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Nico kam kurz vor der Flut in Leisnig auf die Welt

Nico kam kurz vor der Flut in Leisnig auf die Welt

Am 12. August 2002 ist Döbeln von der Jahrtausendflut komplett überschwemmt worden: Schlamm, Geröll und Wassermassen. 569 Geschäfte sind vom Hochwasser betroffen und zerstört.

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Nach der Flut wäre das unmöglich gewesen: Die ganze Familie völlig locker, auf sauber verlegtem Pflaster. Enrico, Lea, Isabel und Flutbaby Nico (v.l.) auf dem Döbelner Obermarkt.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln/Leisnig. "Zwei Meter stand es in allen Räumen", erzählt Mutter Isabel Wittig. Die neue Wohnung hatten sie erst eine Woche, als das Wasser überall eindrang. Zu dem Zeitpunkt lag die heute 27-Jährige mit ihrem ersten Kind auf dem Arm im Leisniger Krankenhaus. Nicos Oma rief an und sagte: "Das Wasser, es kommt von hinten." Isabel schaltete den Fernseher ein und sah die gewaltigen Bilder.

Am 13. August hielt sie nichts mehr im Krankenhaus. "Nico ging es prächtig, das war die Hauptsache." Sie quartierte ihn bei der Oma in Ebersbach ein. "Wir mussten uns um so vieles kümmern", sagt Isabel. Alles musste neu herbeigeschafft werden. Doch Hilfe kam von vielen Stellen. "Möbel und Essenspenden, auch die Stadt hat mit Geld unterstützt", sagt die gelernte Köchin. Übergangsweise zog die junge Frau mit Nicos Vater und dem Säugling nach Döbeln-Nord, dann nach Rudelsdorf. "In die Döbelner Innenstadt wollten wir nicht mehr." Auch wenn das vorher genau der Wunsch gewesen war. Ein wenig gezeichnet hat die junge Frau das Hochwasser doch.

Nico hingegen hat von all dem nichts mitbekommen. "Du hast mir noch gar nicht erzählt, dass ich damals bei Oma war", sagt das heutige Geburtstagskind mit leicht vorwurfsvollem Ton. Aber dafür hat ihm seine Mutter schon erzählt, dass er sehr unkompliziert auf die Welt gekommen ist. "Anstrengend war ich auch noch nie", ist die verschmitzte Antwort des Zehnjährigen. Sein Hobby ist das Quad fahren. Er kann sich gut vorstellen später einmal Rennfahrer zu werden. "Schön Gas geben und wenn es Nass ist, dann rutscht es so schön." Eine Wasserphobie hört sich anders an.

Mittlerweile wohnt Isabel mit Nico, der fünfjährigen Lea, die Kinder aus der ersten Ehe, und den beiden neun Monate alten Zwillingen Ben und Chris zusammen mit Ehemann Enrico Wittig. Die beiden haben vor neun Tagen geheiratet. Reiner Zufall, denn "es ist genau zwei Jahre her, dass ich ihr den Antrag gemacht habe", sagt Enrico Wittig.

Mit dem Hochwasser hat das neue Glück nichts zu tun. Der Lagerist sagt aber auch: "Ratzfatz, kann es wieder kommen." Aber in Waldheim, bis auf den Berg in der Hainichener Straße, werde ein erneutes Hochwasser wohl nicht schwappen. "Nur wenn es jetzt mal drei oder vier Tage regnet, dann schauen wir schon auf die Pegelstände."

Nach Waldheim ist Isabel gezogen, weil Nico dort eingeschult wurde, bevor sie sich 2009 von ihrem ersten Mann trennte und das neue Glück fand. In der Schule "mag ich alles bis auf Mathe", sagt der Zehnjährige. Aber über die Flut hat er in den Lehrräumen noch nichts gehört, auch nicht jetzt, in den Tagen vor der Feier "Die Jahrhundertflut 2002 in Döbeln - zehn Jahre danach".

"Zum Fest wollen wir morgen Nachmittag gehen und uns alles einmal anschauen", sagt Isabel Wittig. Aber vorher soll erst noch der Geburtstag von Flut-Baby Nico gefeiert werden. Den kecken Burschen hat das alles nicht gestört. Nicht in den letzten zehn Jahren und vermutlich auch in Zukunft nicht. Er gibt sich unbeeindruckt, von Flut und Wassermassen. Matthias Pöls

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