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Döbeln Niederstriegiser Kirche: Erste Geheimnisse aus der Hülse gelüftet
Region Döbeln Niederstriegiser Kirche: Erste Geheimnisse aus der Hülse gelüftet
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16:51 23.03.2017
Christoph und Thomas Müller nehmen die Turmkugel ab.   Quelle: Sven Bartsch
Niederstriegis

 Kugel und Kreuz sind von der Spitze des Niederstriegiser Kirchturms abgenommen. Nun beginnt die Sanierung des Turms und von Teilen des Kirchenschiffes, wofür insgesamt rund eine halbe Million Euro eingeplant ist. Ausgebaut werden auch die Zifferblätter der Turmuhr und es gibt schon erste Einzelheiten über die in der Kugel gefundenen Dokumente.

„Seit 2011 sind wir dabei, den Bestand der Niederstriegiser Kirche aufzunehmen. Bis dann die Mittel für eine Sanierung zur Verfügung stehen, dauert es immer eine Weile. Aber nun kann es los gehen“, sagt Bauleiter Frank Schuster vom Büro für Bauplanung Oschatz, der die Bauleitung inne hat. Als erstes werden die beiden Zifferblätter der Turmuhr ausgebaut – einerseits um mehr Baufreiheit für die Arbeiten zu schaffen, andererseits um an der Umrahmung der Uhr Ausbesserungen vornehmen zu können. Die handfesten Arbeiten beginnen laut Schuster am Montag mit dem Abhacken des Putzes an der Ostseite des Kirchturmes. Dort ist die Fassade besonders schadhaft. Danach wird die Wand auch gleich wieder verputzt. Das soll bis etwa Ende April geschafft sein, denn dann starten die Arbeiten an der Turmhaube. Zunächst wird der alte Schiefer abgenommen, bei dem es sich zwar um Naturschiefer handelt, der aber in Mangelzeiten mehrmals umgedeckt wurde und nun eines Austauschs bedarf. Der neue Schiefer, mit dem das Turmdach gedeckt wird, soll aus Spanien kommen. „In Thüringen wird keiner mehr abgebaut und aus anderen deutschen Regionen ist er sehr preisintensiv“, erklärt Bauleiter Frank Schuster. Anfang Mai sollen die Zimmermannsarbeiten an der Turmhaube beginnen, erst wenn diese komplett fertig ist, wird die östliche Turmwand auch farblich neu gestaltet.

Inzwischen restaurieren die Metalldrücker Christoph und Thomas Müller in ihrer Wurzener Werkstatt den Turmknopf und belegen ihn neu mit Blattgold. Für die Entscheidung, wie mit dem Turmkreuz zu verfahren ist, wollen der Kirchenvorstand und der Bauleiter den Denkmalschutz zu Rate ziehen. Noch nicht ganz klar ist, aus welcher Zeit das Kreuz stammt – ob es beim Bau der Kirche 1849/50 mit auf die Spitze kam oder erst später aufgesetzt wurde. Denkbar ist laut Frank Schuster, das vorhandene Kreuz nicht aufzuarbeiten, sondern ein neues, zur Dimension der Kugel passendes aus Edelstahl anzufertigen und es dann ebenfalls zu vergolden. In der Kugel selbst gibt es Beulen und Einschusslöcher, die die Metalldrücker beseitigen wollen.

Bei der ersten Sichtung der historischen Dokumente, die sich, geschützt durch eine Metallhülse, in der Turmkugel befanden, stellte Pfarrer Heiko Jadatz fest, dass diese von 1850 und von 1900 stammen. Bei späteren Arbeiten am Turm, die es nachweislich gegeben hat, sind diese alten Schriften also offenbar nicht durch neue ergänzt worden. Die gefundenen Dokumente enthalten geschichtliche Nachrichten und informieren über erfolgte Arbeiten an der Kirche. So ist unter anderem zu erfahren, dass 1900 ein Blitzschutz installiert und der Turmknopf vergoldet wurde. Interessant sind auch die Angaben über damalige Preise. So kosteten 1900 ein Scheffel Weizen 12,20 Mark, ein Zentner Rüben eine Mark, ein Zentner Kartoffeln 2,50 Mark und eine Kanne Butte 2,60 Mark.

Von Olaf Büchel

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