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Nötigung im Bus? Richterin spricht Angeklagten frei

Niederstriegis Nötigung im Bus? Richterin spricht Angeklagten frei

Für einen 24 Jahre alten Syrer gab es am Donnerstag vor dem Amtsgericht Döbeln einen Freispruch. Ihm konnte nicht nachgewiesen werden, ein Kind aus Niederstriegis am Aussteigen aus dem Bus gehindert zu haben.

Der Syrer vom Tatvorwurf der Nötigung vom Döbelner Amtsgericht freigesprochen. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Döbeln/Niederstriegis. Der Vorfall sorgte im Frühjahr dieses Jahres für Aufsehen: Ein Asylbewerber soll Mitte März eine Schülerin daran gehindert haben, in Niederstriegis aus dem Bus auszusteigen. Der Vater des Mädchens erstattete Anzeige, die Polizei ermittelte wegen des Verdachts der Nötigung. Jetzt gab es dazu die Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Döbeln.

Möglich war die Verhandlung überhaupt erst geworden, weil die zehn Jahre alte Betroffene aus Niederstriegis einige Wochen nach dem Zwischenfall ein Foto von Flüchtlingen in einer Zeitung sah und meinte, den Mann, der sie angegriffen hatte, wiederzuerkennen. Die Polizei stellte so die Identität des Asylbewerbers fest.

Nun saß der 24 Jahre alte syrische Staatsbürger, geboren in Damaskus und als Flüchtling nach Deutschland, genauer nach Roßwein gekommen, als Tatverdächtiger auf der Anklagebank. Er verließ das Gericht mit einem Freispruch.

Staatsanwältin Merkel aus Chemnitz verlas, was vorgefallen sein soll: Das Mädchen fuhr am Nachmittag des 14. März als Schulkind mit dem Bus der Linie 750 von Roßwein nach Niederstriegis. Als sie in ihrem Heimatort aussteigen wollte, hätte sie ein ebenfalls im Bus befindlicher ausländischer Mitbürger mit Äußerungen aufgefordert, sitzen zu bleiben. Die Schülerin bemühte sich, zur Bustür zu gelangen. Da habe sie der junge Mann gegen ihren Willen festgehalten. Erst als ein Fahrgast einschritt, ließ der Mann los, so dass die Schülerin den Bus verlassen konnte. Ein Fall von Nötigung. Das Mädchen soll ein gerötetes Handgelenk vom Festhalten gehabt haben, wie der Vater berichtete.

„Ich habe es nicht getan“, sagte der Angeklagte. Er bestätigte, im Bus gewesen zu sein. Mit etlichen anderen Flüchtlingen wollte er nach Döbeln zum Fußball spielen fahren. Am Roßweiner Asylheim stieg die Gruppe in den Bus. Der Syrer konnte sich daran erinnern, dass von seinem Handy ein Rufton in Form eines Gebetes erklang und die Kinder im Bus deshalb erschrocken waren. Auf ein Mädchen eingeredet, es gar festgehalten, habe er nicht.

„Leider gab es in dem Bus keine Innenraumüberwachung durch Kameras“, bedauerte der Verteidiger des Asylbewerbers, Anwalt Peter Meiß. Denn anhand von Video-Aufzeichnungen hätte man nachvollziehen können, was an diesem Nachmittag wirklich passiert war. Bei dem Fahrgast, der offenbar eingeschritten war, soll es sich um eine Frau gehandelt haben. Sie soll nach Angaben von Zeugen zu dem Syrer gesagt haben: „Lassen sie das Kind los oder ich rufe die Polizei!“ Diese Frau konnte jedoch nicht ausfindig gemacht werden.

Als Zeugen, die im Bus waren, sagten das betroffene Mädchen selbst sowie zwei weitere Schülerinnen (11/9) und ein Schüler (10) aus. Die Schilderungen der Kinder vor Gericht unterschieden sich aber zum Teil deutlich von den Angaben, die sie nach dem Zwischenfall gegenüber der Polizei gemacht hatten – zum Beispiel was ihre Sitzpositionen im Bus, den Ablauf der Tat und die Äußerungen des Mannes betraf. Das festgehaltene Mädchen will zudem an dem Mann eine Kette mit christlichem Kreuz und einen Ohrstecker gesehen haben. Der angeklagte Syrer ist jedoch Moslem und hat keine Ohrlöcher.

„Ich glaube dem Mädchen, dass sie am Arm gepackt und am Aussteigen gehindert wurde. Die Nötigung ist passiert. Aber einen durchgreifenden Nachweis, dass der Angeklagte die Tat begangen hat, gibt es nicht“, sagte Staatsanwältin Merkel, die daraufhin Freispruch beantragte. Richterin Marion Zöllner folgte diesem Antrag: „An der Sache zweifle ich nicht. Doch der Angeklagte kommt für mich nicht als Täter in Betracht.“

Von Olaf Büchel

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