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Döbeln Nichts dreht mehr nach Havarie
Region Döbeln Nichts dreht mehr nach Havarie
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18:42 25.10.2018
Weil eine Anlage im Windpark Bockelwitz defekt ist, hat der Betreiber vorläufig den ganzen Park abgeschaltet. Quelle: BKW
Nicollschwitz

Bernd Starke ist nachdenklich. „Man steht davor und stellt fest, dass man bei bestimmten Problemen der modernen Infrastruktur machtlos ist“, sagt der Leisniger Feuerwehrchef über den Einsatz am Problem-Windrad. Das drehte sich am Mittwoch einhalb mal schneller, als es darf, und die Kameraden konnten nichts anderes tun, als das Gefahrengebiet umfangreich abzusperren. Mit 21 Kameraden waren etliche Wehren aus dem Leisniger Gemeindegebiet und aus Hartha im Einsatz. Weil der Leisniger Einsatzleitwagen gerade in der Werkstatt ist, kamen die Feuerwehrleute aus der Nachbarstadt. Für über zwei Stunden war die Autobahn 14 am Mittwoch gesperrt. Viele Kraftfahrer wichen auf Nebenstraßen über die Dörfer aus, weshalb diese dann ziemlich verstopft waren.

Evakuierung eine Option

Und dem Dörfchen Nicollschwitz mit seinen über zwei Dutzend Einwohnern drohte die Evakuierung. „Das war keine Anordnung der Polizei, sondern eine Option, die zu prüfen war, wenn sich das Windrad nicht hätte abschalten lassen“, stellt Andrzej Rydzik, stellvertretender Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz, klar. Aber so weit kam es zum Glück nicht, obwohl die Vorbereitungen schon recht weit fortgeschritten waren. Im Dorf sind die Leute anscheinend nicht übermäßig besorgt über die Nähe zum Windpark, in dem noch weitere 20 Jahre alte Anlagen stehen. „Passieren kann das immer mal“, sagt eine Nicollschwitzerin, die nicht weit von der havarierten Anlage wohnt. Allerdings liegt die Autobahn dazwischen. „Es ist ja nichts passiert“, sagt die Frau und berichtet, wie die Polizei im Dorf über den Havaristen informierte.

KKW 25 Mal so stark

Dieser gehört zu zehn 67 Meter hohen Windrädern, die die Berner Kraftwerke (BKW) betreiben. Ein jedes hat eine elektrische Leistung von 1,5 Megawatt. Nicht nur aus Wind erzeugen die Kraftwerke der BKW Strom, dem Unternehmen gehört auch das Kernkraftwerk Mühleberg bei Bern, dessen Siedewassereaktor 373 Megawatt Leistung hat – also knapp 25 Mal soviel, wie alle Windräder des Windparkes Bockelwitz. Bis 2019 soll das relativ alte und nicht unumstrittene KKW noch Strom produzieren und dann vom Netz gehen.

Kommentar: Windkraft-Nutzung überdenken!

Windkraft ist sicher. Windkraft ist öko. Windkraft ist gegen den Klimawandel. So oder ähnlich lauten sie, die Slogans der grünbewegten Befürworter sogenannter regenerativer Energie. Sie sind zu überdenken. Da ist zum einen der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung. Sogar die nicht gerade als kohlekonservativ geltende Tagesszeitung TAZ hat diesem Thema einen kritischen Artikel gewidmet. Der Abbau der dafür notwendigen sogenannten seltenen Erden in China geht mit gewaltiger Umweltverschmutzung einher. Der Förderung von Eisenerz fallen in Brasilien große Flächen Regenwald zum Opfer. Dann ist da das Tötungsrisiko für Vögel und Fledermäuse. Und nicht zuletzt sind die Nachteile und Gefahren für die Menschen zu nennen. Deutlich schneller als 266 Kilometer pro Stunde rasten die Flügel der Problem-Anlage am Mittwoch um die Rotornabe. Nicht auszudenken, mit welcher Wucht diese durch die Gegend geflogen wären, wenn es die Anlage zerbröselt hätte. Dann hätte das Windrad nicht mehr „nur“ ein Flugtier erschlagen, sondern womöglich einen Menschen. Verhalten zuversichtlich stimmt die Ankündigung der Berner Kraftwerke, den Windpark Bockelwitz nicht mit neuen, noch größeren und damit potenziell gefährlicheren Anlagen zu bestücken und damit nicht dem Prinzip „Wachstum um jeden Preis“ zu folgen. Dirk Wurzel

Vorübergehend vom Netz ist derzeit auch der Windpark Bockelwitz. Hier stehen die Räder wegen des Havaristen still. „Ein Team von Experten ist derzeit vor Ort und untersucht die Ursache. Bis die geklärt ist, bleiben die Windenergieanlagen des Parks abgeschaltet“, teilt Sabrina Schellenberg, stellvertretende Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der BKW, auf Nachfrage der DAZ mit. Wenn die Ursache gefunden ist, wird die kaputte Anlage repariert. Das Unternehmen hat nicht vor, die 20 Jahre alten Windräder durch neue, höhere und leistungsstärkere zu ersetzen (Repowering). „Im Moment ist das nicht für den Windpark Bockelwitz geplant. Als wir ihn vor zehn Jahren übernommen haben, haben wir ihn umfassend saniert und anschließend laufend in die Wartung und Instandhaltung investiert. Der Windpark hat bisher auch stets zuverlässig funktioniert“, sagt Sabrina Schellenberg.

Windrädern an Autobahn sorgen für Skepsis

Das Repowering ist dagegen für einen anderen Windpark in der ehemaligen Gemeinde Bockelwitz geplant. Dazu läuft ein Bebauungs-Plan-Verfahren bei der Stadt Leisnig. „Wir wollen dieses im Frühjahr kommendes Jahres abschließen“, sagt Thomas Schröder, Leiter des Bau- und Ordnungsamtes der Stadt Leisnig. Im Windpark Sitten gab es eine spektakuläre Havarie im Raum Leisnig. Kurz nach Weihnachten 2016 war hier eine 1,5-Megawatt-Anlage umgeknickt. Der Betreiber darf die diese ersetzen. Ob auch das Repowering kommt, hängt mit vom Naturschutz ab. „Noch liegt uns kein Plan vor. Wenn das Fall ist, entscheiden wir, ob wir dagegen vorgehen“, sagt Tobias Mehnert vom Naturschutzverband Sachsen, der den Ersatz kleiner alter Windräder durch größere in Sitten ablehnt. Begründung: Windräder töten Fledermäuse und Vögel. „Wir sind außerdem skeptisch, ob es angesichts der Ereignisse sinnvoll ist, Windkraftanlagen in Autobahnnähe zu bauen. Zudem ist grundlegend zu überdenken, ob Windkraftanlagen die richtige Art der Energieerzeugung sind“, sagt Tobias Mehnert.

Von Dirk Wurzel

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