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Döbeln Leisnig: Noch immer Ziegelbruch auf den Fußwegen, aber warum?
Region Döbeln Leisnig: Noch immer Ziegelbruch auf den Fußwegen, aber warum?
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14:24 11.03.2018
Fußwege mehr als drei Wochen nach Sturmtief Friederike immer noch mit Ziegelbruch übersäht. Quelle: Sven Bartsch Fotograf
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Leisnig

Noch immer sind in Leisnig Fußwege abgesperrt, das Pflaster mit den Scherben zerschlagener Dachziegel übersäht. Warum eigentlich?

Schäden größer als auf den ersten Blick sichtbar

Das Sturmtief Friederike ist doch schon seit mehr als drei Wochen Geschichte, da sollten die Gehwege beräumt sein. Das könnte man meinen, stimmt aber nicht: Beim Beheben der Sturmschäden steht vieles noch Anfang. Die Schäden sind größer als auf den ersten Blick sichtbar.

Eigentümer müssen Ziegelbruch beseitigen

Und was Leisnigs Gehwege betrifft: Das müssen die Hauseigentümer wegräumen lassen. Wo sie das nicht tun, versucht die Stadtverwaltung Kontakt aufzunehmen. Eine für den Eigentümer kostenpflichtige so genannte Ersatzvornahme – Aufräumen auf Kosten des Hauseigentümers – steht als nächster Punkt an, jedoch: Leisnigs Bauhof besteht derzeit krankheitsbedingt aus zwei Personen.

Selbst Konfetti streng verboten

Normalerweise sollten die Hauseigentümer dafür gesorgt haben, dass die Gehwege vor ihren Häusern nutzbar und sauber sind. Für Letzteres hat die Stadt sogar ein für die Leisniger Faschingsfans schmerzhaftes Verbot erlassen: Kein Konfetti beim Faschingsumzug! Denn warum sollte der Stadtbauhof den Faschingsfreunden ihren – zugegebenermaßen schön bunten - Dreck hinterher räumen?

Mehrere Misslichkeiten auf einmal

Statt Konfetti liegen aber nun mancherorts Dachziegelscherben auf den Fußwegen, als Hinterlassenschaft des Sturmes. Jetzt kommen in Leisnig gleich mehrere Misslichkeiten zusammen: Manche Hauseigentümer können sich aus verschiedenen Gründen nicht kümmern.

Gott sei Dank gerade kein Schnee

Andere sind für die Stadtmitarbeiter nicht erreichbar. Die Stadt kann gar nicht so schnell aufräumen lassen, wie es gewünscht wäre, wegen der gegenwärtigen personellen Unterbesetzung. „Dass es bisher keine großen Mengen Schnee zu schieben gab, ist ein großes Glück“, so Uwe Dietrich vom Bau- und Ordnungsamt bei der Stadtverwaltung.

Verwaltung sucht Kontakt zu Eigentümern

Dietrich ist wie auch weitere Verwaltungsmitarbeiter derzeit im Stadtgebiet unterwegs, um mit Hauseigentümern Kontakt aufzunehmen. „Für die Stadt ist das dann ein Thema, wenn von den Gebäuden eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht“, sagt er, und weiter: „Das wahre Ausmaß der Schäden ist für Außenstehende schon gar nicht überschaubar. Bei Vor-Ort-Terminen stelle ich das immer wieder fest. An den von öffentlichen Straßen und Plätzen nicht einsehbaren Stellen sind die Schäden größer, als man es sich vorstellen kann.“

Alles auf einmal: Dachdecker ausgelastet

Generell, so seine Einschätzung, seien die Hauseigentümer sehr bemüht, die Schäden beheben zu lassen. Weil das nach so einem Unwetterereignis viele gleichzeitig tun, sind Dachdeckerfirmen derzeit stark ausgelastet. Nicht alles kann sofort und gleichzeitig erledigt werden.

Reaktion direkt nach dem Sturm

„Besonders wenn Eigentümer selbst in Leisnig wohnen beziehungsweise in dem Haus mit dem beschäftigten Dach, beeilen sie sich sehr. Manche reagierten bereits unmittelbar nach dem Sturm, leiteten erste Reparaturen und Sicherungsmaßnahmen in die Wege.

An zentralen Stellen auffällig, jedoch nicht die Regel

An der Johannistalkreuzung, Ecke Colditzer Straße oder auch an der Ecke Marktplatz/Kirchstraße handle es sich ausgerechnet um Objekte mit einerseits großen Schäden. Andererseits herrscht gerade dort viel Publikumsverkehr. Beides liegt so zentral, dass das von vielen Bürgern direkt wahrgenommen wird.

Absperrzäune und -bänder werden knapp

„Die Normalität ist das nicht“, sagt der Mann vom Ordnungsamt. Die Stadt und die Hauseigentümer seien generell darum bemüht, dass die Gehwege nutzbar sind. Zuletzt musste an so vielen Stellen abgesperrt werden, dass das Absperrmaterial wie Zäune und Bänder knapp wird. Mehr oder weniger kann auf Gefahrenquellen aufmerksam gemacht werden.

Viele unterwegs, bis hinauf zum Bürgermeister

Erst am Freitag war Dietrich zu einem Vor-Ort-Termin mit Eigentümern. Vom Ordnungsamt übers Bauamt bis hinauf zum Bürgermeister verwendet die Rathausbelegschaft viel Zeit darauf, die Sturmhinterlassenschaften in den Griff zu bekommen.

Vielerorts muss ein neues Dach her

Die Verwaltung verschickte an knapp 40 Hauseigentümer Post – allerdings nur an jene, von deren Häusern eine Gefahr für andere ausgeht. Der Gesamtschaden an Gebäuden in und um Leisnig sei wesentlich höher und die Sachschäden vielerorts so gewaltig, dass in nicht wenigen Fällen das gesamte Dach erneuert werden muss.

Ziegel belasten Dachrinnen

Was oftmals von unten nicht zu sehen ist: An manchen Stellen stecken Dachziegel in den Dachrinnen. Diese sind deshalb erheblich belastet und drohen abzubrechen. Die Gefahr ist also nach wie vor vorhanden, wenngleich nicht direkt sichtbar.

Jenseits deutscher Grenzen unerreichbar

In der Mehrzahl hätten Eigentümer auf die persönliche Ansprache beziehungsweise das Anschreiben positiv reagiert und sich bedankt, so Dietrich. Allerdings wohnen in einer Handvoll Fälle die Eigentümer jenseits deutscher Grenzen und sind dort nicht zu erreichen.

Häuser verwahrlosen – auch ohne Sturm

Das Phänomen kennen die Bau- und Ordnungsamtsmitarbeiter zur Genüge, mussten sie doch in der Vergangenheit - auch ohne Sturm – wegen zunehmend verwahrlosender Häuser Kontakt zu Eigentümern aufnehmen. Sturmtief Friederike mit den entsprechenden Nachwehen sorgt jetzt dafür, dass diese Fälle sich plötzlich extrem häufen.

Von Steffi Robak

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