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Döbeln „Noch ganz dicht?“ Corsa-Klatscher benimmt sich nicht bei Gericht
Region Döbeln „Noch ganz dicht?“ Corsa-Klatscher benimmt sich nicht bei Gericht
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12:21 10.05.2016
Ob Richter und Staatsanwalt noch ganz dicht seien, fragen die wenigsten Angeklagten vor Gericht. Einem 28-jährigen Döbelner wahr wohl die Geldstrafe zu hoch, die der Staatsanwalt beantragt hatte. Darum entgleiste der Mann verbal in seinem Prozess. Das war nicht sein erster Ausrutscher. Quelle: W. Sens
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Döbeln

Wie man sich bei Gericht definitiv nicht benimmt, zeigte jetzt ein 28-jähriger Döbelner im Amtsgericht. Nicht nur, dass er sich auf seinem Stuhl rumfläzte, mit diesem bis direkt vor die Tür des Verhandlungssaales rollte und diese damit zeitweise blockierte. Der Mann redete Richter und Staatsanwalt zudem in der 2. Person Plural an. Das ist wie duzen, bloß in der Mehrzahl. „Noch mal 600 Euro zahlen, seid Ihr noch ganz dicht?“, sagte der junge Mann, dem Sachbeschädigung zur Last lag und der offenbar mit dem Antrag von Staatsanwalt Bernhard Klose nicht einverstanden war.

Laut Anklage soll der gelernte Konstruktionsmechaniker ein Corsa-Klatscher sein. Denn auf einen solchen Kleinwagen aus dem Hause Opel sei er am 12. Februar auf dem Döbelner Körnerplatz losgegangen, so der Tatvorwurf. Gegen 13 Uhr habe der 28-Jährige gegen die Fahrertür getreten und dann noch mal aufs Dach geschlagen, als der Fahrer des roten Wagens an einer roten Ampel wartete. Rund 580 Euro Schaden entstanden dem Geschädigten durch die Attacke an seinem Fahrzeug. Das Geld für die Reparatur hat ihm der junge Mann bereits bezahlt. Seine Mutter hatte sich um die Regulierung des Schadens gekümmert.

Erst das Fahrrad, dann der Fußtritt

Vor Gericht redete er nicht um den heißen Brei herum, sondern gestand die Attacke auf das Fahrzeug. Es sei eine Kurzschlussreaktion gewesen. Der junge Mann sagte auch, dass er sich mit dem Corsa-Fahrer nicht grün gewesen sei. Beide waren Arbeitskollegen bei einer Döbelner Briefkastenfirma. Ins Detail ging der 28-Jährige nicht, was sein Motiv war. Es gab wohl Stress auf Arbeit. Den konnte der 47-jährige Corsa-Fahrer erläutern. „Wir hatten Übergabe zum Schichtwechsel. Ich sah, dass der Werkzeugschrank unseres gemeinsamen Arbeitsplatzes voller Öl war. Ich habe ihn gebeten, das sauber zu machen. Er hat mir Schläge angedroht und dann ins Gesicht geschlagen“, sagte der Zeuge. Seinen Job in der Briefkastenfirma war der Angeklagte damit los. Die Attacke auf seinen Corsa schildert der 47-Jährige so: „Ich sah den Angeklagten mit dem Fahrrad auf mich zukommen. Das hat er mir vor das Auto geworfen und dann dagegen getreten.“

Geständnis, glaubhafte Zeugenaussage, die Dellen im Blech auf Lichtbild dokumentiert – für Staatsanwalt Bernhard Klose stand die Schuld des Angeklagten fest. Der ist bisher nicht vorbestraft. Der Angriff auf seinen Arbeitskollegen hatte offenbar keine strafrechtlichen Folgen, möglicherweise weil der 47-Jährige auf eine Anzeige verzichtet hat. Wo kein Kläger, da kein Richter.

Von Reue keine Spur

Der Staatsanwalt beantragte, den nunmehr Arbeitslosen wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 20 Euro zu verurteilen. Das kommentierte der junge Mann nicht nur mit der rhetorischen Frage, ob Richter und Staatsanwalt noch ganz dicht seien, sondern er sagte auch mehrfach: „Schämt Euch!“ Andere Angeklagte nutzen das letzte Wort oft für eine Bitte um Entschuldigung, versuchen, noch mal gut Wetter für sich zu machen, geben an, dass ihnen die Tat leid tut. Nicht so der Auto-Attackierer. „Von Reue war keine Spur“, sagte Richter Janko Ehrlich, der den Mann zu der geforderten Geldstrafe wegen Sachbeschädigung verurteilte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nachdem ihn Richter Ehrlich über die Rechtsmittel belehrt hatte, fragte der Corsa-Klatscher noch, ob er in der zweiten Instanz von der nach seinen Begriffen zu hohen Geldstrafe herunterkommen könnte. „Sie können sich das in Arbeitsstunden umwandeln lassen, wenn sie bei der Staatsanwaltschaft nachfragen und dabei freundlich sind“, antwortete Staatsanwalt Klose.

Von Dirk Wurzel

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