bieten sich Quervergleiche förmlich an, denn die Schnittmenge zwischen den 200 Orgelkonzertbesuchern und dem Publikum im doppelt ausverkauften Theater ist naturgemäß recht groß.

 

Für Markus Häntzschel war es gleich in mehrfacher Hinsicht eine Premiere, stellte sich doch der neue Kantor in seinem ersten Neujahrskonzert zugleich auch erstmalig als Orgelsolist vor. Es dauerte nicht lange, bis sich der Kirchenmusiker in die Herzen der Zuhörer gespielt hatte. Auslöser war zweifellos das vielfältige und unterhaltsame Programm, das mit Gloria-Vertonungen einen nachvollziehbaren Rahmen bot, das mit einer thematischen Improvisation zur Jahreslosung auch Nachdenklichem Raum gab, das musikalisch Frühbarock mit Spätromantik mischte, das den üblichen Bach nicht aussparte und das dem Feiertag entsprechend zudem mit einer Prise Humor gewürzt war.

 

"Das Largo von Händel in sieben merkwürdigen Interpretation" heißt jenes Stück aus der Feder von Herbert Gadsch, das den Barock-Hit "Ombra mai fu" in unterschiedlichste musikalische Gewänder kleidet. Ob als Trauermarsch oder als sinnlicher Tango, ob als ausgefeilte Pedal-Etüde oder als schwelgender Neujahrswalzer - eine geniale Melodie taugt eben für jederlei musikalisches Genre.

 

Sehnsucht nach Wien und Paris

 

Hielten sich tänzerische Melodien in St. Nikolai erwartungsgemäß in Grenzen, so bildeten sie tags darauf im Theater das Zentrum des Neujahrskonzertes. "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" hatte Raoul Grüneis den Abend betitelt. Hinter der Sammlung von Melodien aus Opern und Operette aus Wien und Paris stand ein reizvoller Gedanke: Grüneis präsentierte, wie an einem Ort die Sehnsucht nach dem jeweils anderen in Töne übertragen wurde. Dafür stellte er ein gut zweistündiges Programm zusammen, das kunstvoll zwischen Altbekanntem und Entdeckungen, zwischen Dauerbrennern und Abseitigem wechselte.

 

Reizvoll etwa, wie in Paris auf deutsche Leitkultur geblickt wurde, denn nicht nur Charles Gounod bearbeitete den "Faust" für die Opernbühne, sondern auch Ambroise Thomas zeigte mit "Mignon", dass Franzosen ein Faible für Goethe haben. Aus beiden Werken fanden sich im Konzert Ausschnitte, und so war es ein wenig schade, dass im 2015er Neujahrskonzert erstmalig wieder auf sängerische Beteiligung verzichtet wurde, denn von diesen Opern hätte das Publikum gern auch etwas mehr gehört.

 

An Johann Strauß aber geht kein Weg vorbei an diesem Tag: Üppig formte der Dirigent die "Rosen aus dem Süden", die"Vergnügungszug-Polka" diente für die obligatorischen Späße der Musiker und mit der "Methusalem"-Ouvertüre gab es eine Neuentdeckung. Weil Grüneis mehr moderierte, erfuhr das Publikum zudem auch spannende Anekdoten: Etwa jene, wie Frauenschwarm Strauß in Russland sich beinahe hätte duellieren müssen. Da ahnt man: Dieser Dirigent hat noch Stoff für viele Neujahrskonzerte!

Hagen Kunze

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